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Erhebung„Enormer Nachholbedarf“ bei barrierefreien Wohnungen in Oberberg

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Ein Rollstuhlfaher in einer Wohnung.

Viele Wohnungen im Oberbergischen Kreis sind nicht barrierefrei.

Altersgerechtes Wohnen: Das Pestel-Institut hat jetzt Zahlen für den  Oberbergischen Kreis vorgelegt. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Von gut 135.100 Wohnungen im Oberbergischen Kreis sind nur rund 8000 und somit etwa sechs Prozent so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal klarkommen – heißt: sie sind barrierefrei. Diese Zahlen gehen aus einer Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt und veröffentlicht hat. Die Daten für die regionale Wohnungsmarkt-Analyse stammen laut Nachfrage aus dem Mikrozensus und Zensus (siehe Infokasten), also den regelmäßigen Haushaltsbefragungen durch das Statistische Bundesamt.

Im Fokus der Untersuchung stand vor allem die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen in Oberberg. „Immerhin gehen hier in den nächsten zehn Jahren rund 45.700 Menschen in Rente – die Baby-Boomer nämlich“, wird Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel zitiert.

„Senioren-Umbau-Offensive“

Ziel müsse es sein, möglichst schnell für mehr Seniorenwohnungen im Oberbergischen Kreis zu sorgen, heißt es in der Mitteilung weiter, denn: Die meisten Menschen wollen laut den Statistikern in ihren eigenen vier Wänden alt werden.

In Bezug auf die Barrierefreiheit von Wohnungen erklärt Katharina Metzger: „Wichtig sind wenig Barrieren – also möglichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite Türen und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu können. Vor allem im Bad und in der Küche ist das wichtig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.“

Kreis erhebt solche Daten nicht

Das Problem der Barrierefreiheit fange laut den erhobenen Daten oftmals schon im Hausflur an. „Immerhin haben zwar 70 Prozent der Wohnungen im Oberbergischen Kreis eine Küche, die groß genug ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: In rund 40.100 Küchen können Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden“, berichtet Matthias Günther. Bei den Bädern im Oberbergischen Kreis seien 59.100 und damit 44 Prozent zu klein. Begehbare Duschen gebe es kreisweit in rund 36.400 Wohnungen (27 Prozent), haben die Wissenschaftler außerdem erhoben.

Laut Pestel-Institut gebe es in Oberberg somit „enormen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit fürs Alter zu machen“. Es fordert eine „Senioren-Umbau-Offensive“. Katharina Metzger erläutert hierzu: „Die Mieter, Wohnungs- und Hauseigentümer im Oberbergischen Kreis brauchen dafür Rückenwind aus Berlin: ,Boomer-Zuschüsse’, mit denen sich aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen an der Dusche endlich barrierearme Wohnungen machen lassen.“

Vonseiten des Oberbergischen Kreises lassen sich die Zahlen des Instituts nicht einordnen, da beim Kreis selbst keine Daten über die Barrierefreiheit von meist privaten Wohnungen erhoben werden, heißt es. „Die barrierefreien (Um-)Bauten werden dem Kreis gar nicht gemeldet“, heißt es auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung.


Wie die Daten für den Kreis ermittelt wurden

Beim Mikrozensus handelt es sich um eine „jährliche Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland“, heißt es vonseiten des Statistischen Bundesamtes. Die Befragung wird seit 1957 von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder gemeinsam durchgeführt. Befragt wird jährlich rund ein Prozent der Bevölkerung – stellvertretend für die gesamte Bevölkerung in Deutschland. Dies entspricht laut den Statistikern fast 800.000 Personen in knapp 400.000 privaten Haushalten und Gemeinschaftsunterkünften. Im Fokus stehen die Lebensbedingungen. Neben Angaben zu den in einem Haushalt lebenden Personen, werden u.a. Fragen zu beruflicher Tätigkeit, Kinderbetreuung, Lebensunterhalt, Nettoeinkommen, Altersvorsorge, Internetnutzung und der Wohnsituation gestellt. Die Befragungen finden online, telefonisch oder per Post statt.

Laut Pestel-Institut wurde 2018 in einer Mikrozensus-Zusatzerhebung erstmals nach Merkmalen der Barrierefreiheit von Gebäuden und Wohnungen gefragt. Dies wurde 2022 wiederholt. „Um eine Abschätzung zur Situation in den Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands vornehmen zu können, wurde für die auf der Ebene der Bundesländer verfügbare Mikrozensus-Zusatzerhebung Wohnen geprüft, ob es Wohnungskriterien mit einer deutlichen Differenzierung der Barrierefreiheit gibt“, teilen die Wissenschaftler mit. Da 2022 zudem der alle zehn Jahre stattfindende Zensus durchgeführt wurde, bei dem rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt wird, lagen laut dem Institut alle Wohnungskriterien auch auf der Kreisebene vor.