23 Jugendliche aus Frankreich und Deutschland leisten einen besonderen Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft und der Erinnerungskultur.
Mit Wurzelbürsten gegen das VergessenJugendliche säubern Kriegsgräber in Lindlar

Mit der Wurzelbürste säubern die Jugendlichen die Grabsteine der Kriegsgräber und leisten damit einen Beitrag zur Erinnerungskultur.
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Staub und Dreck von den Grabsteinen entfernen, die Namen der Gefallenen wieder an das Licht der Öffentlichkeit bringen und sie so vor dem Vergessen bewahren: Was die Jugendlichen auf dem Lindlarer Friedhof am Donnerstagmorgen tun, hat eine hohe Symbolkraft, auch wenn das den meisten von ihnen nicht unbedingt bewusst ist. Die 23 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren reinigen, ausgerüstet mit Wasser und Wurzelbürsten, die Grabsteine der Kriegsgräber.
Eine symbolträchtige Aktion
Die symbolträchtige Aktion findet im Rahmen des vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisierten deutsch-französischen Jugendcamps und ist Teil eines europaweiten Programms zur historisch-politischen Bildung und Völkerverständigung, erläutert Konstanze Bauer, Bildungsreferentin der Kriegsgräberfürsorge, den Hintergrund. Die Pflege der Gräber sei ein aktiver Beitrag zur Erinnerungskultur und ein Zeichen für Frieden und Versöhnung. Durch die praktische körperliche Arbeit könnten die Jugendlichen im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, dass Frieden nicht selbstverständlich sei, dass Kriege Menschenleben kosten und hinter jedem Toten ein Schicksal und eine Familie steht.
Während der zweiwöchigen Begegnung in Lindlar und dem französischen Monampteuil setzen sich die Jugendlichen intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus und seinen Folgen auseinander. Sie recherchieren die Lebensgeschichten hinter den Grabsteinen, reflektieren unterschiedliche nationale Erinnerungsperspektiven und diskutieren Wege zu einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur. Dass die ehemaligen Erzfeinde Deutschland und Frankreich längst Freunde und die Keimzelle der Europäischen Union sind, wissen die Jugendlichen nur aus Erzählungen oder den Geschichtsbüchern.
Aussöhnung der Erzfeinde
Die Aussöhnung, zelebriert von Helmut Kohl und Charles de Gaulle, hat dagegen Robert Wagner, früherer Vorsitzender des Partnerschaftskomitees miterlebt. Er hat es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Termin zu kommen. Und auch Torsten Wolter, Geschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge Rheinisch-Bergischer Kreis, gehört zu der Generation, die die Aussöhnung noch miterlebt hat. „Über den Gräbern in Frieden vereint“, laute das Motto der Kriegsgräberfürsorge, bei der Aktion der Jugendlichen in Lindlar sei genau das erlebbar.
Am französischen Nationalfeiertag hatte Bürgermeister Sven Engelmann die jungen Menschen und ihre Betreuer im Rathaus empfangen. Ihm liegt der Austausch mit Frankreich am Herzen, Engelmann spricht gut Französisch. Das Projekt sei ein wichtiger Beitrag für die deutsch-französische Freundschaft, so der Bürgermeister, der auch bei der Aktion auf dem Friedhof zugegen war. Auch das Partnerschaftskomitee würdigt die Aktion und freut sich über das Engagement der jungen Menschen. Es sei längst nicht selbstverständlich, dass die Kommunen das Projekt so unterstützen würden, wie das in Lindlar der Fall sei, sagt Konstanze Bauer. Der persönliche Empfang beim Bürgermeister sei bei den Jugendlichen sehr gut angekommen.
14 Tage dauert das Projekt, untergebracht sind die Gäste in der Lindlarer Jugendherberge. Neben dem offiziellen Teil, zu dem auch ein Besuch des EL-DE-Hauses in Köln gehört, gibt es auch ein Freizeitprogramm mit Ausflügen, berichtet Betreuer Tankred Suckau. Und gibt flugs auf Französisch noch ein paar Anweisungen zur Reinigung der Grabsteine: „Lieber nur einen Stein säubern, den aber richtig“.
