Weil der Zeuge ohne Entschuldigung fehlte, verhängte das Kölner Gericht ein saftiges Ordnungsgeld.
Schwerer RaubHauptbelastungszeuge fehlte in Marienheider Gerichtsprozess

Vor dem Landgericht in Köln müssen sich zwei Männer aus Afghanistan für einen mutmaßlichen Übergriff auf ihren Bruder in Marienheide verantworten.
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Das Gericht mit zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen, die Staatsanwältin, die beiden aus Afghanistan stammenden Angeklagten (39 und 21) sowie ihre Dolmetscher und Verteidiger, eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe für den als Heranwachsenden geltenden 21-Jährigen sowie der Dolmetscher für den mutmaßlich Geschädigten, sie alle waren am Montag im Kölner Landgericht anwesend. Nur der Hauptbelastungszeuge, ein Bruder der beiden Angeklagten, der mit seiner Anzeige wegen schweren Raubes im Dezember 2024 das Verfahren erst in Gang gesetzt hatte, fehlte.
Die somit für Montag vorgesehene Vernehmung des mutmaßlichen Raubopfers soll nun nach Angaben des Vorsitzenden der 26. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht, Tilman Müller, am Mittwoch durchgeführt werden. Auf Antrag der Staatsanwältin erließ das Gericht einen Vorführbefehl gegen den Zeugen. Heißt: Die Polizei wird den Zeugen entweder am Dienstagabend — inklusive Übernachtung im Polizeigewahrsam — oder am frühen Mittwochmorgen vorläufig festnehmen und zum Kölner Landgericht fahren. Da der Zeuge ohne Entschuldigung fehlte, verhängte das Gericht zusätzlich ein saftiges Ordnungsgeld in Höhe von 250 Euro oder wahlweise fünf Tage Ordnungshaft.
Brutal mit den Fäusten zusammengeschlagen?
Angeklagt sind der 39-Jährige und sein 21 Jahre alter Bruder wegen schweren Raubes zu Lasten eines dritten Bruders. Am 1. Dezember 2024 sollen die beiden Männer die Tür zur Wohnung ihres Bruders in einer Notunterkunft in Marienheide gewaltsam aufgebrochen haben und den auf dem Bett liegenden Mann brutal mit den Fäusten zusammengeschlagen haben. Sodann, so hatte es am Freitag beim Prozessauftakt geheißen, sollen die beiden Angeklagten Küchenmesser gezückt und mit den Griffen auf das mutmaßliche Opfer eingeschlagen haben.
Anschließend, so die Anklage weiter, sollen die beiden Angeklagten den Kleiderschrank ihres Bruders durchsucht und einen Rucksack samt 10.000 Euro in bar und zwei Mobiltelefonen mit einem Gesamtwert von rund 2000 Euro sowie diverse Papiere an sich genommen und die Wohnung in der Notunterkunft wieder verlassen haben. Die beiden aus Afghanistan stammenden Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Der 39-Jährige, der bis 2015 als Polizist in Kabul arbeitete und heute einer geregelten Produktionsarbeit nachgeht, sprach von Streitigkeiten mit dem Bruder.
Demnach habe dieser beleidigende Fotos von der Familie — samt den ebenfalls in Deutschland lebenden Eltern — im Internet gepostet. Man habe den Bruder zur Rede stellen wollen, sei dann aber von diesem mit einem Stock attackiert worden, woraufhin man sich zurückgezogen habe. Seither, so die beiden Angeklagten, habe es keinen Kontakt mehr gegeben.
