Im Kölner Landgericht äußerte der Beschuldigte sich ausführlich zu seinem Lebenslauf.
Prozess in KölnRäuber-Trio überfällt schlafenden Mann im Auto – Angeklagter mit Tränen-Tattoo

Der Fall wird vor dem Kölner Landgericht verhandelt.
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Nachdem der Angeklagte an diesem Montagmorgen zum Prozessauftakt in Saal 27 des Kölner Landgerichts geführt wurde, fielen der Vorsitzenden Richterin Jennifer Otten direkt die markanten Tätowierungen im Gesicht auf. Ein Schriftzug in fremder Sprache auf der linken Wange, Tränen auf der rechten. „Was bedeutet das?“, fragte Otten im Verlauf der Verhandlung. „Das heißt schweres Leben und Leid“, antwortete der 31-Jährige, dem besonders schwerer Raub vorgeworfen wird. Er soll mit zwei Komplizen einen Mann in Ehrenfeld beraubt haben, als dieser in seinem Auto übernachtete.
Köln: Schlafenden Mann im Auto überfallen
Staatsanwältin Celine Trissler sprach von einem „hinterlistigen Überfall“, den der Angeklagte im November 2023 mit den Mittätern verübt habe. Er habe sich Zugang zu einem geparkten Auto verschafft und die Taschen des schlafenden Insassen durchsucht. Der Mann erwachte, woraufhin ihm die Täter mit Pfefferspray blendeten. Dann erbeuteten die mutmaßlichen Räuber 150 Euro Bargeld, ein iPhone 14 Pro, Kredit- und EC-Karten und eine teure Sonnenbrille des völlig überrumpelten Opfers. Mit einem „Brennen in den Augen“, so die Staatsanwältin, ließen sie den Überfallenen zurück.
Das Trio soll die Bankkarten danach wiederholt eingesetzt und so einen Schaden von 1834 Euro verursacht haben. Wo, das wollte die Staatsanwältin den Prozesszuschauern und auch den Schöffen, die die Akte nicht kennen, nicht verraten. Obwohl der Sachverhalt laut ihrer eigenen Aussage „noch überschaubar“ war. „Ich hatte Ihnen noch eine E-Mail geschickt, dass ich die Tabellen nicht vorlesen muss, laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist das auch zulässig“, sagte die Anklägerin zur verdutzt wirkenden Richterin. „Ach so, okay, das können wir so machen“, erwiderte die Vorsitzende. Genutzt wird diese Möglichkeit der Abkürzung eigentlich bei Tabellen mit hunderten Zeilen.
Somit wurde im Gerichtssaal an diesem Morgen nicht mehr erörtert, dass die mutmaßlichen Räuber sich danach auf eine richtige Shopping-Tour begeben hatten. Nach Informationen unserer Zeitung sollen der Angeklagte und seine Komplizen etwa 320 Euro im damaligen Ladenlokal der französischen Bekleidungsmarke Lacoste ausgegeben haben. Auch bei Deichmann, KiK, Rossmann, DM und in einem Kiosk sollen die Karten genutzt worden sein. 22 Fälle dieses Computerbetrugs tauchen in der Anklageschrift auf. In sechs Fällen soll es wegen falscher Pin-Eingaben beim Versuch geblieben sein.
Köln: Angeklagter berichtet von Heim- und Gefängnisaufenthalt
Um den Angeklagten kennenzulernen und dessen Persönlichkeit besser einschätzen zu können, wollte sich das Gericht auch mit dem persönlichen Werdegang der Beschuldigten befassen. Auf entsprechende Nachfrage der Vorsitzenden Richterin zeichnete der 31-Jährige anschließend ein düsteres Bild seiner Vergangenheit. „Es ist schwer anzufangen, mein Leben ist ziemlich kompliziert“, sagte er. Die ersten neun Jahre habe er bei seinen Eltern in Rumänien verbracht, die in der Landwirtschaft arbeiteten. Er sei das zweitjüngste von insgesamt neun Kindern gewesen.
„Die Eltern waren ständig weg und die älteren Geschwister haben mich geschlagen und gequält“, schilderte er. Mit neun Jahren sei er weggelaufen und im Heim gelandet. Er habe Drogen genommen, sei danach an eine Jugendgang geraten, die eine Frau auf der Straße überfallen hätten. „Ich wusste nicht, wie man da vorgeht. Die Jungs sind weg und ich bin stehen geblieben – ich war der alleinige Sündenbock“, behauptete er. Zweieinhalb Jahre habe er wegen Raubes und Körperverletzung in Haft gesessen. Nach seiner Haftentlassung habe er versucht, in verschiedenen Ländern Fuß zu fassen.
Köln: Beschuldigter erklärt seine Tränen-Tätowierung
Mehrere Selbstmordversuche habe er unternommen, berichtete der Angeklagte und sprach von einer Überdosis Tabletten. Danach sprach Richterin Otten die Tätowierungen im Gesicht an. Auch nach den gestochenen Tränen auf der Wange fragte sie. „Die drei Tränen stehen für meinen Vater und meinen Bruder – eine Träne ist nicht ausgefüllt, die steht für meine Mutter, für den Fall, dass sie einmal verstirbt.“ Sein Bruder sei an HIV verstorben, der Vater an einem Herzinfarkt. Gestochen wurden die Tattoos während seines ersten Gefängnisaufenthalts, erklärte der Angeklagte.
Vergangenen November und damit zwei Jahre nach der ihm vorgeworfenen Tat konnte der Angeklagte in Emmerich im Kreis Kleve festgenommen werden. Der gebürtige Rumäne hatte zu dieser Zeit in einem Schlachthof in den Niederlanden gearbeitet, seine Schlafunterkunft befand sich in Deutschland. In der Heimat warte eine Ehefrau mit drei Kindern auf ihn. „Was da passiert ist, war eine große Dummheit“, sagte der 31-Jährige zu den Vorwürfen. Weiter äußerte er sich auf Anraten seines Verteidigers Torsten Nijland zunächst nicht. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Haftstrafe.
