Die Debatte um die Drogen-Szene in Bonn ist nicht neu. Eine Anwohner-Initiative warnt vor Widersprüchen.
Notfall-MaßnahmenCrack-Krise in Bonn eskaliert – Anwohner-Initiative wirft Stadt Heuchelei vor

Auch am Busbahnhof in der Bonner Innenstadt ist es immer wieder zu Problemen mit der Drogen-Szene gekommen. (Archivfoto)
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Die Anwohner-Initiative Poppelsdorfer Allee hat eine detaillierte Stellungnahme zum aktuellen Ratsbeschluss zu Notfall-Maßnahmen gegen die eskalierende Drogen-Situation eingereicht. Sprecher Martin Wiechers identifiziert mehrere Parallelen zwischen den Argumenten des Antrags und Positionen, die die Initiative jahrelang vergeblich vertreten hat.
Der aktuelle Antrag fordert Dezentralisierung von Suchtversorgungsangeboten, „damit sich nicht alles in der Quantiusstraße an einem Brennpunkt im Wohngebiet konzentriert“. Genau dieses Konzentrations-Argument hatte die Initiative zum Standort Poppelsdorfer Allee vorgebracht – wo die regional größte Substitutionspraxis täglich etwa 265 Patienten versorgt, mehr als das Dreifache jeder anderen Bonner Einrichtung dieser Art.
Drogen-Problem in Bonn: Initiative beklagt Erfahrungen in Poppelsdorf
Der Antrag im Rat verlangt vom Rhein-Sieg-Kreis finanzielle Unterstützung, da dessen fehlende Einrichtungen „eine Vielzahl der Abhängigen/Konsumenten vor Ort“ nach Bonn ziehen. Zudem wird die Öffnung von Konsumräumen für Nicht-Bonner gefordert, „damit Konsum nicht allein wegen Zuständigkeitsfragen in den Straßenraum ausweicht.“ Diesen Wirkmechanismus – dass Einrichtungen auswärtige Klientel anziehen und diese in den Straßenraum ausweicht – beschreibt die Initiative als denselben Prozess, den sie zum Standort Poppelsdorfer Allee dokumentiert hat. Diese Berichte seien nur damals von der Stadt als nicht repräsentativ dargestellt worden.
Der Ratsantrag benennt als „relevante Akteure“ das Sozialamt, Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Polizei und die Vereinigung für Gefährdetenhilfe. Die Initiative kritisiert, dass die Substitutionspraxis – als größter medizinischer Suchtversorger im betroffenen Gebiet – weder als Akteur noch als Faktor erwähnt wird. Ein „interdisziplinäres Konzept“ könne nicht vollständig sein, wenn ein Standort mit täglich etwa 265 Suchtpatienten nicht einbezogen wird, so Sprecher Martin Wiechers weiter.
Maßnahmen gegen Crack-Krise in Bonn: Initiative warnt vor Widerspruch
Der aktuelle Antrag nennt: Spritzen, Verschmutzung, Angsträume, Konsum im öffentlichen Raum. Diese Phänomene decken sich mit den Berichten der Anwohnerschaft zur Substitutionspraxis.

Hinterlassenschaften von Menschen in schwierigen Lebenssituationen in einer Passage in der Bonner Innenstadt.
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In einem laufenden Verwaltungsgerichtsverfahren (VG Köln, 12.02.2026, 8 K 676/25) vertritt die Stadt Bonn, dass die Substitutionspraxis keine Brennpunkt bildende Wirkung hat. Der aktuelle Ratsbeschluss werde aus Sicht der Initiative jedoch mit entgegengesetzten Argumenten begründet: dass die Konzentration von Suchtversorgung Brennpunkte erzeugt, dass Einrichtungen auswärtige Klientel anziehen und diese in den Straßenraum ausweicht. Die Initiative warnt, dass dieser Widerspruch dem Gericht in der Berufung vorliegen wird.
Initiative fordert Beteiligung der Anwohner
Der Antrag verlangt die Einbindung „teilweise der Anwohner und insbesondere der Zielgruppe“. Die Initiative kritisiert, dass die Anwohner – deren Warnungen sich nach ihrer Aussage „vollständig bestätigt“ haben – bei der Beteiligung hinter die Zielgruppe der Suchtpatienten eingeordnet werden. Früher sei die Anwohnerperspektive oft als Gegensatz zur Suchthilfe dargestellt worden. Der Ansicht der Initiative zufolge wurde diese Abwägung nun offizielle Beschlusslage – allerdings mit klarer Priorisierung der Suchtpatienten.
Die Beschlussfassung der Maßnahmen gegen die Crack-Krise in Bonn ist für den 17. September 2026 im Hauptausschuss vorgesehen. Die Initiative fordert: Der Substitutionsstandort Poppelsdorfer Allee soll als „zu prüfender Faktor“ in das Konzept aufgenommen werden.
Zur Begründung erklärte Wiechers: „Ein Maßnahmenpaket, das den größten institutionellen Anziehungspunkt für suchtkranke Menschen im Quartier ausklammert, behandelt Symptome – und lässt die Struktur unangetastet, die das Quartier täglich belastet.“ Ein signifikanter Teil der Patienten hält sich vor oder nach dem Praxisbesuch an den genannten Brennpunkten auf. Der tägliche Weg dieser Patienten führe mitten durch das betroffene Quartier.

