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NachrufDie Gemeinde Morsbach trauert um den früheren Bürgermeister Heinz Schlechtingen

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Im Dezember vergangenen Jahres war Heinz Schlechtingen (links) sogar im Fernsehen zu sehen: Mit seinem Enkel, dem Unternehmensgründer Phil Janßen (rechts), wagte sich der damals 98-Jährige in die beliebte Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ und warb dort erfolgreich um ein Invest von Frank Thelen.

Im Dezember vergangenen Jahres war Heinz Schlechtingen (links) sogar im Fernsehen zu sehen: Mit seinem Enkel, dem Unternehmensgründer Phil Janßen (rechts), wagte sich der damals 98-Jährige in die beliebte Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ und warb dort erfolgreich um ein Invest von Frank Thelen.

Der Lichtenberger starb nach kurzer Krankheit im Alter von 99 Jahren. Bekannt wurde er auch durch seinen TV-Auftritt in der „Höhle der Löwen“.

Heinz Schlechtingen, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Morsbach, ist am vergangenen Montag (30. März 2026) nach kurzer Krankheit verstorben. Am 7. September wäre er 100 Jahre alt geworden. Der Lichtenberger war im Beruf Beamter bei der Deutschen Bundesbahn und unter anderem in den 1960er Jahren Leiter des Bahnhofs in Gummersbach. Er arbeitete viele Jahre ehrenamtlich in seiner Heimatgemeinde.

So wirkte Schlechtingen seit der Gründung 1961 in der Dorfgemeinschaft von Lichtenberg mit, war dort in der Zeit von 1964 bis 1994 Mitglied des katholischen Kirchenvorstandes und leitete viele Jahre den Festausschuss Erntedankfest Lichtenberg.

Lange Zeit war Heinz Schlechtingen Mitglied im Morsbacher Gemeinderat

Von 1975 bis 1999 gehörte Schlechtingen für die CDU dem Gemeinderat an und stand von 1987 bis 1997 der Gemeinde Morsbach als Bürgermeister vor. Am 8. Mai 1998 verlieh ihm der damalige Landrat Herbert Heidtmann das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Die Gemeinde Morsbach trauert um ihren früheren Bürgermeister Heinz Schlechtingen. Der Lichtenberger starb im Alter von 99 Jahren nach kurzer Krankheit.

Die Gemeinde Morsbach trauert um ihren früheren Bürgermeister Heinz Schlechtingen. Der Lichtenberger starb im Alter von 99 Jahren nach kurzer Krankheit.

Der Landrat schilderte damals die unermüdliche, uneigennützige Arbeit Schlechtingens: „Politische Grundsatztreue und eine demokratische Lebensauffassung“ bescheinigte er „dem aufopferungsvollen und unerschrockenen Streiter“, der freundschaftliche Bande zu knüpfen verstehe und manchem Wegbegleiter zum väterlichen Freund und Vorbild geworden sei. Heinz Schlechtingen bedankte sich damals mit den Worten: „Jeder sollte sich mit seinen Talenten in den Dienst der Allgemeinheit stellen.“

In einem Interview erinnerte sich Schlechtingen einmal, dass in seiner Amtszeit als Bürgermeister die Standortsicherung für größere Firmen und die Wohnumfeld-Verbesserung stets Themen waren. In diese Zeit fielen der Bau der Großturnhalle A und der Realschule in Morsbach, der Bau einer Sporthalle und eines Feuerwehrhauses in Holpe, sowie die Neugestaltung der Kirchstraße in Morsbach. Auch die Gründung des Gemeindekulturverbandes und der Musikschule fielen in Schlechtingens Amtszeit.

Mit seinem Fernsehauftritt hat Heinz Schlechtingen die Herzen tausender Menschen erobert

Stolz war Heinz Schlechtingen, als er im September vergangenen Jahres (Datum der Ausstrahlung) selbstsicher, redegewandt und höchst charmant in der Vox-Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ die Erfindung seines Enkels und Unternehmensgründers Phil Janßen und seiner beiden Freunde Thorben Engel aus Reichshof-Odenspiel und Philipp Battisti aus Kamp-Lintfort empfehlen konnte: Stützfüße für Gehhilfen, die damit nicht mehr umkippen.

Der Pitch ist erfolgreich: Der Bonner Tech-Investor Frank Thelen nimmt das Team von „Steets“, so der Firmenname, unter seine Fittiche und fördert es mit einer Finanzspritze in Höhe von 300.000 Euro für eine Beteiligung von 25 Prozent an dem jungen Start-up.

Schlechtingen, damals 98 Jahre alt, ist seit dem Beginn größter Fan, treuer Motivator und emsiger Alltagstester für die drei Entwickler. Und er gilt als der bis dahin älteste Gast in der „Höhle der Löwen“: In Köln-Ossendorf tritt der frühere Bürgermeister zunächst allein und höchst entspannt vor die Löwen-Runde mit Carsten Maschmeyer, Ralf Dümmel, Judith Williams, Janna Ensthaler und eben Frank Thelen. Gekonnt lässt der rührige Pensionär knallend seinen Gehstock fallen – alle Investoren springen auf, wollen ihm helfen, Ensthaler tut es. Die Showeinlage glückt also. Und die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer hat Heinz Schlechtingen ebenso prompt erobert.

Auf Smalltalk im TV war der frühere Bürgermeister nicht vorbereitet

„Die ‚Höhle der Löwen‘ habe ich zuvor noch nie gesehen – und ich kannte keinen der Menschen, die da in den Sesseln sitzen“, bekannte der Lichtenberger im Gespräch mit dieser Zeitung. Und als die Münchner Unternehmerin Judith Williams, selbst Gründerin eines Beauty-Konzerns, nach Schlechtingens Geheimrezept für ein so hohes Lebensalter fragt, antwortet der Ur-Lichtenberger sofort: „Nicht sterben.“ Das sei ihm danach aber ein wenig unangenehm gewesen, bedauerte Heinz Schlechtingen danach im selben Zeitungsgespräch. „Auf solchen Smalltalk war ich wohl nicht vorbereitet.“

Später, im vergangenen Advent, freute sich der dann 99-Jährige auch über ein  Treffen von fünf Morsbacher Bürgermeistern im Rathaus der Gemeinde. Dabei erwähnte er aus seiner Amtszeit als Bürgermeister besonders das 25-jährige Partnerschaftsjubiläum mit Milly-la-Forêt (Frankreich) und die 1100-Jahr-Feier Morsbachs 1995.

Heinz Schlechtingen hinterlässt vier Kinder, zehn Enkelkinder und sieben Urenkel. Er wird am Donnerstag, 9. April 2026, um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in der Morsbacher Ortschaft Lichtenberg beigesetzt.