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KostenexplosionTiefe Risse bremsen Kirchensanierung in Nümbrecht aus

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Das Foto zeigt den Restaurator Christian Rubin, der auf eine der kritischen Stellen an der Decke zeigt.

Hinter der alten Spachtelmasse entdeckte Restaurator Christian Rubin (Foto) Risse, die sich bis an die Außenseite ziehen.

Beim Reinigen mittelalterlicher Wandmalereien in Marienberghausen entdeckte der Restaurator große Schäden im historischen Mauerwerk.

Der Schreck sitzt tief: Eigentlich sollten die kostbaren mittelalterlichen Wandmalereien in der evangelischen Kirche in Marienberghausen nur gründlich gereinigt und schadhafte Stellen im Putz konserviert werden. Doch kaum hatte Restaurator Christian Rubin mit den Arbeiten begonnen und sich die bei einer früheren Renovierung verfüllten Risse im Mauerwerk genauer angesehen, da stellte er fest, dass die Schäden im historischen Gebäude weit größer sind als gedacht.

Die alte, im Lauf der vielen Jahre schadhaft gewordene Spachtelmasse, die etliche Risse im Mauerwerk verdeckt, muss raus. Dahinter verbirgt sich die böse Überraschung. „Als der Restaurator einige Stellen freigelegt hatte, konnte man mit bloßem Auge bereits erkennen, dass tiefe Risse von innen durch die Mauer bis nach außen gehen“, erklärt Pfarrerin Kirsti Greier. Damit steht fest, dass die Arbeiten erst einmal gestoppt werden müssen. Fest steht auch, dass die Maßnahme einen weit größeren Umfang annimmt als ursprünglich geplant. Wie groß, ist zur Zeit noch unklar.

Turm stammt aus dem 13. Jahrhundert

„Inzwischen war ein Statiker zu einer ersten Begutachtung da. Er hat uns erst einmal beruhigt, dass wir uns um die Standfestigkeit des Gebäudes keine Sorgen machen müssen“, sagt Presbyterin Susanne Goße erleichtert. Was das Ausmaß der notwendigen Reparaturen angeht, hält sich Statiker Dirk Laubach aus Ruppichteroth allerdings vorerst bedeckt. „Solche Schäden sind keine Seltenheit an alten Gebäuden. Um zu sehen, wie schlimm es ist, muss ich erst einmal alles freilegen“, sagt er auf Anfrage. Dazu muss die Kirche von außen auf beiden Seiten eingerüstet werden.

Wenn es einen Überblick gibt, soll eine Firma, die sich auf die Restaurierung sakraler Bauten spezialisiert hat, mit der Reparatur des Mauerwerks beauftragt werden. „Man muss ja mit der historischen Substanz behutsam umgehen“, erklärt die Presbyterin. Der älteste Teil der Kirche, der Turm, stammt aus dem 13. Jahrhundert, Querschiffe und Chorraum aus dem 15. Jahrhundert. „Die bauliche Sicherung hat jetzt erst einmal Vorrang, erst dann kann die Sanierung der Wandmalereien fortgesetzt werden. Wir müssen uns jetzt vordringlich darum kümmern, das Gebäude zukunftsorientiert zu erhalten.“

Die Summe von ursprünglich veranschlagten 30.000 Euro bis maximal 50.000 Euro wird sich wohl mindestens verdoppeln.
Pfarrerin Kirsti Greier

Noch gibt es keine Vorstellung davon, was das alles kosten wird. „Die Summe von ursprünglich veranschlagten 30.000 Euro bis maximal 50.000 Euro wird sich wohl mindestens verdoppeln“, schätzt Pfarrerin Greier. Das dürfte noch optimistisch sein. Denn allein die Kosten für das Gerüst an den Außenseiten der Kirche veranschlagt Presbyterin Goße erst einmal mit rund 20.000 Euro. Zurzeit ist sie dabei, Angebote einzuholen. „Es kommt dann auch darauf an, ob die Risse verfüllt werden können oder ob Anker gesetzt werden müssen.“ Leicht wird es für die kleinste Gemeinde im Kirchenkreis An der Agger nicht, die befürchtete Kostenexplosion zu stemmen. Doch Presbyterin und Pfarrerin sind sich einig: „Da müssen wir jetzt durch, um das kulturelle Erbe zu erhalten.“

Bei der Gelegenheit soll dann die Kirche auch einen neuen Außenanstrich erhalten. „Es ist eine große Herausforderung. Wir hoffen, dass wir Unterstützung bekommen“, meint Susanne Goße. In der nächsten Woche soll sich das Presbyterium mit der neuen Situation beschäftigen.

Sicher ist, dass alle für das Frühjahr geplanten Termine sich ändern. Ursprünglich sollte die Konfirmation in der frisch renovierten „bunten“ Kirche stattfinden. Auch die Brautpaare, die planten, sich unter Engeln, Teufeln und dem Jüngsten Gericht das Jawort zu geben, müssen sich für einen anderen Ort entscheiden. „Die Arbeiten werden sich bestimmt bis in den Sommer hinziehen“, meint die Pfarrerin.