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Interview

Erfolgscoach
Schönenbachs „Mister Aufstieg“ Wolfgang Müller denkt noch nicht an die Rente

5 min
Ein Fußballtrainer und ein Vereinsvorsitzender stoßen miteinander an.

Mission erfüllt: Wolfgang Müller (r.) stößt mit Schönenbachs Vorsitzendem Peter Peisker auf die Bezirksliga-Meisterschaft an. Kommende Saison ist der SVS neben Nümbrecht und Wiehl der dritte oberbergische Landesligist. 

20 Aufstiege, zuletzt mit dem SV Schönenbach, sind eine stolze Bilanz. Wolfgang Müller spricht über Erfolg, Pläne und Eintracht Hohkeppel. 

Fußballtrainer Wolfgang Müller (65) hat seinem Namen als „Mister Aufstieg“ alle Ehre gemacht und den SV Schönenbach in die Landesliga geführt. Björn Lange sprach mit ihm über seine 38-jährige Trainertätigkeit, seine sportliche Zukunft und seine Heimat.

Herzlichen Glückwunsch zum 20. Aufstieg. Durch fünf Siege in den letzten fünf Saisonspielen haben Sie den SV Schönenbach zur Meisterschaft geführt. Wie fühlt sich das an?

Wolfgang Müller: Sehr gut, aber es war auch eine sehr intensive Phase. Die Aufgabe hat mich gereizt, zumal ich acht Spieler aus dem Kader bereits vorher trainiert hatte. Die Mannschaft hat einen sehr guten Job gemacht und wir – also Co-Trainer Leutrim („Leo“) Hima und ich – haben unseren Teil dazu beigetragen.

Testspieler bei den Schönenbacher Trainingseinheiten

An welchen Stellschrauben mussten Sie drehen?

In dieser späten Saisonphase kann man eigentlich nur noch am Mindset arbeiten, also an der mentalen Einstellung. Hinzu kommen ein paar taktische Dinge, jeweils bezogen auf die kommenden Gegner. Das haben die Jungs wirklich sehr gut aufgenommen, umgesetzt und alles reingehauen. Zudem hatten wir einige Testspieler bei den Einheiten. Das ist immer eine gute Maßnahme, um die Intensität zu steigern und die Spieler zu kitzeln.

Foto von zwei Fußballtrainern, die sich umarmen.

Schon bei mehreren Vereinen hat Leutrim „Leo“ Hima (l.) Müller als Co-Trainer erfolgreich begleitet.

Das erste Spiel war am 10. Mai in Heiligenhaus nach nur einer gemeinsamen Einheit. Manche Spieler haben Sie erst kurz vor dem Spiel zum ersten Mal gesehen.

Das ist richtig, und es war ein ganz entscheidendes Spiel. Nach einer schwachen ersten Halbzeit (0:0) haben wir etwas umgestellt und uns den Sieg nach dem Wechsel erarbeitet. Bei einer Niederlage wäre die Mission vermutlich zum Scheitern verurteilt gewesen.

Starke Schönenbacher Vorstellung gegen Südwest Köln

Danach haben Sie innerhalb von zwei Wochen gegen alle drei direkten Konkurrenten gewonnen und am Ende des Tages innerhalb von gut drei Wochen Ihre Mission erfüllt. Worauf blicken Sie zurück?

Auf ein Saisonfinale, in dem das Momentum von Woche zu Woche auf unsere Seite wechselte. Nach Heiligenhaus haben wir gegen Rheindörfer gewonnen und die beiden Konkurrenten trennten sich Remis. Es folgte der Sieg gegen Deutz in einem starken Spiel von uns, der uns den Matchball gegen Südwest bescherte. Da war mir klar, dass wir uns das nicht mehr nehmen lassen. Gegen Südwest haben die Jungs noch einmal stark performt und nach neun Minuten bereits 2:0 geführt. Mit dem 4:1 war die Mission vollbracht.

Wenige wissen, dass Sie nebenbei auch noch die Bezirksliga-U17 der Sportfreunde Troisdorf trainiert haben. Und auch das sehr erfolgreich. Wie kam es dazu?

Ich hatte beide Aufgaben parallel zugesagt und wollte keinen enttäuschen. Bei der U17 wurden aus einem geplanten Spiel deren fünf, die wir auch alle gewonnen und das Team noch auf Platz sechs geführt haben. Das war eine sehr intensive Phase, da ich durch Training und Spiele jeden Tag auf dem Platz stand. Auch hier wurde ich von Leo unterstützt. Vor dem Erfolg mit Schönenbach gegen Südwest hatten wir am Morgen mit der U17 ebenfalls 4:1 gegen denselben Verein gewonnen.

Das ist immer eine gute Maßnahme, um die Intensität zu steigern und die Spieler zu kitzeln.
Wolfgang Müller über Testspieler beim Training

Das war ein Vorgeschmack auf ihren neuen Job bei den Sportfreunden Troisdorf, der bereits jetzt beginnt. Wie kam der Kontakt zustande?

Wir hatten bereits im letzten Sommer die U19 kurzfristig übernommen und die Qualifikation für die Mittelrheinliga erfolgreich bestritten. Einige Monate später kam das Angebot, die erste Seniorenmannschaft zu übernehmen und als Koordinator des Jugendleistungszentrums zu fungieren. Das ist eine extrem spannende Aufgabe. Die erste Mannschaft ist in die Bezirksliga aufgestiegen und wir befinden uns mitten in der finalen Kaderplanung.

Troisdorf könnte die letzten Station für Wolfgang Müller sein

Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen der Arbeit im Senioren- und im Jugendbereich? Das sind ja schon unterschiedliche Welten.

In der Tat. Mit einem 16-jährigen Spieler sprichst du anders als mit einem gestanden Seniorenspieler. Das sind ganz andere Denkweisen und Empfindungen. Zugegeben, war gerade jetzt das tägliche Umswitchen in entscheidenden Saisonphasen schwierig, aber offenbar ist es mir gelungen. Ich kann mich auf beide Generationen einlassen und ich nehme auch die Kommunikationswege der Jugend an. Dazu ist nicht jeder ältere Kollege bereit. Hinzu kommen meine Feriencamps, die ich seit 30 Jahren mache. Durch den stetigen Kontakt mit Kindern und Jugendlichen bleibt man auch selber jung.

Sie haben im Frühjahr ihren 65. Geburtstag gefeiert. Nach bevorstehenden Fußball-Rente klingt das nicht.

Solange ich noch fit bin, mich gut fühle, helfen und entwickeln kann, werde ich gerne weiter meine Erfahrung und Expertise einbringen. Zudem reizt mich die neue Aufgabe und durch das Jugendleistungszentrum haben wir eine tolle Basis. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass Troisdorf meine letzte Station sein könnte.

Verbundenheit mit dem Heimatort Hohkeppel

Sie wohnen in Bergisch Gladbach, aber ihr Heimatort ist Hohkeppel. Dort wurden Sie im Februar 2025 als Tabellenführer der Bezirksliga entlassen, nachdem Sie das Team in der Saison davor bereits zum Aufstieg geführt hatten. Wie gestaltet sich da der Rückblick?

Als Tabellenführer freigestellt zu werden, kurz nachdem man noch die Wintertransfers abgewickelt hat, sorgt immer für einen faden Beigeschmack. Ich habe die Aufgabe allerdings vorrangig angenommen, da ich ein waschechter Hohkeppeler bin. Davon gibt es dort mittlerweile nicht mehr so viele.

Mein halbes Leben. Ich bin dort aufgewachsen. Es sind viele schöne und bleibende Erinnerungen.
Wolfgang Müller über seine Hohkeppeler Heimat

Was verbindet Sie mit Hohkeppel und der Eintracht?

Mein halbes Leben. Ich bin dort aufgewachsen. Mein Vater hat bis zu seinem Tod in diesem Jahr in Hohkeppel gelebt. Es sind viele schöne und bleibende Erinnerungen. Der Verein wurde 1966 gegründet und ich war 1967 einer der ersten Jugendspieler im Verein. Ich erinnere mich noch gut, als wir mit der ersten Mannschaft und dem damaligen Trainer Erwin Rock in Eigenleistung die Treppe zum Platz, die bis zum heutigen Tag existiert, gegossen haben. Inzwischen haben sich die Zeiten etwas geändert.

Der FC Borussia Derschlag hat nach ihrem Rücktritt im Januar dieses Jahres den Aufstieg geschafft. Wie blicken Sie auf das Kapitel zurück?

Positiv. Auch hier haben wir das Team als Tabellenführer und mit einem guten Gefühl übergeben. Die Vorstellungen für die zukünftige Ausrichtung waren unterschiedlich und es war klar, dass ich im Sommer gehe. So kam der Schritt zustande, aber ich freue mich ganz ehrlich für den Verein und für die Mannschaft, dass sie es geschafft haben.