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Rettungsdienstchef zieht BilanzAls die Hitze auch die Retter in Rhein-Berg an Grenzen brachte

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Ein Rettungswagen spiegelt sich am Freitag (02.07.2010) in Freiburg in der Sonnenbrille einer Rettungsassistentin. Durch die Hitze haben die Rettungsdienste viele Einsätze zu verzeichen.

Der Schutz gegen die Hitze war in diesem Sommer auch in Rhein-Berg nicht leicht – und brachte auch den Rettungsdienst an Grenzen.

164 Rettungswageneinsätze an einem Tag, tropische Nächte und Engpässe in Kliniken – So zieht Rettungsdienstchef Breuer Bilanz.

Selbst nachts gab die Hitze keine Ruhe. Drei tropische Nächte hintereinander, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sank: So erinnert Dr. Florian Breuer an das letzte Juniwochenende. Der Leiter des Amtes für Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz berichtete im Ausschuss für Bevölkerungsschutz, Rettungswesen und Verbraucherschutz darüber, was die Hitzewelle für den Rheinisch-Bergischen Kreis bedeutete. CDU und SPD hatten den Bericht angefordert.

Besonders ältere und kranke Menschen können eine solche Hitzeperiode womöglich nicht überstehen.
Dr. Florian Breuer, Leiter des Amtes für Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz

Die Folgen lassen sich an einem Samstag ablesen: 164 Rettungswageneinsätze wurden gezählt. Der Vergleichswert aus dem Vorjahr lag nach Breuers Angaben bei 95. Hinter den Zahlen stehen Menschen mit Kreislaufproblemen, Hitzeerschöpfung oder Hitzschlag. Und Einsatzkräfte, die bei hohen Temperaturen körperlich schwere Arbeit leisten mussten.

Auch die Technik und die Gebäude wurden auf die Probe gestellt. Klimaanlagen in Rettungswagen stießen an ihre Grenzen; nicht alle Rettungswachen sind vollständig klimatisiert. In den Notaufnahmen stiegen die Patientenzahlen. Zeitweise meldete auch das Krankenhaus in Wermelskirchen Engpässe. Breuers Bilanz: Der Rettungsdienst war phasenweise stark belastet. Die zusätzlich bereitgestellten Fahrzeuge, mehr Personal in der Leitstelle und angepasste Dienste halfen, die Lage zu bewältigen. Patientinnen und Patienten aus dem Kreis konnten nach seinen Angaben weiterhin in der Regel in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus gebracht werden.

Führungskräfte des Rettungsdienstes schauten wegen hoher Temperaturen in Pflegeheimen nach

In zwei Pflegeheimen schauten Führungskräfte des Rettungsdienstes genauer hin, nachdem Besatzungen dort hohe Temperaturen gemeldet hatten. Vor Ort fanden sie laut Breuer Einrichtungen vor, die bereits Trinkprotokolle führten, kühlere Räume geschaffen und besonders kranke Bewohner dorthin verlegt hatten. Für zusätzliche Hilfe bestand kaum Bedarf.

Breuer sprach auch die Frage an, wie viele Menschen an den Folgen der Hitze starben. Eine Zahl für den Kreis nannte er nicht. Bei schwer vorerkrankten Menschen lasse sich im Einzelfall oft nicht eindeutig bestimmen, welchen Anteil die Hitze am Tod hatte. An ihrer Gefahr ließ er keinen Zweifel: Besonders ältere und kranke Menschen könnten eine solche Periode womöglich nicht überstehen.

Hitzeaktionsplan es Kreises ist noch in Arbeit, einzelne Städte haben schon einen solchen

Der Rettungsdienst sieht die Folgen, wenn Hitze bereits zum Notfall geworden ist. Der Schutz müsse früher beginnen, machte Breuer deutlich. Daran arbeiten Gesundheitsamt, Klimaschutz, Krisenmanagement und die Städte und Gemeinden. Bergisch Gladbach und Leichlingen haben nach seinen Angaben bereits eigene Hitzeaktionspläne. Ein Plan des Kreises ist seit mehreren Jahren in Arbeit; nach weiteren internen Abstimmungen sollen nun die Kommunen einbezogen werden.

Er soll festlegen, wer bei Hitzewarnungen welche Maßnahmen ergreift und wie besonders gefährdete Menschen erreicht werden. Bei einer zugespitzten Lage könnte die Stabsstelle Krisenmanagement die Koordination übernehmen. Der Kreis prüft zudem, ob für außergewöhnliche Situationen eine klimatisierte, derzeit leerstehende Krankenhausstation genutzt werden könnte. Eine Entscheidung darüber gibt es noch nicht.

Die Hitzewelle im Juni hätten die bestehenden Abläufe bewältigt, sagte Breuer. Zugleich zeigte sein Bericht, woran weitergearbeitet werden muss: am Schutz gefährdeter Menschen, an der Abstimmung zwischen Kreis und Kommunen – und an Rettungswachen, in denen die Einsatzkräfte auch während der nächsten tropischen Nächte arbeiten können.