Mit der Rahmenplanung 2.0 für die Gladbacher Stadtmitte werden Weichen für die Zukunft gestellt.
RahmenplanungBergisch Gladbach stellt Weichen für die Stadtmitte der Zukunft

Dies ist eines der beiden Alten Stadthäuser in Bergisch Gladbach
Copyright: Anton Luhr
Wer nach 50 Jahren Abwesenheit nach Bergisch Gladbach zurückkehrt und die Stadtmitte erneut sieht, muss sich nicht umstellen. Er wird sich wie zuhause fühlen und denken, dass er gar nicht fort gewesen sei. Die beiden wuchtigen Stadthäuser, errichtet 1953 und 1956 als Finanzamt und Kreishaus, stehen noch immer wie Säulen der Stadtgeschichte am Konrad-Adenauer-Platz; auch der Platz hat seinen Namen behalten.
Das Historische Rathaus von 1906 ist unverändert, das Wirtshaus am Bock, das Bürgerhaus Bergischer Löwe als prägender Veranstaltungsort und die Villa Zanders, jetzt das Kunstmuseum der Stadt. Nur der Brunnen mit stilisierten Schöpfsieb ist neu, er kam erst zu Anfang der 80er-Jahre hinzu auf dem Platz.Er ist ein Geschenk der VR-Bank Bergisch Gladbach übrigens, die damals noch Paffrather Raiffeisenbank hieß.
Veränderungen kommen
Was heute wie in Stein gemeißelt erscheint, wird sich bald verändern. Noch mal fünf Jahrzehnte ohne Bewegung wird es nicht geben. Der Stillstand täuscht also. Vorplanungen für die Alten Stadthäuser laufen, zum Jahresende schon droht ihnen wegen des Umzugs der Mitarbeitenden in das Neue Stadthaus an der Bensberger Straße Leerstand.
Das Zanders-Gelände wird gerade mit Hochdruck zu einem neuen Stadtviertel umgeplant, eine Klammer zur Stadtmitte soll entstehen. Und das Bahnhofsumfeld wird mit dem zweiten Gleis sein Gesicht verändern, hier wird sogar einen neue Straße gebaut, sie wird von Gronau aus die Stadtmitte erreichen. Dann die Stadtbücherei, die auf das Zanders-Areal umziehen wird. Das Postgelände an der Gohrsmühle steht auch vor Umbrüchen. Vielleicht passiert auch mal was in der leerstehenden RheinBerg-Passage.
Antworten der Stadtplaner
Antworten sollen die Stadtplaner finden: Erwartet werden Zukunftsszenarien für die Innenstadt, städtebaulich und für die möglichen Nutzungen. Damit aus den Projekten ein Mit- und kein Gegeneinander wird, macht sich jetzt ein Planungsbüro auf den Weg, um die strategischen Ideen strukturiert zu steuern und neue, veränderte Nutzungsmöglichkeiten zu schärfen
. In der Fachsprache der Planer heißt dies: „Rahmenplanung 2.0“. Der Planungsausschuss hat in diesen Tagen die Stadt beauftragt, ein externes Fachbüro mit der Sache zu beauftragen. Geplant ist eine direkte Vergabe an ein geeignetes Büro. Zuvor sollen drei Büros zu einer Konzeptvorstellung aufgefordert werden. Im Herbst könnte eines dieser drei Büros mit der Rahmenplanung 2.0 beauftragt werden.
Strategie der Stadtplaner
Parallel vorbereitet wird eine Machbarkeitsstudie, die sich nur auf Bahnhof und Bahnhofsgelände konzentriert, insbesondere mit Ankunft des zweiten Gleises. Im Budget der Stadt sind für die Studien rund 130.000 Euro vorgesehen. Was sich in den Dokumenten der Verwaltung eher spröde wie ein Behördentext liest, ist tatsächlich die Zukunft der Stadt und des Stadtbildes. Auf den Flipcharts in den Büros der Planenden wird jenes skizziert, was Auswirkungen für die kommenden Generationen hat.
Für das grundlegende Ergebnis muss kein Hellseher befragt werden: Das heutige Gladbacher Stadtbild, das in den 50ern und 60ern entstanden ist, wird sich grundlegend verändern. Die Stadt selbst spricht von einer „Strategie für die Innenstadt“. Es geht vordergründig um die Alten Stadthäuser. Aber es ist viel mehr damit verbunden. Wie Bergisch Gladbach im Jahr 2100 aussehen könnte, wird jetzt entschieden.
Gemeinsamer Antrag
Im März hatten sich CDU, SPD und Grüne auf den Planungsweg via Masterplan verständigt, in der Politik gab es dafür einen Beschluss mit großer Mehrheit (bei Nein der Bürgerpartei). Mit zur Entscheidung gehört auch die Prüfung, ob die Alten Stadthäuser nach Umzug der Verwaltung zwischengenutzt werden könnten. Prüfungen laufen innerhalb der Verwaltung, Ergebnisse liegen öffentlich noch nicht vor. Eine Brache an dieser prominenten Stelle im Stadtbild wollen die Verantwortlichen im Rathaus auf jeden Fall vermeiden.
Schlaglichtartig gab es in der Vergangenheit auch Ideen für die in die Jahre gekommenen Immobilien. Eine Art Rechenzentrum könnte vielleicht realisiert oder alles zu Miniappartements für Handwerker-Lehrlinge oder Studierende umgebaut werden.
Die Bürger mitnehmen
Die Gladbacherinnen und Gladbacher will die Stadt eng mitnehmen auf dem weiteren Weg, bei den Stadthäusern und bei den anderen offenen „Baustellen“, es ist von einer intensiven Beteiligung der Öffentlichkeit der Rede. Nur mit Akzeptanz in Öffentlichkeit sowie bei Verwaltung und Politik könne der Umbau der Stadtmitte angesichts der zahlreichen Veränderungen gelingen, heißt es.
Wer heute 20 ist und in fünf Jahrzehnten zurückkehrt in seine Heimatstadt Bergisch Gladbach, wird das Stadtbild nicht mehr wiedererkennen. Die Planungen für den großen Umbau beginnen: jetzt.
