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BensbergDas Bergische Museum in Bensberg ist zurück

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Eine Fassade eines großen mit Holz verkleideten Hauses, davor eine Bank

Historische Handwerksgebäude warten auf dem Museumsgelände auf Besucher.

Ein Sehnsuchtsort vor der Haustür: Im Bergischen Museum in Bensberg sind einige Bereiche wieder geöffnet.

Totgesagte leben länger. Das Bergische Museum in Bensberg, dieser verträumte Wissensspeicher hinter alten Mauern, war dicht. Mausetot. Vorübergehend, hieß es. Nun regt sich wieder Leben. Wer am Samstagmittag über das Gelände schlendert, merkt schnell: Die Zwangspause hat dem Charme dieses Ortes keinen Abbruch getan.

Die Uhren ticken hier wieder wie gewohnt. Im Wortsinn, denn die neuen Öffnungszeiten sind die alten. Unter dem Pavillon im Hof hält Dagmar Störck die Stellung. Sie hütet die Kasse und zieht Bilanz für einen ganz normalen Samstagvormittag: Die Führung durch den Bauerngarten war bestens besucht. Sogar das ganz große Glück klopfte schon an. Ein Brautpaar stand auf dem Pflaster, sichtlich erleichtert. Ihr Plan geht auf: Das historische Trauzimmer ist wieder buchbar. Nach dem Ja-Wort wartet das Sektglas im Schatten der Bäume. Mehr Romantik geht in Bensberg kaum.

Man muss nicht weit reisen, um Großes zu entdecken

Ein Sehnsuchtsort vor der Haustür. Für den Regenschauer steht ein Pavillon bereit. Ein dezent platzierter Toilettenwagen wartet im Hintergrund. Man muss nicht weit reisen, um Großes zu entdecken. Das dachte sich auch Familie Much aus dem benachbarten Refrath: Eltern, Tochter, die Fahrräder im Anschlag. Sie besuchen viele Museen, waren aber noch nie hier. Ahnungslos von der Teilschließung vermissten sie das Herzstück, das unterirdische Schaubergwerk und das Haupthaus. Beides schläft den Dornröschenschlaf der Sanierung. Doch der Rest des Geländes lässt sich entdecken. Die Scheune steht offen, die Backstube duftet zumindest in der Erinnerung an das letzte Museumsfest.

Das Hammerwerk und die Stellmacherei warten auf Entdecker. Familie Much stoppt vor dem „Baum der Religionen“. Ein kurzer Blick, eine Erkenntnis wie ein Blitz, wie sie nur solche Orte provozieren: Keine einzige Weltreligion hat ihre Wiege in Europa. Wissen schärft den Blick. Gleich gegenüber, in der Scheune mit den historischen Fahrzeugen, folgt die nächste Erdung für die Generation E-Mobilität. Wir reiben uns heute die Augen über den Wandel zum Elektromotor? Ein Klacks gegen das, was unsere Urgroßeltern erlebten.

Für den Umschwung von Muskelkraft zu Motoren brauchte es nur 30 Jahre

Der Umschwung von Muskelkraft zu Motoren war brutal und rasend. Der Wandel vollzog sich in einem historischen Wimpernschlag von knapp 30 Jahren, im Wesentlichen zwischen 1890 und 1920. Zuvor schleppten allein im Deutschen Reich rund vier Millionen Zugpferde und unzählige Ochsen die Lasten der Gesellschaft. Sie waren der Motor der Wirtschaft. Dann rollten die ersten gusseisernen Ungetüme heran: keine eleganten Flitzer, sondern dampfgetriebene Lokomobile, klobige Ackerschlepper und ratternde Lastwagen mit Vollgummireifen. Sie fraßen Kohle und Benzin statt Heu und machten Millionen Tiere quasi über Nacht arbeitslos. Wer das verstehen will, muss es sehen.

Das Museum hat eine Schramme, eine große: Das Haupthaus mit Bergwerk fehlt. Doch gerade das macht den Besuch zum Geheimtipp. Mit der Kamera lohnt er doppelt. Am Sonntag, 2. August, ist Museumsfest und es findet trotz der Einschränkungen statt. Schon am Sonntag, 12. Juli, kommen die bergischen Weberinnen vorbei (14 bis 16 Uhr).