In den Lux-Hallen gibt es seit einiger Zeit Kulturangebote, die auch von Patienten einer angrenzenden Psychotherapiepraxis genutzt wird.
„Ort für Dialog“Wie eine Schreinerei in Heidkamp zum Kult(ur)ort wurde

Stellen ihre Kunst in den Lux-Hallen aus: Franz Gerd Frank, Angelika Biber, Mechtild Stroß und Waltraud Wolf. Die Kölner Dichterin Lea Najork hielt die Eröffnungsrede (v.l.n.r.).
Copyright: Christopher Arlinghaus
Von außen wirken sie etwas unscheinbar, die Lux-Hallen in Heidkamp. Sie haben einen rostfarbenen Anstrich, davor stehen ein paar bunte Tische und Stühle, links ein Pavillon mit einem Ofen und beigen Gartenmöbeln darunter. Doch hier gibt es ein buntes kulturelles Angebot, im vergangenen Jahr fand ein Jazz-Konzert statt und auch Ausstellungen. Aktuell ist vor Ort etwa die Ausstellung „Zieht euch warm an!“ zu sehen (siehe Text unten).
Das war nicht immer so. „Bis in die 1970er Jahre war hier eine Schreinerei, danach ein Baustoffhandel im Besitz meiner Familie“, sagt der Arzt Michael H. Lux. Diesen habe er aufgegeben und den Hof umbauen lassen. „Ich wollte die Kultur ins Viertel holen“, erklärt er. Vor zwei Jahren sei es so richtig losgegangen, erst als Nachbarschaftstreff, dann hätten erste kulturelle Veranstaltungen stattgefunden. Im vergangenen Jahr habe er dann ein Selbstbedienungscafé eröffnet, auch einen Bücherschrank gebe es.
Das Wartezimmer ist ein gemütlicher Ort
Die Lux-Hallen grenzen direkt an das Zentrum für psychische Gesundheit und Wohlbefinden. Es handelt sich um eine psychiatrische Privatpraxis. Lux ist der ärztliche Leiter des Zentrums, spezialisiert auf Interpersonelle Psychotherapie und arbeitet auch als medizinischer Gutachter. Einer seiner Schwerpunkte liegt auf der Behandlung von Depressionen, Burn-out-Syndromen und Angststörung.
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Hat die Lux-Hallen zum Kulturort gemacht: Michael H. Lux.
Copyright: Oliver Wahl

Gemütlich ist es im Wartezimmer des Zentrums.
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Das Wartezimmer für die Patienten ist direkt vom Hof aus erreichbar, der Eingang liegt neben dem der Lux-Hallen. Es ist gemütlich, hat nichts von den klischeehaft sterilen Vorzimmern, die so oft in Film und Fernsehen zu sehen sind. Auf einem roten runden Teppich steht ein brauner Sessel und das dazu passende Sofa, überall im Raum sind Pflanzen, Hefte und Bücher verteilt. Ein „Zurück in die Zukunft“-Poster ziert eine Tür im Innenraum, daneben steht ein Arcade-Spielautomat. „Ich möchte, dass sich alle hier wohlfühlen“, sagt Lux. „Räume wirken auf Menschen“. Deshalb sei es ihm wichtig gewesen, das Wartezimmer so zu gestalten, dass die Patienten sich öffnen möchten.
Auf dem Hof erzählen die Menschen offener
„Im Sommer sitzen wir mit den Patienten auch schon mal draußen“, sagt er mit einem Blick durchs Fenster. Aktuell ist es noch grau draußen, die Sitzmöbel sind nass vom Regen. Wenn der Frühling so langsam kommt und das Wetter wieder besser wird, dann sind Gespräche im Freien auch sicher wieder regelmäßig möglich. „Die Menschen fühlen sich wie auf einer Terrasse, sie sind offener“, erklärt der Arzt. Es herrsche eine ganz andere Atmosphäre. Die Mischung aus therapeutischer Arbeit und Kultur funktioniere auf dem Gelände gut.
Die Lux-Hallen und der Hof davor fahren also ein wenig zweigleisig. Sie bieten Menschen aus dem Viertel eine Möglichkeit, Kultur zu erleben und sich auf einen Kaffee zu treffen. Den Patienten ermöglichen sie eine gemütliche Umgebung, in der sie sich wohlfühlen und öffnen können. In jedem Fall sind sie ein „Ort für Dialog“, wie Lux es beschreibt.
Wenn die Emotionen einfrieren
In Bergisch Gladbach wird es an diesem Wochenende noch einmal so richtig kalt – zumindest in den Lux-Hallen in Heidkamp. Dort ist heute und am morgigen Sonntag die Ausstellung „Zieht euch warm an!“ so sehen. Wer hingeht, sollte sich den Titel wirklich zu Herzen und eine dicke Jacke mitnehmen. Warm ist es vor Ort nämlich nicht und auch die gezeigten Werke der vier an der Ausstellung beteiligten Künstler – Angelika Biber, Franz Gerd Frank, Mechtild Stroß und Waltraud Wolf – lassen Betrachter die Kälte spüren.

Eisige Fotografien stellt Franz Gerd Frank aus.
Copyright: Christopher Arlinghaus
In einem der drei Ausstellungsräume steht etwa ein gedeckter Tisch, eine Installation von Mechtild Stroß und Waltraud Wolf. Auf ihm verteilt liegt, neben Geschirr für acht Personen, eine weiße Masse, die an Schnee erinnert. Bis auf zwei Stühle, deren Sitze fehlen, gibt es keine Möglichkeit, am Tisch Platz zu nehmen. Es ist ein gesellschaftskritisches Werk, wie viele der Ausstellungsstücke.
Die Menschheit nähere sich „einer emotionalen Eiszeit“
„Die Menschen haben sich nichts mehr zu sagen“, sagt Wolf. Das aktuelle Zeitgeschehen manifestiere sich in den Menschen und löse eine eiskalte Atmosphäre aus. „Man könnte das Gefühl haben, wir nähern uns einer emotionalen Eiszeit“, so Wolf. Gründe gebe es massenhaft: „Die permanente Informationsflut von Horrornachrichten, schamlos agierende Diktatoren, die Digitalisierung .“
Ebenfalls politisch arbeitet Biber. Von ihr hängen einige Zeichnungen im Raum verteilt, sie zeigen kleine Figuren vor zerrüttet wirkenden Hintergründen. Einsam scheinen sie zu sein, die kleinen Figuren. Auch das strahlt eine gewisse Kälte aus. „Die Bilder sollen das Gefühl von Machtlosigkeit in der aktuellen politischen Lage symbolisieren“, sagt die Künstlerin. „Man fragt sich: Wohin steuern wir eigentlich?“
Im zweiten Raum gibt es ein „Kontrastprogramm“
Eisig geht es auch in den Bildern von Fotograf Frank zu, wenn auch realistischer als in den anderen Werken. Zu sehen sind etwa Eiszapfen, die an Ästen hinabhängen, und Eisplatten, die über einen Fluss hinüberragen. „Die Bilder sind alle direkt um die Ecke entstanden“, erklärt die Kölner Dichterin Lea Najork, die bei der Vernissage am gestrigen Freitag für die Eröffnungsrede und ein Spoken-Word-Piece zuständig war. „Das Motiv ist vergänglich“, ergänzt Franz. Man müsse zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um das richtige Foto zu schießen.

Ein Portal für positive Energie samt grünem Kunstrasen hat Angelika Biber angefertigt.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Wärmer wird es dann im zweiten Ausstellungsraum, das „Kontrastprogramm“, wie Najork es nennt. Er ist deutlich kleiner als der erste, wirkt noch viel kleiner, weil er mit allerlei bunten Werken der Künstler zugestellt und gestaltet ist. An einer Wand hängen Bilder, die thematisch besonders gut aufeinander abgestimmt sind: eine Frau in der Küche, eine beim Kochen, eine weitere beim Staubsaugen. Dazwischen Bilder von Muffins, Donuts und Blumen. „Die Bilder vermitteln Harmonie und erinnern an den Tradwife-Trend im Internet, der eine Gegenentwicklung zu der gesellschaftlichen Eiszeit zu sein scheint“, sagt Najork. Tradwives (traditionelle Ehefrauen) beschreibt Frauen, die sich im Netz als klassische Hausfrau und Mutter, meist mit einem ästhetischen Ideal der 1950er Jahre, inszenieren.
Zwei Stühle laden zum Dialog ein
Im letzten Raum stellen die Künstler Werke aus, die ernsthafte Lösungen bieten sollen. Dort stehen etwa zwei Stühle, die speziell auch die Besucher zum Dialog einladen sollen – ein starker Kontrast zum Eistisch des ersten Raums. Auch befindet sich dort ein kleiner Durchgang über Kunstrasen, der mit grün bemalten Papierstreifen ausgestattet ist und auf das Gemälde eines hellen, bunten Waldes zuführt. „Der Sinn dahinter ist, sich auf die Natur zurück zu besinnen“, sagt Biber. „Ich habe mir das Werk ein bisschen so vorgestellt, wie ein Portal für positive Energie.“
Steht man im grünen Durchgang, ist die Kälte des ersten Raumes und der Gesellschaft beinahe vergessen. Die Jacke sollte man aber trotzdem nicht ausziehen.
Die Ausstellung ist sowohl am heutigen Samstag, von 12 bis 18 Uhr, als auch am morgigen Sonntag, von 12 bis 17 Uhr, in den Lux-Hallen (Oehmchenstraße 18) zu sehen.


