Die Industriehalle mit dem Schriftzug der Gohrsmühle ist nicht denkmalgeschützt. Einige 140 Bestandsgebäude von Zanders müssen weichen
ZandersIndustriehallen der Gladbacher Papierfabrik inventarisiert

Die Leuchtreklame mit dem Schriftzug Gohrsmühle ist das Markenzeichen der Industriehalle
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Das wäre mal eine unterhaltsame Eine-Million-Euro-Frage beim RTL-Quiz „Wer wird Millionär?“: „Wieviele Gebäude stehen auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Zanders in Bergisch Gladbach?“ Sind es A) 20, B) 40, C) 100 oder D) 140? Antwort „D“ ist richtig. Sage und schreibe 140 Industriegebäude, Werkshallen und Schuppen gibt es auf knapp 37 Hektar. Manche von ihnen sind denkmalgeschützt, andere (wie man sagen könnte) „scheckheftgepflegt“.
Aber zahlreiche Gebäude verfügen über keine erhaltenswerte Bausubstanz Die wechselnden Eigentümer der vergangenen Jahrzehnte, zuletzt der norwegische Zellstoffhändler Terje Haglund, hatten gewiss Mühe, den Überblick über das ausladende Gelände zu behalten. Die Erhaltung von baulicher Infrastruktur, die für die aktuelle Papierproduktion nicht mehr benötigt wurde, dürfte eher an zweiter (oder dritter oder vierter) Stelle gestanden haben. Wenn überhaupt.
Markante Halle
Im Planungsausschuss, bei der einmütig verabschiedeten Entwurfsplanung für das neu zu gestaltende Industriegelände, hakte die grüne Co-Fraktionsvorsitzende Theresia Meinhardt wegen der zahlreichen Gebäude nach. Udo Krause, nach dem Weggang des bisherigen Vorsitzenden Oliver Brügge zum Interims-Geschäftsführer nachgerückt, nannte die Zahl der 140 Gebäude.
Meinhardt hatte insbesondere die markante Halle in Nähe des Driescher Kreisels im Blick, jene, die auf der zur Stadt gelegenen Seite vom Schriftzug „Gohrsmühle“ geschmückt wird – nachts leuchten die Buchstaben himmelblau. Diese Halle sei doch denkmalgeschützt, mutmaßte die Politikerin.
Widerspruch von Udo Krause
Udo Krause musste dieser Aussage widersprechen. Wichtige Ensembles seien vom Denkmalschutz erfasst, diese eine Halle aber nicht. Nun habe niemand vor, dort morgen mit einem Abriss zu beginnen. Es kommen bei jedem der 140 Gebäude auf die Umstände an, auf Beschaffenheit und Charakter. Dass nicht alle Gebäude erhaltenswert seien, liege da auf der Hand. Einen „Persilschein“ gab es von Krause nicht für die „Gohrsmühlen“-Halle. Immer seien auch die Absichten von Investoren abzuwägen.
Gebäude inventarisiert
Die Zanders-Entwickungsgesellschaft (ZEG) habe zwischenzeitlich für sämtliche Gebäude eine Inventarisierung angelegt. „Dabei geht es auch um die Wertigkeit“, führte Krause auf. Im Ausschuss blieb die große Debatte aus. SPD und Grüne hatten vorab flankierend eine Presseerklärung veröffentlicht, indem sie die vorgestellten Grundzüge der Planungen unterstützten und als „Meilenstein“ titulierten.
Einzig Wilfried Förster (Fraktion Volt/FWG) fragte wegen des noch fehlenden Bebauungsplans nach. Dieser soll im nächsten Planungsschritt angegangen werden, sagte Krause. Baufelder sollten portioniert werden. Fragen aus Reihen der CDU-Fraktion, der stärksten im Stadtrat, gab es keine an diesem Tag. Offenbar waren Vorab-Präsentationen für interne Politikerkreise und den Aufsichtsrat der Zanders-Entwicklungsgesellschaft ausreichend gewesen.
Bei der Stadt schauen jetzt alle auf den kommenden Samstag, 9. Mai. Das Bürgerforum auf dem Zanders-Gelände richtet sich an alle Gladbacherinnen und Gladbacher. Eröffnet wird der neugestaltete Gleispark durch Bürgermeister Marcel Kreutz (11 Uhr), später folgt ein buntes Treiben im neuen Freizeitpark. Im Gebäude „Museum“ wird in mehreren Intervallen die aktuelle Planung vorgestellt, Bürgerinnen und Bürger sind zur Debatte eingeladen. Und es gibt Musik von Pelemele (12 Uhr) und auch Zumba-Fitness (16 Uhr).
