Der Wanderbus fährt wieder, doch ohne Sponsoren könnte es das letzte Mal sein.
FreizeitWarum der Wanderbus bleiben soll

Bernd Hibst, Gabi Wilhelm, Laura Lundberg, Arne von Boetticher und Dr. Marcel Frank (von links) sind startklar für die nächste Saison.
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Der Bus wartet bereits am Wermelskirchener Busbahnhof, die Sonne scheint, und nach und nach treffen die ersten Gäste ein. Hände werden geschüttelt, kurze Gespräche entstehen, die Stimmung ist gut. Kurz darauf schließen sich die Türen und die kleine Auftakttour zum Beginn der neuen Saison des Bergischen Wanderbusses startet.
Am Busbahnhof in Wermelskirchen beginnt am Montag eine kleine Rundfahrt zum Start der neuen Saison heute, am 28. März. Mit dabei sind Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Tourismus und Verkehr – unter anderem Arne von Boetticher, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises, Odenthals Bürgermeisterin Laura Lundberg, Wermelskirchens Bürgermeister Bernd Hibst, Gabi Wilhelm, Geschäftsführerin von DasBergische, sowie Dr. Marcel Frank, Geschäftsführer der Regionalverkehr Köln GmbH.
Natur, Ausflugsziele und Gastronomie verbinden
Der Wanderbus ist für viele in der Region längst mehr als nur ein einfacher Linienbus. Er bringt Wanderinnen und Wanderer ohne Auto zu beliebten Routen durchs Bergische Land und zurück. Unterwegs verbindet er Natur, Ausflugsziele und Gastronomie.
Der erste Halt der kleinen Auftakttour war das Lokal Neumühle. Dort empfängt Inhaberin Wiebke Büngen die Gruppe mit Kaffee, Getränken und kleinen Häppchen. Dass der Wanderbus hier in diesem Jahr wieder hält, ist nicht selbstverständlich. Erst nach dem Abschluss der Bauarbeiten an der K15-Brücke kann die Station wieder angefahren werden.

Ob es den Wanderbus auch in Zukunft noch geben wird, ist noch in der Schwebe.
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Beim Blick in die Vergangenheit wird schnell klar, wie sehr sich das Projekt entwickelt hat. Vor über 15 Jahren startete der Wanderbus mit gerade einmal 16 Sitzplätzen und wenigen Haltestellen. Heute ist der Bus größer geworden, es gibt 23 Plätze und deutlich mehr Stopps. Was gleichgeblieben sei, sagt Landrat Arne von Boetticher, sei der besondere Wert für die Region.
Doch genau dieser Erfolg steht inzwischen unter Druck. „Im Kreis besteht der Druck zu sparen, das wirkt sich auch auf den Wanderbus aus“, erklärt der Landrat offen. Seine Hoffnung: breite Unterstützung aus der Region. Denn für ihn ist der Wanderbus ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Bergischen Landes.
Fahrradbus bereits dieses Jahr vor dem Aus
Dass solche Angebote schnell verschwinden können, zeigt auch ein anderes Beispiel. Der Bergische Fahrradbus steht in diesem Jahr bereits vor dem Aus. (wir berichteten) Für die aktuelle Saison wurde der Verkehr bereits eingestellt. Ein ähnliches Schicksal droht nun auch dem Wanderbus, sollte sich kein Sponsor finden.
Für Wermelskirchens Bürgermeister Bernd Hibst steht deshalb fest, worum es jetzt geht: „Der Wanderbus gehört zu uns, zu der Region – und wir kämpfen gemeinsam dafür, dass wir auch in Zukunft damit durchs Bergische Land fahren.“ Der Bus, so Hibst, fördere den Tourismus und bringe Menschen und Natur zusammen.
Flyer für Wanderbus sind schnell vergriffen
Auch in Odenthal spürt man die Bedeutung des Angebots. Bürgermeisterin Laura Lundberg erzählt, dass kaum ein Flyer im Rathaus schneller vergriffen sei als der des Wanderbusses. Für sie ist das Projekt nicht nur ein touristisches Angebot, sondern auch eines für die Menschen aus der Region – familienfreundlich und nachhaltig. „Der Bus ist nachhaltig, weil er den Individualverkehr reduziert“, sagt sie.
Diesen Punkt unterstreicht auch Gabi Wilhelm von DasBergische. Für Wanderausflüge könne der Wanderbus das Auto überflüssig machen. Nun gehe es darum, neue Partner und Sponsoren zu gewinnen. Vorrang habe zunächst der Erhalt des Angebots, langfristig wünsche man sich aber auch eine Weiterentwicklung. Projekte wie dieses gebe es in Deutschland nur wenige, sagt Wilhelm. Gerade deshalb sei der Wanderbus ein wichtiges Wiedererkennungsmerkmal für die Region.
Der Wanderbus soll bleiben
Immer wieder gibt es zustimmenden Applaus aus der Runde. Über eins sind sich alle einig: Der Wanderbus soll bleiben. Bevor die Gruppe weiterfährt, liefert Dr. Marcel Frank, Geschäftsführer von Regionalverkehr Köln, noch einige Zahlen. Viermal täglich fährt der Bus pro Richtung durch das Bergische Land. Mit 16 Stopps habe man bewusst eine dichte Taktung eingeführt, damit möglichst viele Menschen unterwegs zusteigen könnten. Wer die komplette Strecke fährt, zahlt circa sieben Euro. Auch mit dem Deutschlandticket oder dem eezy.nrw-Tarif kann der Wanderbus genutzt werden.
Als die Tassen leer und die Häppchen aufgegessen sind, geht es weiter zur nächsten Station. In diesem Jahr kann auch wieder ein besonders beliebtes Ziel angefahren werden: die Straußenfarm Emminghausen.
Brückensperrung als Herausforderung
Für Inhaber Klaus Stöker ist das eine wichtige Nachricht. Die Sperrung der K15-Brücke habe seinem Betrieb „fast das Genick gebrochen“, berichtet er. Umso größer ist nun die Hoffnung, dass der Wanderbus wieder mehr Besucherinnen und Besucher bringt und es damit in dieser Saison bergauf geht.
Die Strauße waren auch Teil des Treffens. Klaus Stöker lockte sie mit Futter an den Rand des Geheges, sodass alle Anwesenden die beeindruckenden Tiere auch aus der Nähe bestaunen durften.
Vorgeschmack auf kommende Monate
Mit der Straußenfarm endet die kleine Auftakttour. Der Bus macht sich wieder auf den Weg zurück zum Busbahnhof in Wermelskirchen. Der Saisonstart bei strahlendem Wetter liefert jedenfalls einen Vorgeschmack auf die kommenden Monate und zeigt, warum viele in der Region hoffen, dass der Wanderbus noch lange durchs Bergische Land fährt.
Der Bus verkehrt an Wochenenden und Feiertagen. Am Tag finden insgesamt vier Fahrten pro Fahrtrichtung statt. Der erste Bus in Bergisch Gladbach fährt um 10.02 Uhr ab und der letzte fährt nachmittags um 17.54 Uhr vom Busbahnhof Wermelskirchen wieder zurück. Alle weiteren Informationen zu allen Haltestellen und Fahrtzeiten gibt es unter: www.bergischerwanderbus.de


