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BürgerbusIn Overath werden ehrenamtliche Fahrer mit Herz gesucht

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Zu sehen ist ein Bürgerbus und im Vordergrund ein Mann.

An seinem Ehrenamt als Fahrer liegt dem Vorstandsvorsitzenden des Bürgerbusvereins, Dieter Stephan, viel.

Der Overather Bürgerbus sorgt für Mobilität in schlecht frequentierten Bereichen und für das Zwischenmenschliche.

10.29 Uhr an einem Montagmorgen auf dem Netto-Parkplatz in Heiligenhaus. Dieter Stephan biegt mit dem Minibus auf das Gelände ein und hält kurze Zeit später bei den Einkaufswagen. Der Overather Bürgerbus ist fast überpünktlich.

Ein freundliches „Hallo“ wird von der gut gelaunten Runde an Fahrgästen, bestehend vor allem aus Seniorinnen, erwidert und so geht es auf in Richtung Untereschbach, bevor es eine Stunde später zurück geht. „Wir sind ein ganz normaler Linienbus mit festgelegten Abfahrtszeiten und Haltestellen. Der Bus gehört der RVK und die Linien wurden abgestimmt, damit man sich nicht in die Quere kommt, daran müssen wir uns halten“, erklärt Stephan, Vorstandsvorsitzender des Bürgerbusvereins. Der Bürgerbus hält allerdings an Orten, die von regulären Linienbussen selten bis nie bedient werden, zum Beispiel der Föhrenweg in Heiligenhaus oder die Straße Im Reutersberg in Steinenbrück. Damit soll sichergestellt werden, dass Menschen, die eingeschränkt oder gar nicht selbstständig mobil sind, von A nach B kommen.

Besserer Service als bei Linienbussen

Roswita Eschbach ist eine regelmäßige Nutzerin. Sie fährt vor allem zum Einkaufen, wie sie sagt. „Ich bin froh, dass es den Bürgerbus gibt, hier hilft mir immer jemand, die schweren Einkaufstaschen in den Bus zu hieven“, sagt die Rentnerin. Das erleichtere ihr den Alltag enorm. Außerdem warteten die regulären Linienbusfahrer oft nicht darauf, dass alle Fahrgäste sitzen, wenn sie losfahren. „Zwei Mal bin ich deshalb schon geflogen“, erzählt Eschbach. Im Bürgerbus gibt es eine Anschnallpflicht, erst wenn alle den Gurt umhaben, geht es weiter. Stephan und Eschbach sind sich schon lange bekannt, persönliche Anekdoten werden ausgetauscht und auch miteinander gelacht. Die meisten Kunden sind Stammkunden, meint Stephan.

„Wir sind Serviceleister, deshalb ist es wichtig, dass man einen angenehmen Fahrstil hat. Es soll niemand wegen einer Vollbremsung nach vorne geschleudert werden“, erklärt Stephan. Auch Hilfe beim Rein- und Raustragen von schweren Taschen gehöre dazu. Die Fahrgäste bezahlen für ihre Fahrt 2,50 Euro, egal zu welcher Haltestelle. „Vorher waren es 2 Euro, aber wegen der hohen Dieselpreise ging es nicht anders, wir müssen trotzdem unsere Reserven angreifen.“ Mit 2,50 Euro sei der Bürgerbus für die Fahrgäste oft die günstigste Alternative, im Vergleich zum Taxi oder regulären Bus.

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Stephan ist einer von 18 ehrenamtlichen Fahrern, die sich die vier Tage pro Woche, an denen der Bürgerbus fährt, aufteilen. Pro Tag gibt es eine Morgen- und eine Abendschicht. „Ich komme aus einem Job mit viel Verantwortung und als ich in Rente ging, konnte ich mir nicht vorstellen, gar nichts zu machen und ich wollte meiner Frau nicht zu sehr auf die Pelle rücken“, meint Stephan mit einem Grinsen. Damit keine Langeweile aufkam, schaute er sich nach einem Ehrenamt um. Die Leidenschaft fürs Fahren führte ihn zum Bürgerbus.

„Viele unserer Fahrer sind bereits Rentner, dadurch kommt es öfter vor, dass jemand ausfällt, weil eine Knie-, eine Augen- oder Hüft-OP ansteht.“ Im Einsatz seien somit in der Regel eher 14 Personen, deshalb sucht der Verein weiter nach Fahrern. „Zwei bis drei Leute würden schon reichen, jeweils für zwei bis drei Tage im Monat.“ Abgesprochen würden die Schichten einmal im Monat bei einem Treffen, und für spontane Ausfälle gebe es eine Whatsapp-Gruppe. Wichtig sei, neben einem Führerschein der Klasse B oder 3, eine kommunikative Ader, denn die meisten Kunden sind älter und einige von ihnen allein zu Hause.

Zu sehen ist ein Bushalteschild.

Die Haltestellen sehen aus wie reguläre Linienbushaltestellen.

„Es gibt lustige Episoden, wenn ich zum Beispiel höre, wie sich die Damen auf Platt unterhalten“, aber auch weniger lustige, wenn er merkt, dass er als eine Art Seelsorger dient. „Es gibt eine ältere Frau, die immer mit ihrem Mann gefahren ist. Irgendwann meinte sie zu mir, dass ihr Mann nicht mehr mitfahren würde, weil er verstorben ist.“ Wenn die Kinder oder sonstige Verwandte weiter weg wohnen, seien viele Seniorinnen und Senioren einsam. Das erschwere nicht nur den Alltag. „Ich höre viele Geschichten über Familien oder mache Small Talk und manchmal, wenn sie dann gehen, drücken sie einem auf die Schulter. Dann weiß man, dass man das Richtige getan hat“, sagt er zufrieden.

Auch um den Horizont zu erweitern sei das Ehrenamt gut. Da der Bürgerbus auch Schwerbehindertenausweise und das Deutschlandticket akzeptiert, fahren zum Beispiel auch Flüchtlinge aus der Ukraine mit. „Eine junge Ukrainerin ist mitgefahren und nahm Deutschkurse. Irgendwann meinte sie, dass sie eine Gehirnerschütterung erlitten hatte von einer Bombe. Ihren Mann hat es dabei erwischt“, sagt Stephan nachdenklich.