Ein blaues Garn verband die Teilnehmer der Demonstration, die den Verlust ihres Bachs nach dem Aus der Braunkohlenverstromung fürchten.
Demonstration300 Menschen Hand in Hand in Rheidt-Hüchelhoven für den Erhalt des Gillbachs

Auch viele Spieler des SV Rheidt waren Teil der Menschenkette für den Erhalt des Gillbachs. Rund 300 Menschen reihten sich entlang des Gewässers auf, das im Hintergrund zu sehen ist.
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Nur der Gillbach selbst zeigte sich unbeeindruckt. Sein kristallklares Wasser, das sich vor allem aus der Kühlung des Kraftwerks Niederaußem speist, floss still dahin wie eh und je. An seinem Ufer jedoch jubelten rund 300 Menschen, die sich entlang des kleinen Gewässers aufgestellt hatten. Jung und Alt hatten sich versammelt, um für den Erhalt des Baches einzutreten, der trockenzufallen droht, sobald die Kohleverstromung endet und kein Kühlwasser mehr eingeleitet wird.
„Bisher hat man uns nicht ernst genommen“, sagt Martina Eckroth, eine der Organisatoren der Demonstration. „Aber wir wollten zeigen, dass es mehr als nur zehn Leute sind, die sich für den Gillbach einsetzen. Wir wollen zeigen, dass der Gillbach uns gehört.“
Bergheim: Verbundenheit mit dem Bach, der durch den Doppelort fließt
Das ist eindrucksvoll gelungen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene waren am Freitagnachmittag an den Bach gekommen und reihten sich ein, um ihre Verbundenheit mit dem Bach zu zeigen, der durch den Doppelort Rheidt-Hüchelhoven fließt.
Der Kindergarten Wichtelland war vertreten, die Odilia-Weidenfeld-Grundschule, der SV Rheidt und viele mehr. Die Organisatoren betonten denn auch die emotionale Verbundenheit der Rheidter und Hüchelhovener mit dem Gillbach. „Für die Kinder ist das ein Abenteuerspielplatz“, sagt Martina Eckroth. „Hier wird geangelt und geplantscht.“ Es sei immer was am Bach los, und der viele idyllische Seiten zu bieten habe. „Es sind nicht nur Fischchen drin. Das sind richtig große Fische.“
Und bei der Demo zählten die Teilnehmer auch harte Argumente für den Erhalt auf, für den nach ihrer Ansicht RWE verantwortlich zeichnen sollte. „Die Quellen des Gillbachs lagen im Bethlehemer Wald, der für den Tagebau abgebaggert wurde“, sagt Martina Eckroth. „Die bekommen wir niemals wieder.“ Und Friedhelm Pütz sagt: „Der Gillbach ist über Generationen ein Stück Heimat.“
RWE behaupte stets, beim Gillbach handele es sich um ein „ephemeres“ Gewässer, also einen Bach, der nur vorübergehend Wasser führe und wieder trocken falle. Das sehen die Rheidter und Hüchelhovener ganz anders. Es gebe mehr als genug historische Hinweise auf eine dauerhafte Besiedlung, auf eine frühe Kornmühle oder Bewirtschaftung entlang des Bachs. Laut Eckroth sei der Bach auf Karten des 17. und 18. Jahrhunderts zu sehen.
„Der Orden der Zisterzienser hat hier im Mittelalter Höfe unterhalten“, sagt der Niederaußemer Johannes Hübner. „Das hätten sie nicht getan, wenn es hier nicht dauerhaft Wasser gegeben hätte.“ Vor tausend Jahren schon hätte es diese Höfe hier gegeben. Und geht es nach den Rheidt-Hüchelhovenern, gibt es den Gillbach auch in tausend Jahren noch.
