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Pulheimer BachAngst vor der großen Flut

3 min

Das Hochwasser in Sinthern im Jahr 1958 verursachte große Schäden an Straßen und Häusern.

Bergheim/Pulheim – Die Hochwasserkatastrophe im Süden und Nordosten von Deutschland treibt auch die Bürger Pulheims um. „Sie nehmen regen Anteil an der Katastrophe, sie haben tausend Fragen zum Hochwasserschutz in Pulheim“, sagt Horst Engel, Vorsitzender des Unterhaltungsverbandes Pulheimer Bach. Er erlebe sehr intensive Gespräche, täglich, vor Ort, in Sinthern, wo derzeit ein weiterer Abschnitt des Baches renaturiert wird. Viele Bürger beschäftige die Frage, für welche Regenereignisse der Pulheimer Bach ausgelegt sei. „Der Bach ist für ein Regenereignis ausgelegt, das statistisch alle 50 Jahre eintreten kann.“

Im Falle eines Falles könne der rund acht Kilometer lange Bach, der auf Pulheimer und Bergheimer Stadtgebiet fließt, 3000 Liter pro Sekunde aufnehmen. „Schadlos. Mehr Wasser würde über die Ufer treten. Daher wurden im Bachverlauf die Hochwasserrückhaltebecken errichtet.“ Zwei befinden sich in Bergheim-Glessen, eines in Pulheim-Sinthern, ein weiteres im Zentralort Pulheim.

Einige Bürger fragten sich, ob die Anlagen in Glessen mit jeweils 25  000 und die in Sinthern und Pulheim mit  80 000 beziehungsweise 28 000 Kubikmetern nicht überdimensioniert seien. Einige sagten, sie hätten die Becken noch nie voll gesehen. „Es ist wichtig, ihnen klar zu machen, dass die Becken nicht voll sein müssen. Ganz im Gegenteil: Schon beim ersten Liter, der der sich dort sammelt, funktioniert der Hochwasserschutz.“ Liefen die Becken voll, dann wäre der Hochwasserschutz völlig ausgereizt, das Wasser laufe über, es käme zu Überschwemmungen. Viele Bürger interessiere die Frage, wie sich die Renaturierung des Baches auf den Hochwasserschutz auswirke. In zehn Abschnitten ist das einengende Betonkorsett entfernt, vier Abschnitte stehen noch aus, was Engel als sehr positiv bewertet.

Da der Bach in Mäanderbögen verlaufe, das Bachbett verbreitert und neue Auen angelegt würden, werde zusätzlicher Überschwemmungsraum geschaffen. „Das ist viel wichtiger, als immer höhere Dämme und Deiche zu bauen. Überschwemmungsraum vermindert die Fließgeschwindigkeit, Hochwasserwellen bleiben aus oder kommen flacher und langsamer.“ In Zahlen ausgedrückt, bedeute dies: An den renaturierten Abschnitten in Glessen, gegenüber der Kläranlage (rund 900 Meter) und in Geyen, nahe der Junkerburg (rund 700 Meter), seien neue Bachauen entstanden. „In Glessen bieten sie Raum für zusätzliche 10 000, in Geyen für zusätzliche 7500 Kubikmeter Wasser.“ Den wertvollen Lösslehm, der während der Renaturierung abgetragen werde, nähmen die Landwirte dankbar an. „Er fehlt aufgrund der Erosion an vielen Stellen.“ Um weiteren Überschwemmungsraum zu schaffen, sei weiterer Grunderwerb links und rechts von Bächen und Flüssen nötig.

Aufklärungsbedarf sieht Engel in diesem Punkt: Gerade in der älteren Generation sei die Ansicht weit verbreitet, dass verrohrte Bachabschnitte sicherer sind als offene. „Das ist ein Trugschluss. Wenn der Bach geöffnet wird, wird er gestaltet, der Hochwasserschutz wird verbessert.“ Sobald die letzten Bachabschnitte renaturiert sind, möchte sich Engel dem Thema „intensiv widmen“ und versuchen, Anrainer und Grundstückseigentümer zu überzeugen. Denn „am Pulheimer Bach gibt es verrohrte Abschnitte, die für eine Öffnung bestens geeignet wären“.