Einige der Kommunen Bedburg, Bergheim, Elsdorf, Kerpen und Pulheim wollen aus Zweckverband aussteigen. Derzeit werden 800 Musikschülerinnen und -schüler unterrichtet.
Petition: 3000 UnterschriftenKann die Musikschule La Musica noch gerettet werden?

So sah das Orchesterkonzert von La Musica im vorigen Jahr aus: Das 128-köpfige Orchester zeigte eine große musikalische Bandbreite auf hohem Niveau.
Copyright: Bernd Woitke
Am Sonntag, 30. November, 16 Uhr, ist es wieder soweit. Orchesterkonzert der Musikschule La Musica. Im Europagymnasium Kerpen geben rund 140 Musikerinnen und Musiker ein zweistündiges Konzert, geboten werden bei freiem Eintritt Klassik, Popmusik, Filmmusik und Jazz. Kinder ab acht Jahren, Jugendliche und Erwachsene spielen viele verschiedene Instrumente. Es ist das Ergebnis einer intensiven Probenarbeit an vier Samstagen und einem gemeinsamen Probenwochenende in der Jugendherberge in Nettersheim. Und das Ergebnis jahrelangen Musikschulunterrichts an La Musica.
Ob es das Konzert im nächsten Jahr in dieser Form und in dieser Größe überhaupt noch mal gibt, steht in den Sternen. Die Zukunft der Musikschule, die bisher von den Kommunen Bedburg, Bergheim, Elsdorf, Kerpen und Pulheim getragen wurde, ist unklar und entscheidet sich wahrscheinlich in den nächsten Wochen. Die Kommunen haben vorsorgliche Kündigungen ausgesprochen, die nur die Bergheimer wieder rückgängig gemacht haben.
Am 17. Dezember tagt die Zwecksverbandsversammlung, vorher fallen Entscheidungen in Stadträten, etwa in Bedburg und Kerpen am 16. Dezember. Lediglich Elsdorf hat bekundet, an der Kündigung festhalten zu wollen. Die Gründe für die Austritte sind unterschiedlich. Von mangelnder Transparenz ist die Rede, ebenso vom nicht messbaren Wert für die einzelnen Kommunen und davon, dass man es in Eigenregie effizienter hinbekommen könnte.
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Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor
„Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor“, sagt Volker Mießeler, derzeit Verbandsvorsteher, Bürgermeister der Stadt Bergheim und glühender Verteidiger der Musikschule. So sei der Verbleib aller Kommunen im Zweckverband möglich, aber auch der Austritt einzelner oder gar aller Mitglieder. Auch das würde zwar nicht das endgültige Aus bedeuten, denn Bergheim wolle dann seine eigene Musikschule betreiben, kündigt Mießeler an. Aber es wäre ein heftiger Einschnitt in der musikalischen Ausbildungslandschaft im Kreis.
Die Musikschule bietet seit Jahrzehnten Kindern und Erwachsenen für verhältnismäßig kleines Geld Musikunterricht an, von der musikalischen Früherziehung bis hin zur Ausbildung an einem Instrument oder Gesangsunterricht, vom Einzelunterricht bis hin zur Teilnahme in einem Orchester oder einer Band. Ein Angebot für den halben Rhein-Erft-Kreis, basierend auf dem Solidarprinzip der beteiligten Kommunen, die Geld in den Zweckverband schießen und Räumlichkeiten stellen.
Eine Schließung oder Einschränkung des Betriebs würde einen erheblichen Verlust für die ganze Region bedeuten
Die Sorge vor einem Kahlschlag bei der kulturellen Nachwuchsförderung ist groß, wie eine Petition zeigt. Bis Mittwochnachmittag, 26. November, 16 Uhr, haben mehr als 3000 Menschen auf der Seite change.org ihre Unterschrift dafür geleistet, dass die Musikschule mit ihren derzeit rund 800 Schülerinnen und Schülern erhalten bleibt. „Eine Schließung oder Einschränkung des Betriebs würde einen erheblichen Verlust für die ganze Region bedeuten“, heißt es im Petitionstext. „Musikschulen schaffen kulturelle Identität, fördern persönliche Entwicklung und stärken das gesellschaftliche Miteinander – Werte, die nicht ersetzbar sind.“
Auch der Förderverein der Musikschule schlägt Alarm. Die Auflösung „hätte einen sehr negativen Effekt auf das Kulturleben“ im Rhein-Erft-Kreis, sagt dessen Vorsitzender Guido de Crouppe. „Veranstaltungen, wie die Orchesterkonzerte mit 800 Besuchern, die weit bekannte Big Band, Kaleidoskop-Konzerte oder das Mozart-Konzert am 7. Dezember auf Schloss Lörsfeld oder Begleitung der Martinsumzüge würde es dann nicht mehr geben.“
In Kerpen ist sich die Politik nach wie vor uneins, ob es beim Austritt aus dem Zweckverband bleiben soll. Erst kürzlich hat die SPD einen Antrag zur Musikschule für die Ratssitzung am 16. Dezember veröffentlicht. Darin fordern die Sozialdemokraten vornehmlich, den Erfolg der neuen Förderrichtlinien, die die Stadt als Ersatz für La Musica auf den Weg gebracht hat, auf den Prüfstand zu stellen.
Viele Fragen noch offen - auch über die Kosten
Wie viele Anmeldungen gibt es für das Förderprogramm, das im Sommer gestartet ist? Welche Kitas, Schulen und Institutionen wollen teilnehmen? Wie wird die Qualität gesichert und wie viele Kosten entstehen für die Stadt? Sollte durch das Förderprogramm kein ausreichendes Angebot in einem ähnlichen Rahmen wie das der Musikschule entstehen, regt die Kerpener SPD-Fraktion an, den Ausstieg aus dem Zweckverband zurückzunehmen.
Nicht zum ersten Mal versucht die SPD, den Ausstieg zu verhindern. Im alten Rat fanden die Sozialdemokraten zuletzt bei einem entsprechenden Antrag aber keine Mehrheit. Auch jetzt betonen sowohl CDU als auch die Grünen, am Austritt festhalten zu wollen. „Wir sind auf einer Linie mit der alten Ratsfraktion“, sagt dazu der CDU-Fraktionsvorsitzende Heiner Funke auf Anfrage: „Wir wollen nun erstmal schauen, wie sich die neue Förderrichtlinie bewährt. Dann kann man immer noch nachjustieren oder eventuell in Gespräche mit der Musikschule gehen. Klar ist aber für mich auch, dass sich dann die Konditionen der La Musica ändern müssten.“
Die Co-Chefin der Kerpener Grünen-Fraktion Annika Effertz sagt: „Wir tragen den Ausstieg weiter mit. Allerdings gibt es bei uns durchaus Einzelmeinungen. Das war aber auch vorher so. Diese Meinungen sind eigentlich auch gefestigt.“ Die Kerpener Stadtverwaltung teilt mit: „Der Beschluss des Stadtrates zur Kündigung der Mitgliedschaft im Zweckverband La Musica wurde nicht durch den Rat der Kolpingstadt Kerpen aufgehoben. Die Kündigung der Kolpingstadt Kerpen wird ebenso wie die Kündigungen der anderen vier Mitgliedskommunen des Zweckverbandes La Musica nach derzeitigem Sachstand zum 31. Dezember 2025 wirksam.“
Viele Honorarkräfte in Sorge
Pulheims Stadtverwaltung äußert sich aktuell zum Sachstand nicht. Ein Blick auf die Tagesordnung für den Ausschuss für Bildung, Kultur, Sport und Freizeit am Dienstag, 2. Dezember, zeigt allerdings, dass sich die Politik mit der „Förderung der musikalischen Bildung von Kindern und Jugendlichen“ beschäftigten wird. Eine Beschlussvorlage ist noch nicht veröffentlicht.
Viele der mehr als 40 Honorarkräfte von La Musica sind in Sorge, dass sie auf der Straße und diverse Programme vor dem Aus stehen, sollte die Stadt Pulheim, wie im Dezember 2022 vom Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen, zum 31. Dezember 2025 aus dem Zweckverband ausscheiden. Dazu zählen die Bläserklasse, eine Kooperation mit dem Abtei-Gymnasium Brauweiler, das Programm Jekits an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule sowie EMSA am Geschwister-Scholl-Gymnasium.
„Leider ist bisher immer noch keine Grundlage geschaffen worden, damit wir in Pulheim positiv über einen Verbleib im Zweckverband entscheiden können“, teilt SPD-Fraktionsvorsitzender David Hochhausen auf Nachfrage der Redaktion mit. Er habe große Zweifel, dass die seit drei Jahren angeforderten Informationen noch in aussagekräftiger Form geliefert würden. „Aber damit wäre es auch nicht getan, da entsprechende Entscheidungen ja auch in den anderen beteiligten Städten getroffen werden müssten. Auch dies ist zweifelhaft.“
Pulheim: Stadt soll einen Plan B entwickeln
Da sich dieses Szenario leider seit Längerem abzeichne, habe die SPD-Fraktion darauf gedrängt, dass die Pulheimer Stadtverwaltung einen Plan B entwickle. „Geförderte, wohnortnahe musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche muss erhalten bleiben, auch wenn die Musikschule nicht weiterbestehen sollte“, so Hochhausen. Er sei zuversichtlich, dass es gelingen werde, den Pulheimer Familien ein Ersatzangebot zu machen, sollte dies tatsächlich nötig sein.
CDU-Fraktionsvorsitzender Michael Kahsnitz ergänzt im Gespräch mit der Redaktion: „Wir werden uns in jedem Fall dafür einsetzen, dass im Haushalt Mittel zur Verfügung stehen werden, um die musikalische Früherziehung von Kindern und Jugendlichen auch weiterhin gewährleisten zu können.“
Die Stadt Bedburg arbeitet seit dem 1. Januar 2024 als Kooperationspartner mit der Musikschule zusammen, ist in der Pressestelle zu erfahren. „Der Kooperationsvertrag hat sich stark an der Umlage des Zweckverbands orientiert, daher gab es keine spürbaren finanziellen Änderungen nach unserer Kündigung“, teilt ein Sprecher auf Nachfrage der Redaktion mit.
Für die musikalische Förderung seien im städtischen Haushalt auch für das Jahr 2026 entsprechende Mittel eingestellt. Am Ende des Jahres würden die Kündigungen nun wirksam, sodass der Zweckverband nach aktuellem Stand aufgelöst werde. „Zum weiteren Vorgehen stehen wir mit der Musikschule daher in einem engen Austausch“, teilt der Sprecher weiter mit.

