Jarmo Pospig und Leon Kipp haben unter dem Namen Brühler Bohnen-Brüder aus ihrer Leidenschaft für Kaffee ein Geschäft gemacht.
Angebot auf WochenmarktDurch Brühl rollt eine neue mobile Kaffeerösterei

Jarmo Pospig (l.) und Leon Kipp haben unter dem Namen Brühler Bohnen-Brüder eine mobile Kaffeerösterei ins Leben gerufen.
Copyright: Wolfram Kämpf
Wenn es knackt, wird es ernst. Diese simple Formel ist Jarmo Pospig und Leon Kipp längst in Fleisch und Blut übergegangen. „Dann ist das Rösten des Kaffees beinahe abgeschlossen und man muss die Bohnen genau im Blick behalten, damit sie nicht zu dunkel werden“, sagt Pospig. Mit einem Schäufelchen gilt es dann immer wieder, einige der edlen Bohnen aus der Apparatur zu ziehen, um sie genau zu betrachten.
Rund 20 Minuten dauert das Verfahren, das den Bohnen Feuchtigkeit entzieht, sie bräunt, dabei zum besagten Knacken bringt – und ihnen den typischen Geschmack beim späteren Aufbrühen verleiht. „In den großen industriellen Röstereien geht es viel schneller, weil deutlich höhere Temperaturen genutzt werden“, sagt Kipp. Doch das Ergebnis der langsameren und damit schonenderen Zubereitung in ihrem kleinen Röster sei ein ganz anderer Geschmack und sorge für Bekömmlichkeit. Das ist der eine Trumpf, auf den sie setzen.
Die Idee entstand bei einem gemeinsamen Saunabesuch
Der andere lautet Mobilität. Denn die beiden Brühler rösten ihren Kaffee auf einem Anhänger, den sie per Auto nahezu überall hinbringen können. Diese Idee, so erzählen der 28-Jährige Kipp und sein ein Jahr älterer Mitstreiter, sei bei einem Saunagang entstanden. Grundlage war die gemeinsame Begeisterung für Kaffee. „Ich fand auch das Rösten immer interessant und hatte schon in der Pfanne experimentiert und einem Röster in der Eifel über die Schulter geschaut“, blickt Pospig zurück.
Auf einem Online-Portal wurde das Duo dann fündig. Im hessischen Marburg stand tatsächlich ein Röstmobil zum Verkauf. Die beiden schlugen zu und brachten die Gerätschaften nicht zuletzt dank ihres handwerklichen Geschicks – beide sind gelernte Elektriker – auf Vordermann. Es folgten viele Stunden, die für das Tüfteln an der perfekten Röstung und der Suche nach Bezugsquellen für hochwertigen Rohkaffee draufgingen.
Monatelange habe man recherchiert, Preise erfragt und sei schließlich bei einem Importeur aus Bremen gelandet, der vornehmlich kleinere Röstereien beliefere. „Das gibt uns die Sicherheit zu wissen, wo der Kaffee herkommt und unter welchen Bedingungen er angebaut wird“, sagt Kipp. So beziehe man den Rohkaffee aus Kooperativen, die ihre Mitarbeiter fair entlohnen und nach Biostandards anbauen.

Der Röst-Anhänger bietet auch Platz für das Abfüllen der Bohnen unterschiedlicher Herkunft.
Copyright: Wolfram Kämpf
Nach dem Abschluss der Lieferantensuche galt es eine weitere Hürde zu nehmen. Weil der Verkauf von Kaffee steuerpflichtig ist, mussten sich die Brühler mit den Vorgaben des Zolls beschäftigen. „Auch unser Röstmobil ist jetzt offiziell ein Zolllager“, sagt Pospig. Vom Gesundheitsamt abgenommen ist es ohnehin.
Damit rollen die Brühler Bohnen-Brüder, so der Name des Start-ups, nun an jedem letzten Samstag im Monat auf den Brühler Wochenmarkt auf dem Balthasar-Neumann-Platz, wo es die Erzeugnisse auch frisch aufgebrüht gibt. Das kommt gut an. „Die Leute finden es cool, weil unser Kaffee nicht nur schmeckt, sondern live vor Ort geröstet wird und wir einiges über unsere Produkte erzählen können“, berichtet Pospig, der sich sonst einem Elektrotechnikstudium widmet.
Das Sortiment reicht vom würzigen India Cherry über die Markt Melange bis zum süßlich-schokoladigen Guatemala Rosel. Für 32 Euro kann man sich online ein Probierpaket mit vier Sorten à 250 Gramm zusammenstellen. Preislich kann man damit mit der herkömmlichen Industrieware im Supermarkt nicht mithalten. „Das geht nicht und das wollen wir auch gar nicht. Wir wollen mit Qualität überzeugen“, so Pospig.

Die Röstapparatur ist einem Anhänger angebracht, der per Auto überall hingezogen werden kann.
Copyright: Wolfram Kämpf
Er will mit seinem buchbaren Mobil bei Feiern und Events für einen besonderen Akzent sorgen. Außerdem wird geliefert. Zu Privatkunden oder in Büros. Dauerhaft gibt es den Kaffee des Duos zudem im „Krousssos“, dem kleinen Kreta-Lädchen an der Kierberger Schulstraße 26.
