Bis vor acht Jahren ist Gertrud Breitsamer noch Auto gefahren, „total sicher“, wie ihre Tochter bescheinigt.
100. GeburtstagGertrud Breitsamer aus Elsdorf blickt auf ihr bewegtes Leben zurück

Vor 100 Jahren wurde Gertrud Breitsamer geboren. Heute lebt sie im Alloheim in Elsdorf.
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Sie kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Vor 100 Jahren wurde Gertrud Breitsamer geboren, heute feiert sie im Alloheim in der Elsdorfer Stadtmitte ihren runden Geburtstag. Das Licht der Welt erblickte Gertrud Breitsamer, geborene Röllgen, am 28. Februar 1926 in Sinthern, wo sie auf dem elterlichen Hof in der Kirchgasse mit einer Schwester aufwuchs und die Volksschule besuchte.
Elsdorf: Mit der Schwester ein Paar Rollschuhe geteilt
„Ich bin ein braves Sintherner Mädchen vom Lande“, scherzt sie. „Wir hatten nur ein Paar Rollschuhe, die wir uns teilen mussten. Ich habe sie dann meiner Schwester ganz überlassen und lieber im Garten gearbeitet.“ Später kamen noch zwei Halbgeschwister hinzu. „Ich war zwei Jahre alt, als mein Vater starb. Meine Mutter hat später erneut geheiratet“, erinnert sie sich lebhaft.
Beim Kölner Kaufhof absolvierte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Nach dem Pflichtjahr wurde sie zum Arbeitsdienst in Pommern einberufen und arbeitete bei Bauern und in kinderreichen Familien. 1944 kam sie zunächst nach Schleswig-Holstein und 1945 zurück nach Sinthern. Den Brauweiler Theo Breitsamer lernte sie beim Tanzen kennen. „Der hat mich dann gefragt, ob er mich nach Hause bringen dürfe.“
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Gertrud Breitsamers Hochzeit mit Theo Breitsamer fand 1947 in Pulheim-Sinthern statt. (Repro)
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Er durfte, und im selben Jahr heiratete das Paar in Sinthern „mit geliehenem Brautstaat“ und zog zunächst bei den Schwiegereltern in Brauweiler ein. 1950 wurde Tochter Roswitha geboren, fünf Jahre später die zweite Tochter Helga. Da wohnte die junge Familie – Theo Breitsamer war Schaltmeister beim RWE-Schaltwerk – bereits in Bergheim-Rheidt an der Straße „Am Schaltwerk“ im eigenen Haus.
Viele Jahre kümmerte sie sich um ihre Mutter. 1982 verstarb unerwartet ihr sechs Jahre älterer Mann. „Wir wollten nach seinem Renteneintritt noch so viel unternehmen. Dann starb er plötzlich in meinen Armen“. Gertrud Breitsamer nahm das Leben erneut in die Hand, fand einen Partner, mit dem sie 20 Jahre lang „lose verbunden“ war, unternahm Kreuzfahrten in die Karibik und ins Schwarze Meer. Bis vor acht Jahren ist sie noch Auto gefahren, „total sicher“, wie ihre Tochter bescheinigt.
Gerne hat die Naturliebhaberin im Garten gearbeitet, pflegte ihre Blumen, fuhr viel Fahrrad. Vor drei Monaten, nach 71 Jahren im eigenen Haus Am Schaltwerk, zuletzt mit Haushaltshilfe und Unterstützung durch die Töchter, zog sie ins Alloheim um. Dort nimmt die geistig rege Seniorin gerne an allen Angeboten und Veranstaltungen teil. Und dort wird heute auch mit der ganzen Familie, zu der zwei Enkel und vier Urenkeln zählen, bei Kaffee und Kuchen gefeiert. „Ich habe immer gesund gelebt, viel Obst und Gemüse gegessen. Und ich hatte ein schönes und weitgehend gesundes Leben“, blickt Gertrud Breitsamer zufrieden auf 100 Lebensjahre zurück.

