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Schüsse auf WohnhausFühlte sich der Erftstädter Geschäftsmann bedroht?

4 min
Die Schüsse schlugen in der Haustür, den Rollläden und in der Fassade ein.

Die Schüsse schlugen in der Haustür, den Rollläden und in der Fassade ein.

Die Schüsse in Erftstadt-Köttingen könnten Teil einer Schutzgeld-Erpressung sein. Nachbarn berichten, das Haus wurde von einem Sicherheitsdienst bewacht.

„Das macht mir richtig Angst“, berichtete eine Anwohnerin der sonst so ruhigen Wohnstraße in Erftstadt-Köttingen am Montagvormittag. Kurz vor fünf Uhr in der Nacht auf Sonntag (30. August) habe sie die Schüsse gehört. „Zuerst habe ich ja noch gedacht: Wer zündet denn um diese Zeit ein Feuerwerk?“, erzählte sie.

Noch in der Nacht habe sie dann einen Hubschrauber gehört, der sehr lange über ihrer Wohnstraße stand und in die Straßen hineinleuchtete. Sie sei sogar aufgestanden und raus auf die Straße gegangen. „Ich möchte gar nicht mehr darüber nachdenken, was alles hätte passieren können, wenn ich den Tätern in die Quere gekommen wäre“, sagte sie.

Ich kann nicht fassen, dass so etwas jetzt sogar hier bei uns im kleinen Köttingen passiert
Ein Anwohner

Wie gefährlich es wirklich war, erfuhr auch sie erst am Sonntag, als ihr Sohn ihr von den Schüssen auf das Einfamilienhaus in ihrer weiteren Nachbarschaft erzählte. „Ich kann nicht fassen, dass so etwas jetzt sogar hier bei uns im kleinen Köttingen passiert“, sagte sie.

Die Schüsse im beschaulichen Erftstädter Ortsteil bestimmten auch am Wochenanfang das Thema im Ort. Die Anwohnerstraße war sogar Ziel vieler Menschen, die mit ihren Fahrzeugen auffällig langsam fuhren und die Blicke gezielt in Richtung des Einfamilienhauses richteten – bevor sie Gas gaben. Mit etwas Abstand schauten sich auch Fußgänger und Radfahrer den Tatort an.

Deutlich sind die Einschusslöcher in der Hauswand und im Abflussrohr zu sehen.

Deutlich sind die Einschusslöcher in der Hauswand und im Abflussrohr zu sehen.

Dort hingen am Montagmorgen noch die vielen gelben, mit Zahlen beschrifteten Zettel, mit denen die Spurenermittler der Polizei jedes einzelne Einschussloch an den Rollläden, der Haustüre, der Regenrinne und der Hauswand gekennzeichnet hatten.

Ein Handwerkerauto stand am Morgen quer vor dem Haus und Handwerker verschwanden hinter der Haustür. Farbig markiert sind auch immer noch die Stellen auf der Straße, wo beim Eintreffen der Beamten die Patronenhülsen gelegen haben.

Nach Informationen dieser Redaktion hat der türkische Geschäftsmann erst vor etwa zwei Jahren das Einfamilienhaus in Erftstadt-Köttingen  gekauft und dann umgebaut und saniert. „Er ist ein fleißiger Mann“, berichtete ein Anwohner. Tagsüber sei er nur selten zu Hause. „Er kommt abends spät und fährt morgens früh oft schon wieder zur Arbeit“, hieß es. „Allerdings muss er von der drohenden Gefahr auf ihn und sein Haus gewusst haben“, meinte ein Anwohner. Schon seit einiger Zeit habe nachts Security vor der Haustür gestanden. „Warum dieser Sicherheitsdienst jedoch in der Nacht auf Sonntag nicht da war, weiß ich nicht“, erklärte er.

Markierungen auf der Straße zeigen an, wo die Patronenhülsen gelegen haben.

Markierungen auf der Straße zeigen an, wo die Patronenhülsen gelegen haben.

Die Polizei ermittelt im Zusammenhang mit den Schüssen wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Eine Mordkommission wurde eingerichtet. Der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer erklärte auf Anfrage, dass die Bewohner des Einfamilienhauses und eines benachbarten Wohnhauses durch die Schussabgaben konkret gefährdet waren. „Unser vorrangiges Ziel ist es zunächst, die Täter zu identifizieren und festzunehmen.“ 

„Hoffentlich haben die Kameras alles ganz genau aufgezeichnet“, merkte ein Spaziergänger an und deutete auf die beiden Kameras, die zu beiden Seiten unterhalb des Daches am Einfamilienhaus befestigt sind. Vielleicht helfen die Bilder den Ermittlern, die Täter schneller zu fassen.

Gibt es eine Verbindung zu einem Feuer in Köttingen?

Direkt fiel ihm auch die Brandstiftung in Erftstadt-Köttingen in der Max-Ernst-Straße ein – Luftlinie nur etwa 500 Meter entfernt. Das Feuer war in der Nacht zum 12. Juli in einem Gartenhaus ausgebrochen und hatte schnell auf einen Wohnwagen übergegriffen. Eine am Wohnwagen angeschlossene Gasflasche explodierte. Von einer Kamera sei allerdings gestochen scharf ein Mann aufgezeichnet worden, der in der Nacht am Brandort zu sehen war. „Und ziemlich schnell ist die Polizei mit diesem Bild auch in die Öffentlichkeit gegangen“, erinnerte sich der Spaziergänger und hofft: „Vielleicht machen es die Ermittler ja nun wieder so.“

Wie Bremer erklärte, ermittle die Polizei auch, ob die Schussabgaben im Zusammenhang mit einem Erpressungsversuch zum Nachteil eines Imbissketten-Besitzers stehen könnten – und inwieweit sich die Tat in ein Raster vergleichbarer Angriffe in NRW und anderswo einordnen lässt. Laut WDR-Recherchen soll einer der Chefs einer bundesweit tätigen türkischen Imbisskette in dem angegriffenen Haus in Köttingen wohnen.

Aus Polizeikreisen habe der WDR erfahren, dass es bei den Angriffen um Schutzgelderpressung geht. Das Unternehmen soll bereits seit Monaten erpresst werden. Es gehe dabei um mehrere Millionen Euro. Und Köttingen sei auch nicht der einzige Tatort. Bereits in diesem Sommer gab es Angriffe auf Filialen der Kette in Mannheim, Rüsselsheim und Osnabrück. Geschossen und Brände gelegt. Hinter den Taten könnten sogenannte türkische „Gen-Z-Banden“ oder mafiöse Gruppen stecken, die gezielt wohlhabende türkische Geschäftsleute unter Druck setzen. Auch das Landeskriminalamt NRW ermittelt in mehreren Fällen.

Zeugenaussagen zufolge sollen die Männer circa 1,85 Meter groß und schlank sein. Ein Täter soll einen roten Kapuzenpullover, eine dunkle Hose und weiße Sneaker getragen haben. Sein Komplize sei mit einem weißen Kapuzenpullover, einer dunklen Hose und mit dunklen Schuhen bekleidet gewesen.


Zeugen, die Hinweise zu den Flüchtigen geben können, werden gebeten, sich an die Ermittler des Kriminalkommissariats 11 unter 0221 229-0 oder per E-Mail zu wenden.