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Marien-Hospital ErftstadtExperte zum Krankenhausmarkt: „Der Druck wird nicht weniger werden“

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Zu sehen ist ein Schild, auf dem unter anderem „Marien-Hospital Frauenthal“ steht.

Knapp eine Woche nach der Insolvenz-Hiobsbotschaft am 23. Dezember herrschte im Marien-Hospital Erftstadt-Frauenthal geschäftiges Treiben.

Warum es kleine Krankenhäuser wie das insolvente Marien-Hospital derzeit wirtschaftlich besonders schwer haben, erklärt ein Experte.

Die wirtschaftliche Schieflage des Marien-Hospitals Erftstadt ist kein Einzelfall. Immer mehr Kliniken stehen in Deutschland unter Druck. Wie Krankenhaus-Experte Fabian Binöder, Managing Director bei FTI-Andersch, im Gespräch erläuterte, schrieben derzeit zwei Drittel der Krankenhäuser wirtschaftlich Verluste. Die Situation habe sich nach der Corona-Pandemie noch mal zugespitzt, sagt er. Vor der Pandemie hätten Krankenhäuser zumindest die Chance gehabt, halbwegs kostendeckend zu arbeiten.

Die Krankenhäuser sind nie wieder auf ihre Fallzahlen vor Covid zurückgekommen
Fabian Binöder, Krankenhaus-Experte

Doch warum ist die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser so angespannt? Ein Grund ist laut Binöder: „Die Krankenhäuser sind nie wieder auf ihre Fallzahlen vor Covid zurückgekommen.“ Die Patienten hätten sich ein Stück weit daran gewöhnt, nicht mehr mit allem sofort ins Krankenhaus gehen zu müssen.

Doch: „Selbst wenn die Fallzahlen zurückkommen würden, könnten Krankenhäuser sie im Moment nicht abdecken, weil zu wenig Personal da ist.“ Zudem seien die Personalkosten sowie die Preise für Material deutlich gestiegen. So koste etwa ein Skalpell nun deutlich mehr.

Erftstadt: Was ein Insolvenzantrag bedeutet

Eine konkrete Einschätzung zum Marien-Hospital gibt der Experte nicht. Mit Blick auf die Branche sagt er: „Eine Insolvenz bedeutet noch nicht, dass ein Krankenhaus geschlossen wird oder es schon zu spät ist.“ Vielmehr diene ein Insolvenzantrag „maßgeblich als Werkzeug, um eine tragfähige Zukunft herzustellen“.

Kleine Krankenhäuser haben es derzeit noch schwerer. Im Januar 2025 war das insolvente Hubertusstift in Bedburg geschlossen worden. Zum Vergleich: Bedburg hatte 80 Betten, Erftstadt hat rund 130 Betten. Wie der Experte erläutert, müssten kleine Häuser die gleichen gesetzlichen Anforderungen bedienen wie größere Gruppen. Auch der Personalmangel treffe sie stärker.

Junge Ärzte, die sich weiterentwickeln und bestimmte Operationen durchführen möchten, haben in einem großen Haus andere Chancen
Fabian Binöder

Weiter gebe es in kleineren Häusern entsprechend kleinere Fachabteilungen und oftmals weniger komplexe Fälle. Binöder erläutert: „Junge Ärzte, die sich weiterentwickeln und bestimmte Operationen durchführen möchten, haben in einem großen Haus andere Chancen.“

Und: „Der Kampf um den Patienten ist schwieriger geworden.“ So überlegten sich Patienten mittlerweile genau, wo sie sich behandeln ließen. Sie schauten genauer auf Bewertungen oder darauf, wie häufig Operationen in einem Krankenhaus durchgeführt würden.

Wie kleinere Häuser dennoch wettbewerbsfähig bleiben können: Binöder spricht etwa von Spezialisierung, Erweiterung in speziellen Fachbereichen oder Kooperationen mit anderen Häusern, um sich gegenseitig zu unterstützen. Der Experte resümiert: „Um sich in der zukünftigen Versorgungsstruktur unentbehrlich zu machen als kleines Haus, braucht es einen gewissen Wettbewerbsvorteil.“ Denn: „Der Druck wird nicht weniger werden.“

Für die insolvente Klinik in Erftstadt zeichnet sich eine Lösung ab. Wie Insolvenzverwalter André Dobiey zuletzt in der Ratssitzung berichtete, werde man hoffentlich im Laufe des zweiten Quartals eine Lösung für das Krankenhaus finden. Die Stiftung betrachtet er als nicht geeignet, die Klinik künftig zu führen. „Sinnvolles Ziel ist der Erhalt des Krankenhauses.“ Gespräche mit anderen Krankenhausträgern seien bereits geplant.