Spenden, Wiederaufbau, KiesgrubeSo soll es nach dem Hochwasser in Blessem weitergehen

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Abbruchkante Blessem Jürgensonn

In Erftstadt-Blessem wächst der Widerstand gegen die Kiesgrube.

Erftstadt – Die Bürgerfragestunde dauerte weit länger als eine Stunde. Zu viele Sorgen trieben die Menschen um, die zur Ratssitzung in die Aula des Lechenicher Schulzentrums gekommen waren.

Sechs Wochen nach der Flutkatastrophe zog Bürgermeisterin Carolin Weitzel eine erste Bilanz und stellte sich den Fragen der Bürger und Bürgerinnen. Es ging nicht nur um die Abläufe in den dramatischen Tagen im Juli, sondern auch um die Zukunft Blessems und um die Verteilung des gespendeten Geldes an die Flutopfer.

Das sagt Geologe Dr. Lutz Benner zum verheerenden Abbruch

Dr. Lutz Benner erklärte noch einmal, wie es zu dem verheerenden Abbruch am Rand der Blessemer Kiesgrube gekommen ist. Der Ingenieurgeologe schilderte anschaulich, wie die Ströme sich in Blessem vereinten und in die Grube flossen. Rückschreitende Erosion nennt es der Fachmann, wenn das wirbelnde Wasser sich dann entgegen der eigentlichen Fließrichtung in die Böschung frisst.

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Der Boden unter dem Pferdehof ist nach dieser Aufnahme abgesackt.

Als die Erde schließlich wegbrach, riss sie drei Häuser, einen Stall und eine halbe Reithalle in die Tiefe. Dass die Erft – „dieser kleine, liebliche Fluss“, wie Benner sagte – schließlich auch noch in die Grube strömte, habe tatsächlich Schlimmeres verhindert: „Dann gab es keine rückschreitende Erosion mehr.“

Erftstadt: So soll die Spendenverteilung aussehen

Peter Kamp ist Ombudsmann bei der Verteilung der Spenden an die Flutopfer. „Ich helfe Menschen gern“, sagte der frühere Präsident des Oberlandesgerichts Köln. Rund 6,7 Millionen Euro sind bisher bei der Stadt eingegangen, bestimmt ist das Geld für Menschen, die ihren ersten Wohnsitz in Erftstadt haben und von der Flut betroffen sind.

Die Einkommensgrenze liegt bei 70.000 Euro brutto pro Jahr bei Einzelpersonen und 120.000 Euro für Paare, hinzu kommen 10.000 Euro pro Kind. Maximal 50.000 Euro an Schaden können angerechnet werden, ersetzt werden können davon bis zu zehn Prozent, bei Menschen, die alles verloren haben, 20 Prozent. Geld gibt es nur für die Behebung von Schäden an Gebäuden, Hausrat, Kleidung oder Möbel, nicht für Luxusgegenstände oder Hobbys.

So geht es mit dem Wiederaufbau in Erftstadt-Blessem weiter

Gute Nachrichten übermittelte Gerd Schiffer. Die Nachbarstadt Brühl hat ihren Technischen Beigeordneten zur Unterstützung nach Erftstadt geschickt. Es seien keine weiteren Häuser in Gefahr in Blessem, berichtete er. Und die Grundstücke an der Radmacherstraße, wo Häuser nach der Flut abgebrochen werden mussten, können wieder bebaut werden – allerdings sollen die neuen Gebäude nicht direkt an der Straße stehen. Dort, wo Grundstücke samt Häusern versunken sind, soll ein Ort der Erinnerung entstehen.

Bürgermeisterin Weitzel fand deutliche Worte zur Zukunft der Kiesgrube bei Blessem. Sie sei ein schmerzliches Synonym für Zerstörung und den Verlust von Hab und Gut. „Ich habe großes Verständnis dafür, dass der weitere Betrieb für viele unerträglich sein wird.“ Sie werde sich dafür engagieren, dass dort kein Kies mehr abgebaut werde, versprach Weitzel.

Bürger übergeben Unterschriftenliste an Carolin Weitzel

Immer wieder ging es darum, ob und wann die Bürger gewarnt worden sind. Als Carolin Weitzel sagte, am Mittwoch, 14. Juli, seien um 19.26 Uhr in der ganzen Stadt die Sirenen ausgelöst worden, rief jemand: „Gelogen!“

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Die Bürgermeisterin, der Erste Beigeordneter Jörg Breetzmann und der Leiter der Erftstädter Feuerwehr, Alexander Kern, erklärten detailliert den Verlauf der beiden Tage. Immer wieder kam der Einwand aus der Bürgerschaft, es seien keine Sirenen zu hören gewesen. Gleich zwei Gruppierung hatten Fragen und Forderungen zusammengestellt. Der Bürgermeisterin wurde eine Unterschriftenliste übergeben. Der Inhalt einer Onlinepetition von Thomas Dunkel werde als Bürgerantrag bei der nächsten Ratssitzung behandelt, sagte Carolin Weitzel zu.

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