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Hochachtung und RespektHürtherin spendet Hospizverein 15.000 Euro

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Zwei Frau blicken in die Kamera, sie sitzen an einem Tisch, eine hält einen selbstgeschneiderten Bären im Arm.

Pia Blome-Drees (l.) hat Kerstin Kautz in einer für sie schweren Zeit unterstützt.

Pia Blome-Drees hat die todkranken Eltern von Kerstin Kautz begleitet und versucht, der Tochter eine mentale Stütze zu sein.

 „Als meine Mutter mir erzählte, dass sie den Hospizverein kontaktiert hat, war ich skeptisch. Ich habe mir zwei alte, verbitterte Frauen in schwarzer Kleidung vorgestellt“, erzählt Kerstin Kautz und lächelt, denn sie wurde schnell vom Gegenteil überzeugt: „Auf einmal standen da diese lebensfrohen bunten Vögel vor der Haustür.“ Es waren Judith Bielz und Inge Sauren, die hauptamtlichen Koordinatorinnen des Hürther Hospisvereins.

Doris Kautz lädt nach ihrer Krebsdiagnose, knapp zwei Jahre vor ihrem Tod, den Hospizdienst in ihr Zuhause ein. Aus den Vorurteilen der Tochter wurden im Laufe der Jahre Erfahrungen und aus den Erfahrungen Dankbarkeit, aus welcher nun eine Spende im Wert von 15.000 Euro an den Hürther Verein ergangen ist.

Hürth: Es braucht eine ordentliche Portion Lebensfreude

Das Wort Hospiz mag zunächst nach Tod, nach Trauer und nach der Farbe Schwarz klingen. Dass das Gegenteil der Fall sei, beschreibt Pia Blome-Drees, die seit über fünf Jahren im Hürther Hospizverein sowohl Sterbende als auch Trauernde begleitet und mit viel Herzblut dabei sei. Tod und Trauer seien Bestandteile der Arbeit im ambulanten Hospizdienst, doch wer sterbende Menschen und ihre Angehörigen begleite, brauche eine ordentliche Portion Lebensfreude, findet sie.

Der Verein macht es sich seit seiner Gründung 1998 zur Aufgabe, „schwerkranken Menschen und deren Nahestehenden in der letzten Lebensphase die Zuwendung und Unterstützung zu geben, die sie brauchen.“ Er finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Neben zwei angestellten Koordinatorinnen engagieren sich Ehrenamtliche wie Pia Blome-Drees, um Menschen auf ihrer letzten Reise zu begleiten. In ihrer Funktion als Sterbegleiterin lernt sie auch Familie Kautz kennen.

Viele Schicksalsschläge

Als Kerstin Kautz’ Mutter Doris im Oktober 2021 ihre Krebsdiagnose erhält, beginnt für die Tochter eine Zeit vieler Schicksalsschläge. In den folgenden zweieinhalb Jahre habe sie nur noch funktioniert, so Kerstin Kautz. Sie pflegt ihren lungenkranken Vater, ihre krebskranke Mutter, kümmert sich um das Familieneigentum, einen großen Garten, das Haus und arbeitet Vollzeit in ihrem Beruf als Praxismanagerin.

Ihre Großmutter und ein guter Freund sterben in dieser intensiven Zeit und Kerstin Kautz spürt, dass sie am Limit ist. Pia Blome-Drees begleitet in dieser intensiven Zeit nicht nur Kerstin Kautz’ todkranke Eltern, sondern versucht auch, der Tochter eine mentale Stütze zu sein. „Sie hat beobachtet und registriert, ganz ohne Druck und ohne Zwang und manchmal auch meine schlechte Laune abbekommen“, erinnert sich Kerstin Kautz.

Ich hatte keine Zeit zu trauern, ich war mit Entscheidungen beschäftigt
Kerstin Kautz, Tochter

„Sterben beginnt nicht erst am Todestag, das beginnt schon viel früher, doch ich hatte keine Zeit zu trauern, ich war mit Entscheidungen beschäftigt.“ Ihre Mutter möchte so autonom wie möglich bleiben und ihren kranken, an ein Sauerstoffgerät gebundenen Ehemann trotz eigener Krankheit pflegen und ihr Zuhause nicht für einen stationären Hospizplatz eintauschen.

Für die berufstätige Tochter bedeutete dies, dass sie ständig erreichbar sein musste: „Nachts um drei stürzte meine Mutter und als eines Tages der Strom im Haus ausfiel, musste mein Vater schnell per Notdienst ins Krankenhaus gebracht werden.“ Kerstin Kautz fühlte sich schuldig, wusste nicht, ob sie die richtigen Entscheidungen trifft. Pia Blome-Drees nahm ihr die Zweifel. Sie gab ihr die Kraft, weiterzumachen und die Möglichkeit, einfach mal verbal Ballast abzuwerfen.

Emotionale und mentale Stütze

„Ich komme zu den Leuten, öffne den Deckel eines Mülleimers und die Leute können da alles hineindonnern und wenn ich gehe, mache ich den Eimer zu und bringe den Müll raus“, erklärt Pia Blome-Drees ihre Arbeit. Als im Juni 2023 Kerstin Kautz’ Mutter an den Folgen ihrer Krebserkrankung starb, war keine Zeit zu trauern, denn ihr Vater brauchte weiterhin intensive Pflege. Als er zehn Monate später starb, war sie psychisch ausgebrannt.

„Ich bin von 100 auf Null aus dieser intensiven Versorgungsschleife raus, übrig geblieben ist das große Haus, das leer stand.“ Ein Jahr lang stehen sie und Pia Blome-Drees im engen Kontakt, auch über die üblichen Gespräche hinaus sei die ehrenamtliche Trauerbegleiterin für sie dagewesen. So haben die beiden das Haus ausgeräumt und die Sachen an verschiedene Einrichtungen gespendet.

„Doris Kautz war eine tolle Schneiderin und es lag meterweise Stoff auf dem Speicher, den wollten wir nicht einfach auf einen Container schmeißen“, erinnert sich Pia Blome-Drees. Sie freut sich besonders über den geschneiderten Bären, der nun ins Büro des Hospizvereins eingezogen ist. „Das war auch im Sinne meiner Eltern, die sich gefreut hätten, dass ihre Sachen noch einen guten Zweck erfüllen können“, weiß die Tochter.

Anschließend verkauft sie das Haus und wagt einen Neuanfang. „Die Spende kommt von Herzen und aus Dankbarkeit, aber auch aus vollster Hochachtung und Respekt vor dieser Arbeit.“ Sie hoffe, mit ihrer Geschichte anderen Mut zu machen, so dass sie sich Hilfe holen und den Tod und das Sterben auch als Teil des Lebens anzunehmen.