Der frühere Stadtverkehr-Geschäftsführer Christian Karaus (FDP) spricht von einem „Schildbürgerstreich“. Das sagen Stadt und REVG.
Kritik an PlatzierungNeue Haltestellen-Stele verdeckt Anzeigetafel am Bahnhof Hermülheim

Die Haltestellenfahne der neuen Stele verdeckt aus bestimmten Blickwinkeln die große digitale Fahrgastinformationstafel, kritisiert Christian Karaus.
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Eine große digitale Fahrgastinformationstafel (DFI) soll Fahrgäste am Bahnhof Hermülheim über Anschlüsse an die Stadt- und Regionalbusse informieren. Doch eine neu aufgestellte Stele der Stadtwerke an der Bushaltestelle „Hermülheim Stadtbahn“ verdeckt die Anzeigetafel aus bestimmten Blickwinkeln – etwa vom Bahnsteig auf der anderen Straßenseite und von der Bushaltestelle aus. Dr. Christian Karaus, früher Geschäftsführer des Hürther Stadtverkehrs und heute FDP-Ratsherr, übt daran deutliche Kritik.
„Schon der große Fahrplanzeiger ist falsch platziert“, meint Karaus. Für Fahrgäste, die von der Bahn in den Bus umsteigen wollen und an der Schranke vor dem Fußgängerüberweg warten, seien die Abfahrtszeiten kaum zu entziffern. Dass die DFI-Tafel nun zusätzlich teilweise von der neuen Stele verdeckt werde, erinnere an einen „Schildbürgerstreich“.
Hürth: Nicht genug Platz für Fahrgastanzeiger am Gleiszugang
„Die große DFI-Tafel hätte eigentlich auf den Bahnsteig gehört“, meint Karaus. „Dort hätte sie viel mehr Sinn ergeben.“ Stattdessen stünden sich nun zwei aus öffentlichen Mitteln finanzierte Anlagen im Weg. Einen zusätzlichen Nutzen der neuen Stele mit digitalem Fahrplan erkennt Karaus nicht.
Nach Angaben der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (REVG) war tatsächlich ursprünglich ein anderer Standort für die bereits im Februar 2023 in Betrieb genommene DFI-Tafel vorgesehen. „Geplant war, den Anzeiger am Gleiszugang aufzustellen“, sagt Geschäftsführer Walter Reinarz. Dafür habe jedoch der Platz gefehlt. Auch eine Installation auf dem Bahnsteig sei nicht möglich gewesen. „Dafür hätte die Stadtbahntrasse gesperrt und die komplette Zuleitung geändert werden müssen“, so Reinarz.
Hürth: Stadtwerke wollten das vorhandene Fundament nutzen
In Abstimmung mit der Stadt Hürth und dem Rhein-Erft-Kreis sei der Standort deshalb in den Bereich der Bushaltestelle verlegt worden. „Zum Zeitpunkt der Errichtung haben wir den Standort als geeignet bewertet“, erklärt REVG-Sprecherin Sabine Fusshoeller-Kleinert. Einen uneingeschränkten Blick aus allen Richtungen werde es „wahrscheinlich nie geben“.
Die Stadtwerke verweisen bei der Platzierung der neuen Stele auf bauliche Gründe. „Die Stele wurde am bisherigen Standort errichtet, um das vorhandene Fundament zu nutzen“, so eine Sprecherin. Die DFI-Anzeige bleibe grundsätzlich sichtbar, auch wenn die Sicht aus einzelnen Blickwinkeln eingeschränkt sei.
Eine Versetzung der Stele sei derzeit nicht geplant, allerdings werde geprüft, wie sich die Sicht verbessern lasse. Nach Darstellung der Stadtwerke bietet die rund 1200 Euro teure Stele zusätzliche Informationen, darunter Angaben zur Auslastung von Fahrten, Linienübersichten, Tarifinformationen und allgemeine Hinweise.
Das Projekt „digitale Haltestelle“ von Stadtwerken und Regionalverkehr Köln (RVK), zu dem auch die 210 neuen Haltestellen-Stelen mit digitalen Fahrplänen gehören, hatte bereits andernorts Kritik ausgelöst. So wurde am Bürgerhaus eine 18.000 Euro teure digitale Infotafel so nah an einer Wand aufgestellt, dass der rückwärtige Bildschirm praktisch nutzlos ist.
