Hürther Verwaltung will sparenGeplante Stadtbahn soll sonntags nicht fahren

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Die Linie 18 fährt nach Brühl, die Linie 19 biegt nach Hürth-Mitte ab: So wird das Betriebskonzept geplant.

Hürth – Frühestens gegen Ende des Jahrzehnts wird die Stadtbahn vom Bahnhof Hermülheim über neue Gleise am Hürther Bogen bis zum Busbahnhof am Einkaufszentrum Hürth-Park rollen. Doch im Rahmen des Planungsverfahrens muss die Stadt sich schon jetzt mit dem künftigen Fahrplan beschäftigen. Das sorgt bereits für Kontroversen.

Denn die Verwaltung hat vorgeschlagen, die Bahn an Sonntagen aus Kostengründen im Depot zu belassen. Der Sparvorschlag traf allerdings auf Widerstand bei Grünen und SPD.

Bei der KVB wird die Stadtbahn ins Hürther Zentrum inzwischen wieder als Linie 19 geführt. Die Stadtbahnlinie, die früher in Köln-Klettenberg endete und vor Jahren eingestellt wurde, soll reaktiviert werden. Fahrgäste sollen erkennen können, welche Bahn nach Brühl weiterfährt (Linie 18) und welche nach Hürth-Mitte abzweigt (Linie 19).

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Hürth: So soll die Taktung der Stadtbahn aussehen

Die Betriebskosten hat die KVB inzwischen nach oben korrigiert. Das habe neben der allgemeinen Kostensteigerung auch mit der Pandemie zu tun, erklärte Michael Drechsler, Leiter der Angebotsplanung, im Hürther Verkehrsausschuss. „Wir wissen nicht, wie lange es den Rettungsschirm noch geben wird“, so Drechsler. Außerdem gehe die KVB davon aus, dass sich die Nachfrage erst langsam wieder erholen werde.

Nach dem ursprünglich vorgesehenen Verkehrskonzept würde die Stadtbahn werktags in den Hauptverkehrszeiten (6 bis 10 Uhr und 15 bis 20 Uhr) im Zehnminutentakt fahren, mittags alle 20 Minuten, abends und am Sonntag alle 30 Minuten. Samstags würde die Bahn tagsüber im 15-Minuten-Takt fahren. Die Kosten gibt die KVB mit 1,03 Millionen Euro an – 130.000 Euro mehr als noch vor zwei Jahren. Im Auftrag der Stadt hat die KVB noch Varianten durchgerechnet, bei denen die Stadtbahn sonntags nicht fahren würde. Damit würden bis zu 100.000 Euro im Jahr eingespart.

So begründet die Hürther Verwaltung den Sparvorschlag

Die Verwaltung begründete ihren Sparvorschlag damit, dass auch der Stadtbus, der durch das neue Gleis zum Busbahnhof besser an die Bahn angebunden werden soll, an Sonntagen nicht fahre. Außerdem sei das Einkaufszentrum sonntags geschlossen. Dem schloss sich CDU-Ratsherr Rüdiger Winkler an.

Die Grünen geben allerdings zu bedenken, dass das neue Gleis nicht nur der Verknüpfung von Bahn und Bus diene, sondern die Stadtbahn auch für Fahrgäste aus Hürth-Mitte, Alt-Hürth und Alstädten/Burbach schneller erreichbar mache. „Es wäre ein fatales Zeichen, wenn wir jetzt nicht so planen, dass mit dem Stadtbahnneubau eine wirkliche Verbesserung des ÖPNV in Hürth erreicht wird“, so der Grünen-Stadtverordnete Reinhard Schmitt-Berger. Auch SPD-Ratsherr Michael Kleofasz betonte: „Eine Verlängerung der Stadtbahn ohne Sonntagsverkehr ist für uns nicht denkbar.“

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Die CDU setzte durch, dass der Sonntagsverkehr geplant, aber überprüft werden soll, falls abzusehen sei, dass die Betriebskosten nicht gegenfinanziert werden könnten. Laut Beschluss ist samstags nun ein 20-Minuten-Takt vorgesehen. Christian Karaus (FDP/FWH) übte Kritik daran, dass die KVB bisher keine Prognose zu Fahrgastzahlen und Auswirkungen der Bahn auf den Bus liefere. Karaus: „Die günstigste Variante ist immer noch zu teuer, wenn keiner mitfährt.“

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