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Mit Bierglas verletztHündin Holly gibt Julian Z. aus Kerpen das Selbstbewusstsein zurück

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Das Foto zeigt zwei Menschen mit einem Hund.

Julian Z., Assistenzhund Holly und Trainerin Julia Wurmsee.

Die Kosten von 35.500 Euro für Holly wurden überwiegend aus Spenden finanziert. Ortsansässige Bürger und Vereine halfen dabei.

Zwei grauenvolle Jahre liegen hinter Julian Z. (38) und seiner Familie aus Kerpen-Blatzheim. Dem Berufssoldaten, der in Kriegsgebieten im Nahen Osten, auf dem Balkan und in Afrika stationiert war, widerfuhr ausgerechnet an seinem Heimatort etwas Schreckliches. Wie bereits in dieser Zeitung berichtet, schlug am Karnevalssonntag 2024 ein Gast in der Blatzheimer Mehrzweckhalle mit einem zersplitterten Bierglas mehrfach auf seinen Kopf und Hals ein. Dieser entsetzliche Vorfall hatte zur Folge, dass er seit dem Krankenhausaufenthalt, neben dem Hörverlust auf einer Seite, unter einer posttraumatischen Störung, Depressionen und Angstzuständen leidet.

Spenden finanzieren die Ausbildung der Assistenzhündin

Für seine Frau und die beiden Kinder im Alter von acht und zehn Jahren ist seit dem 11. Februar 2024 nichts mehr, wie es war. Es war der Familie klar, dass Ehemann und Papa in seinem „neuen“ Leben, das aus Therapien und Psychiatrie besteht, Hilfe braucht. Und da wurde der Gedanke geboren, einen „Assistenzhund“ anzuschaffen. Julian Z. recherchierte und entschied sich für den Verein „Rehahunde Deutschland“ mit Sitz in Cammin bei Rostock.

Nach zunächst telefonischen Absprachen erfolgte ein erster Besuch der Familie beim Verein im Dezember 2024. Als sie dann auf die kleine Holly, einen Labrador-Australian-Shepherdmix, ein Jahr und zwei Monate alt, trafen, war ihnen sofort klar, dass sie ihm dabei helfen könnte, sein neues Leben zu meistern. Mit Hilfe eines Online-Spendenaufrufs und der Unterstützung der Bürger und Vereine seines Heimatortes konnten die Kosten von 35.500 Euro für Holly aufgebracht werden.

Kerpen: Holly wurde eigens für Julian Z. ausgebildet

Nun begann Hollys Ausbildung zum Assistenzhund durch Julia Wurmsee (39), die seit fast zehn Jahren Trainerin beim Verein Rehahunde Deutschland ist. „Holly wurde speziell auf die Bedürfnisse von Julian ausgebildet“, erklärt sie. So wurde der Hund gezielt dahingehend trainiert, dass er ein Wiederkehren des Traumas und Panikattacken sofort erkennt. Julian fuhr nun regelmäßig an den Wochenenden zur „Bindungsarbeit“ nach Cammin und wurde im Umgang mit Holly geschult. „Der Abschied tat jedes Mal richtig weh!“, erzählt der 38-Jährige.

Seit Oktober ist die zweijährige Holly nun, zur Freude der Familie, in Blatzheim und begleitet Julian überall hin. So auch zu Aldi in Kerpen-Buir. Der dortige Filialleiter hatte ein Herz für Julian Z., dem die unmittelbare Nähe zu Menschen immense Probleme macht. So darf er dort mit Holly einkaufen, was sonst in Lebensmittelgeschäften nicht gestattet ist. Zutritt hat ein Assistenzhund nur dann, wenn er eine Assistenzhunde-Prüfung abgelegt hat (§ 21AHundV). Das sei jedoch seit dem 1. Juli 2024 aufgrund der Rechtslage aktuell nicht möglich und bedeute eine Diskriminierung der Menschen, die auf einen Assistenzhund angewiesen sind.

Das Foto zeigt einen Hund.

Assistenzhund Holly hilft ihrem Herrchen im Alltag.

Gerade war Trainerin Julia Wurmsee für eine Woche zur Nachbetreuung bei Julian Z. und seiner Holly. „Uns ist wichtig, in Kontakt mit unserem Assistenzhundeteam zu bleiben“. Und so freute sie sich, als sich Holly auch beim Kommando „Safe“ zwischen die Beine seines Herrchens setzte und bei „Tunnel“ zwischen seinen Beinen mitlief. „Wenn man sieht, was die Hunde bewirken, hat man alles richtig gemacht“, sagt sie und strahlt. Julian Z. selbst hat große Fortschritte gemacht. Er ist inzwischen soweit, dass er die Herrensportgruppe des Turnvereins Blatzheim trainiert. „Ich möchte damit dem Ort für die großartige Unterstützung in dieser schweren Zeit etwas zurückgeben.“

Aber natürlich ist noch nicht alles überstanden. Am 19. Februar geht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter weiter. Dann werden die Bilder des Angriffs zurückkehren. Julian Z. ist froh, dann Holly bei sich zu haben.