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Massiver GewinneinbruchLanxess baut über 500 Stellen ab – Großteil in Köln und Leverkusen

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Zentrale des Chemiekonzerns Lanxess in Köln.

Ein Preisverfall auf breiter Front zwingt Lanxess zu weiteren Sparmaßnahmen. 

Nach einem Jahresverlust von 577 Millionen Euro verschärft Lanxess den Sparkurs. 550 Stellen fallen weg, ein Großteil davon in Köln und Leverkusen. Auch die übrige Belegschaft ist betroffen.

„Das Jahr 2025 war für die gesamte Chemieindustrie und auch für Lanxess extrem hart“, hob Lanxess-CEO Matthias Zachert bei der Vorstellung der Jahreszahlen an. Damit war der Grundton für die Präsentation gesetzt. Die Zahlen, die nun folgen, sind allesamt rot. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging knapp 17 Prozent zurück, der Umsatz um fast elf Prozent, die Gewinnspanne schrumpfte von 9,6 auf nurmehr 9 Prozent. Unterm Strich fiel ein Verlust von 577 Millionen Euro an (2024: Minus 177 Millionen Euro).

Die wichtigste Zahl für die Menschen in der Region aber: 550. So viele Stellen will Lanxess bis Ende 2028 streichen. Zwei Drittel davon in Deutschland. Betroffen seien vor allem Jobs in der Verwaltung. Genauere Angaben zu einzelnen Standorten machte das Unternehmen zunächst nicht. Köln und Leverkusen seien aber als größte Verwaltungsstandorte in Deutschland „vornehmlich“ von den Stellenkürzungen betroffen, so Zachert.

35-Stunden-Woche für Tarifangestellte, Nullrunde für alle übrigen

Lanxess hat  angekündigt, den Stellenabbau „möglichst sozialverträglich“ zu gestalten. Die Zahl der Mitarbeiter soll „über natürliche Fluktuation und demografische Effekte erfolgen.“ Zachert verwies auch darauf, dass Lanxess seit seiner Ausgliederung aus der Bayer AG im Jahr 2004 noch nie betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen habe. „Wir haben mit den Gewerkschaften und den Betriebsräten immer gemeinsame Wege gefunden. Wir werden auch diese Krise gemeinsam meistern“, sagte der Lanxess-CEO.

Ohne die Kooperation der Tarifpartner, lässt Zachert durchblicken, wären die Einschnitte bei der Belegschaft sogar noch größer ausgefallen. Denn das Unternehmen hat mit der Arbeitnehmerseite eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 35-Stunden pro Woche vereinbart. Die Gehälter werden entsprechend gesenkt. In Summe verzichten die Mitarbeiter so auf knapp 20 Millionen Euro an Gehalt. Vorläufig gilt diese Vereinbarung bis zum Jahresende. Für außertariflich Beschäftigte hat das Unternehmen zudem eine Nullrunde bei den Fixgehältern angekündigt.

Weitere Einsparungen nötig

Der erneute Einschnitt erweitert die Sparprogramme aus den Vergangenen Jahren. Lanxess hatte 2023 bereits das Maßnahmenpaket „Forward!“ ausgerufen, das mittlerweile jährliche Einsparungen von 150 Millionen Euro bringt. Im August des vergangenen Jahres waren zudem Optimierungen im Produktionssnetzwerk angekündigt worden, die sich mit Kostensenkungen von 50 Millionen Euro jährlich auswirken sollen. Die Effekte des nun angekündigten Personalabbaus beziffert Lanxess auf weitere 100 Millionen Euro.

Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender von Lanxess, stellt die Bilanzzahlen vor (Archivbild)

Lanxess-CEO Matthias Zachert beteuert bei der Bilanzkonferenz, das Management arbeite "mit Herzblut" daran, das Unternehmen gut durch die derzeitige Krise zu steuern.

CEO Zachert wirkt etwas hilflos, wenn er auf den geringen Handelsspielraum des Managements hinweist: „Wir steuern die Dinge, die wir steuern können. Das heißt: weiter Kosten senken, Prozesse verschlanken und neue Marktchancen kreieren.“ Viel gewichtiger sind die Rahmenbedingungen. Und die sind weiterhin schlecht. Lanxess spricht von einer „anhaltend schwache Nachfrage in fast allen Kundenindustrien“ und „anhaltendem Preisdruck aus dem asiatischen Raum“.

„Industrieschwemme aus Asien“

Die „Industrieschwemme aus Asien“ zu „nicht verständlichen Preisen“, so Zachert wörtlich, habe dazu geführt, dass Lanxess seine Preise an vielen Stellen senken musste. Das Unternehmen spricht darüber hinaus mit Blick auf die CO2-Bepreisung und die hohen Energiekosten von „industriebeschädigenden Wettbewerbsbedingungen“ in Europa.

Am stärksten davon betroffen ist das Segment Advanced Intermediates, das industrielle Zwischenprodukte, etwa zum Färben von Lacken und Kunststoffen umfasst. Hier brach der operative Gewinn im vergangenen Jahr um 39 Prozent ein. Ausgerechnet diese traditionseiche Sparte ist besonders stark in Deutschland verankert.

Entsprechend niedrig beziffert Lanxess auch die derzeitige Anlageauslastung. Die habe 2025 im Mittel bei 65 Prozent gelegen, zum Jahresende „noch darunter“, so Zachert. Das sei ein „extrem niedriger“ Wert, verglichen mit den üblichen Auslastungszahlen von 80 bis 85 Prozent. Immerhin: Im März habe Lanxess eine leichte Belebung gesehen. „Die ist auch noch nicht abgerissen mit dem Konflikt im Nahen Osten“, so Zachert.

Keine direkte Beeinträchtigung durch Iran-Krieg

Mit Blick auf die Lage in der Golfregion kann er vorläufige Entwarnung geben. Nur zwei Prozent des Gesamtabsatzes von Lanxess gingen in die Kriegsregion. „Wir machen dort also fast keinen Umsatz“, so Zachert. Auch eine Unterbrechung der Lieferketten sei derzeit nicht absehbar, wohl aber ein negativer Einfluss auf die Rohstoffkosten insgesamt. Anders als beim Ukraine-Krieg, der Europa besonders getroffen habe, seien nun andere Weltregionen stärker von gestörten Lieferketten beeinträchtigt. „In Indien und China werden Kapazitäten massiv herunter gefahren“, sagt Zachert.

Einen Hoffnungsschimmer sieht Lanxess im Infrastrukturpaket der Bundesregierung, das in der zweiten Jahreshälfte wirksam werden soll. Auch die Verschuldung konnte Lanxess im abgelaufenen Jahr senken. Das gelang allerdings nicht aus eigener Ertragsstärke sondern durch den Verkauf der Sparte Urethane Systems. Lanxess hat sich damit vollständig von seinem Kunststoffgeschäft getrennt, das lange Zeit ein Kernbestandteil des Unternehmens war.

Verkauf von Envalior-Anteil verzögert sich

Um die Finanzkraft zu stärken, sind auch für die Zukunft weitere Verkäufe geplant. So soll die Beteiligung am Kunststoffunternehmen Envalior an den Finanzinvestor Advent erfolgen. Geplant war der Verkauf schon für das laufende Jahr. Advent machte wegen Finanzierungsschwierigkeiten kürzlich aber einen Rückzieher. Das hatte für Lanxess neben dem Wegfall von Einnahmen auch eine Verschlechterung des Kreditratings zur Folge. Bei der Agentur Moody's verlor Lanxess Anfang März das Label "Investment-Grade". Das Unternehmen rangiert damit bei seiner Kreditwürdigkeit auf Ramsch-Niveau, wie es im Fachjargon heißt. 

Matthias Zachert unterstrich: „Es kommt beim Verkauf von Envalior nicht auf das ob, sondern auf das wann an.“ Spätestens 2028 werde die Transaktion abgeschlossen sein und der Verkauf Lanxess einen hohen dreistelligen Millionenbetrag verschaffen.

Gerüchte, dass das Unternehmen bis dahin frisches Geld brauche und möglicherweise neue Aktien ausgeben müsse, wies der CEO zurück: „Lanxess verfügt über rund eine halbe Milliarde Euro an Cash und weitere 1,35 Milliarden Euro an Kreditlinien. Das Unternehmen ist langfristig durchfinanziert. Die Frage einer Kapitalerhöhung stellt sich nicht.“

Schwacher Ausblick

Damit das so bleibt hat Lanxess „strikte Kostendisziplin auf allen Ebenen“ ausgerufen. Das meint auch das Management. Wie für Teile der Belegschaft wird auch für die Unternehmensführung das Grundgehalt eingefroren.

Der Ausblick blieb auch angesichts der unsicheren geopolitischen Lage pessimistisch. Für 2026 erwartet Lanxess einen operativen Gewinn in der Spanne von 450 bis 550 Millionen Euro. Das Mittel bei 500 Millionen läge damit nochmals unter dem ohnehin schwachen Ergebnis von 510 Millionen im abgelaufenen Jahr. Die Lanxess-Aktie notierte in Reaktion auf die Zahlen und den Ausblick zeitweise zweistellig im Minus und nähert sich damit weiter den Allzeit-Tiefstständen aus Zeiten der Finanzkrise 2008 an. Seit damals trägt die Kölner Lanxess Arena ihren Namen. „Die Verträge mit dem Betreiber laufen bis Ende 2028 und diese Verträge werden wir erfüllen“, sagte Zachert. Eine Prognose darüber hinaus wagte er an diesem Tag nicht.