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26 Jahre im AmtLonie Lambertz begleitete als Ortsvorsteherin die Umsiedlung Kerpen-Manheims

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Das Foto zeigt eine Frau vor einer dörflichen Kulisse.

Lonie Lambertz war für 26 Jahre Ortsvorsteherin Kerpen-Manheims.

Für Lonie Lambertz ist vor allem das Vereinsleben und die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger entscheidend für den Zusammenhalt im Dorf.

Lonie Lambertz (CDU) war seit 1999 und damit 26 Jahre Ortsvorsteherin Kerpen-Manheims. Im September 2025 gab sie dieses Ehrenamt an Wolfgang Esser ab. Was die 71-Jährige in dieser Zeit erlebt hat und was es aus ihrer Sicht in der Kommunalpolitik braucht, verrät sie im Interview mit Elena Pintus.

Wieso haben Sie sich entschieden, Ortsvorsteherin Manheims zu werden?

Ich engagiere mich schon seit 1982 im Kirchenvorstand und in der Jugendarbeit. Dabei lagen mir die Familien- und Jugendpolitik, die Unterstützung unserer Vereine und die Entwicklung unseres Dorfes immer besonders am Herzen. Als Ortsvorsteherin konnte ich diese Themen noch stärker voranbringen und Manheim als lebenswerten Ort für alle Generationen mitgestalten.

Kerpen: Umsiedlung prägte die ehemalige Ortsvorsteherin

Während Ihrer Zeit als Ortsvorsteherin ist in Manheim viel geschehen. Was waren aus Ihrer Sicht die bedeutendsten Ereignisse in dieser Zeit?

Der größte Einschnitt war die Umsiedlung, deren konkrete Planung 2006 begann und die von 2012 bis 2024 umgesetzt wurde. Gleichzeitig konnten wir wichtige Projekte für das Gemeindeleben realisieren, wie das Bürger- und Gemeindezentrum, ein neues Feuerwehrgerätehaus, die neue Kita, das Jugendzentrum, Sportanlagen und moderne Vereinsheime.

Was hat Sie am meisten bewegt?

Mich hat besonders bewegt, wie eng die Menschen in dieser schwierigen Zeit zusammengerückt sind. Trotz persönlicher Betroffenheit haben viele ehrenamtlich geholfen, Ideen eingebracht, Verantwortung übernommen und das Gemeinwohl im Blick behalten.

Sie haben die Zeit der Umsiedlung begleitet. Was ist Ihnen diesbezüglich besonders in Erinnerung geblieben?

Durch Zeitzeugengespräche, Dorfspaziergänge, Exkursionen in andere Umsiedlungsorte und Info-Veranstaltungen wurden alle Altersgruppen eingebunden. Die intensive Zusammenarbeit mit dem Bürgerbeirat war entscheidend. Gemeinsam haben wir viele Konzepte entwickelt, Alternativen geprüft und stets nach der besten Lösung für die Betroffenen gesucht. Widerspruch gab es auch; das ist menschlich und gehört dazu. Entscheidend ist, ob er zu besseren Lösungen führt. Dieses gemeinsame Ringen um die beste Lösung hat mich sehr geprägt.

Vereine und Nachbarschaft bilden laut Lambertz das Rückgrat Manheims

Kaum etwas bietet wohl so viel Konfliktpotenzial für die dörfliche Identität wie eine Ortsumsiedlung?

Das größte Risiko einer Umsiedlung ist der Verlust des sozialen Zusammenhalts. In Manheim haben wir diesem Trend frühzeitig entgegengewirkt, indem wir mutiges Neuland betraten: Mit dem innovativen Mieterhandlungskonzept und flexiblen Grundstücksoptionen für Familien haben wir berücksichtigt, dass ein Dorf nicht nur aus Hauseigentümern besteht. Diese bewusste Entscheidung, auch Mieterinnen und Mieter zu beteiligen, hat die soziale Mischung bewahrt und die Gemeinschaft gestärkt.

Gemeinschaftsgefühl weiterhin stärken

Was ist aus Ihrer Sicht das Wichtigste, was heute die Manheimer Identität wahrt?

Vereine und nachbarschaftliche Beziehungen bilden das Rückgrat von Manheim. Ein Miteinander auch in schwierigen Momenten: beim Brand eines Wohnhauses 2020 war das ganze Dorf zur Stelle, um anzupacken, zu organisieren und zu helfen. Dieses Miteinander macht unsere Identität aus.

Welche Zukunft wünschen Sie sich für den Ort?

Ich wünsche mir, dass das Gemeinschaftsgefühl allen Bewohnerinnen und Bewohnern Halt gibt – egal ob jung oder alt, alteingesessen oder neu zugezogen.

Warum haben Sie sich entschieden, als Ortsvorsteherin aufzuhören?

Nach über 30 Jahren kommunalpolitischem Engagement ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, Verantwortung an Jüngere zu übergeben. Dass unser neues Dorf seit März 2024 offiziell „Manheim“ heißt und das „-neu“ gestrichen wurde, ist für mich ein guter Abschluss. Ich gehe mit einem guten Gefühl: Wir haben gemeinsam viel erreicht und darauf blicke ich voller Dankbarkeit zurück.

Was macht das Amt des Ortsvorstehers/der Ortsvorsteherin besonders?

Die Nähe zu den Menschen, man kennt die Anliegen vor Ort, hört zu und kann oft auf kurzem Weg gemeinsam mit der Verwaltung Lösungen finden. Das schafft Vertrauen und ermöglicht pragmatische Entscheidungen.

Was braucht dieses Amt und warum ist es so wichtig?

Authentizität, Verlässlichkeit, neutrale Haltung und ein offenes Ohr sind die Grundpfeiler dieses Amtes. Die Menschen müssen spüren, dass ihre Anliegen ernst genommen werden. Gleichzeitig braucht es Mut, auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen. 

Wie hat sich die Arbeit im Ehrenamt in Ihrer Zeit verändert?

In den letzten 30 Jahren ist vieles schneller geworden. Durch soziale Medien läuft Kommunikation oft unmittelbarer, aber manchmal auch ungeduldiger und weniger respektvoll. Viele Menschen stehen immer mehr unter beruflichem und privatem Druck und haben weniger Zeit für langfristiges Engagement. Umso mehr schätze ich jede und jeden, der sich einbringt.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft dieses Ehrenamts? Gibt es genug Menschen, die sich dafür begeistern?

Ich glaube, die Bereitschaft zum Engagement ist nach wie vor da – das sehe ich gerade bei vielen jungen Menschen und in unseren Vereinen. Aber die Rahmenbedingungen haben sich verändert: Die Anforderungen sind gestiegen, die öffentliche Erwartung ist oft sehr hoch, und der Ton in gesellschaftlichen Debatten ist manchmal härter geworden. Dennoch lohnt sich das Engagement: Ein aktiver Ortsvorsteher oder eine aktive Ortsvorsteherin ist der kurze Draht zwischen Bürgerschaft und Rathaus. 

Was braucht es aus Ihrer Sicht in den aktuell politisch wie auch gesellschaftlich unsicheren Zeiten nicht nur in Manheim, sondern in ganz Kerpen oder auch ganz allgemein?

Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich, wie stark eine Gesellschaft wirklich ist: daran, wie wir mit den Schwächeren umgehen, wie wir Kinder stärken, Familien entlasten und älteren Menschen Sicherheit geben. Verantwortungsvolle Politik basiert auf Inhalten, nicht auf Social-Media-Posts. Sie überzeugt nicht durch Lautstärke, sondern durch Verlässlichkeit. Wahre politische Arbeit bedeutet zuzuhören, Brücken zu bauen und Lösungen über Parteigrenzen hinweg zu finden. Nur durch den ehrlichen Austausch unterschiedlicher Ideen entstehen Ergebnisse, die wirklich Bestand haben.