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KiesgrubeLVR plant Archäologischen Kulturlandschaftspark in Kerpen-Manheim-Alt

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Das Foto zeigt die Kiesgrube Forster Feld.

Die Kiesgrube Forster Feld in Manheim-Alt könnte zu einem Archäologiepark, ein Freilichtmuseum, werden. Entsprechende Pläne des Landschaftsverbandes Rheinland wurden jetzt im Kerpener Planungsausschuss vorgestellt.

Das Projekt ist noch nicht endgültig beschlossen, es wurde vom LVR bislang lediglich eine Machbarkeitsstudie angefertigt.

Eine jungsteinzeitliche Hofanlage, eine römische Villa rustica, Rinder- und Schweinehaltung wie anno dazumal und anderes historisches Anschauungsmaterial könnte es einmal im Bereich von Manheim-Alt geben: Wie im Stadtplanungsausschuss bekanntgegeben wurde, plant der Landschaftsverband Rheinland (LVR) auf dem Gebiet der jetzigen Kiesgrube Forster Feld den Bau eines Archäologischen Kulturlandschaftsparks. Besuchern könne so die Entwicklung der Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen in den vergangenen 7500 Jahren in der Region vermittelt werden, heißt es in der Vorlage.

Dazu könnten auf dem 43 Hektar großen Gelände auch epochentypische Vegetationen mit Linden-, Misch, und Eichenwald, Feuchtwiesen und auch ein Bachlauf angelegt werden. Vier Zeitscheiben sollen dargestellt werden: Jungsteinzeit, Eisenzeit, Römische Kaiserzeit und Hochmittelalter.

Ein Freilichtmuseum vom LVR zu bekommen, ist eine Mega-Chance für Kerpen
Thomas Marner, Erster und Technischer Beigeordneter

Das Projekt ist noch nicht endgültig beschlossen, es wurde vom LVR bislang lediglich eine Machbarkeitsstudie angefertigt. Bei der Stadt ist die Begeisterung aber groß: „Ein Freilichtmuseum vom LVR zu bekommen, ist eine Mega-Chance für Kerpen“, sagte Beigeordneter Thomas Marner. Einstimmig beschloss der Ausschuss, das LVR-Projekt zu unterstützen.

Die Kiesgrube Forster Feld liegt östlich der ehemaligen B 477 gleich am Rand des Waldgebietes Steinheide und südlich der Manheimer Kartbahn. In Zukunft wird dort auch die Manheimer Bucht des geplanten Hambach-Sees sein. Die Kiesgrube soll sich topografisch besonders gut für den geplanten Archäologischen Kulturlandschaftspark eignen. Sie wird nur noch bis Ende 2028 betrieben und muss danach ohnehin rekultiviert werden. So biete sich die europaweit einzigartige Möglichkeit, „verschiedene historische Kulturlandschaften“ zu modellieren.

Kerpen: Projekt passe thematisch zum geplanten Kulturpark

Thematisch passe das Projekt zum rund um die Manheimer Kirche geplanten Kulturpark, der gleich in der Nachbarschaft liegen wird. Hier könnte etwa ein Braunkohlebagger ausgestellt werden. Ein Festivalgelände ist geplant. Die alte Kirche soll zu einem Museum oder einem Veranstaltungsort werden.

Für den Kulturpark Manheim-Alt ist die Neuland Hambach GmbH zuständig – eine Gesellschaft, die die Anrainerkommunen des Tagebaus Hambach gemeinsam gegründet haben, um das Tagebaugelände und sein Umfeld nach Ende des Kohleabbaus zu gestalten. Auch hier sind die Planungen noch nicht abgeschlossen. Immer geht es auch darum, inwieweit die einzelnen Projekte durch Strukturwandelmittel des Landes gefördert werden können.

Auch die Stadtverwaltung plant ein touristisches Projekt

Auch die Stadt Kerpen plant unter dem Motto „ZwischenWelten – Alte Pfade mit neuer Energie entdecken“ nun ein eigenes touristisches Projekt für den Bereich rund um Manheim-Alt. So soll das ehemalige Tagebaugebiet zu einem attraktiven Aufenthaltsort werden. Geplant ist etwa ausgehend vom Bahnhof Buir eine Beschilderung hin zum entstehenden „Hambach Loop“ – einem Radweg rund um den zukünftigen See – mit einer Art Eingangstor zum Hambacher Wald und einem Erlebnispfad mit Schaukel-, Rast- und Aussichtsplätzen.

Dafür, so beschloss der Ausschuss, soll ein Förderantrag gestellt werden: Das Projekt würde rund 1,5 Millionen Euro kosten. Fünf Prozent, rund 74.000 Euro, wären der städtische Eigenanteil. Mit „geringem Mitteleinsatz“ könne so ein touristisches Projekt „mit hoher Strahlkraft für die Stadt Kerpen“ entstehen, heißt es.

Vorbehalte gibt es aber nicht nur seitens der Kämmerei, die auf die schwierige Haushaltslage hinweist: Auch Planungsausschussvorsitzender Klaus Ripp (CDU) betont, dass man darauf achten werde, die Stadt finanziell nicht über Gebühr zu belasten. „Die Stadt kann keine großen Sprünge machen“, sagt er. So müsse etwa geklärt werden, wer die Wartungskosten für einen möglicherweise als Museumsobjekt ausgestellten Kohlebagger übernehmen solle. Annika Effertz von den Grünen forderte, dass die Pläne etwa für den Archäologiepark nicht die geplante Vernetzung der Wälder Hambacher Forst und Steinheide verhindern dürfe.

Auch der frühere Technische Beigeordnete Joachim Schwister meldete sich nach der Sitzung zu Wort: Er forderte eine Bürgerinfo-Veranstaltung zu den Planungen. Die Bürger müssten mehr einbezogen werden und Mitspracherechte haben. Grundsätzlich gibt es aber eine breite Zustimmung innerhalb der Stadt: Die Pläne des LVR seien „supertoll“, so etwa Susanne Harke-Schmidt vom Heimatverein. Die Landtagsabgeordnete Antje Grothus lobte, dass nun eine Entwicklung in Richtung „sanfter Tourismus“ geplant sei.