Abo

SprachbarriereProzess um Messerstecherei vor dem Kerpener Amtsgericht wird neu aufgerollt

2 min
Das Foto zeigt einen abgesperrten Tatort.

In Kerpen am Amtsgericht sind Personen im Mai 2025 in Streit geraten. Auf der Straße vor dem Gericht ist ein 42 Jahre alter Mann mit einem Messer verletzt worden.

Der Prozess startet im September dieses Jahres erneut. Dann soll ein anderer Übersetzer helfen, den Fall zu klären.

Schon einmal wurde der Auftakttermin für einen Prozess gegen einen heute 40-Jährigen verschoben, der seinen Bekannten vor dem Amtsgericht Kerpen mit einem Messer verletzt haben soll. Nun heißt es erneut warten: Wegen eines Problems bei der Übersetzung konnte der mutmaßlich Geschädigte am neuen Verhandlungstermin nicht abschließend vernommen werden. Angeklagt ist sein 40-jähriger Bekannter laut Staatsanwalt wegen einer „körperlichen Misshandlung mit einem gefährlichen Werkzeug“.

Am 19. Mai 2025 sollen sich der Geschädigte, der als Pizzabäcker arbeitet, und ein weiterer Bekannter im Gerichtsgebäude oder davor gestritten haben. Details über den Ort wurden an diesem Tag nicht abschließend geklärt. Denn die Übersetzerin sprach zwar Persisch, aber nicht den iranischen Farsi-Dialekt. So kam es dazu, dass die Aussagen des Geschädigten sich teils widersprachen, kaum Bezug auf die Fragen des Richters nahmen oder keinen Sinn ergaben.

Kerpen: Messer aus dem Auto genommen

Nur bruchstückhaft waren erste Fragmente des Vorfalls zu rekonstruieren. So seien Beteiligte des Streits – so sagte der heute 43-jährige Geschädigte teils auf Deutsch, teils mit der Hilfe der Übersetzerin – zu einem Gerichtstermin als Zeugen geladen gewesen. Im Bereich der geparkten Autos vor dem Gericht sei es dann zu der Eskalation inklusive vier Messerstichen gekommen, wovon einer den Geschädigten in die Brust traf. 

Zugestochen habe jedoch nicht der Bekannte, mit dem sich der Geschädigte gestritten habe, sondern ein weiterer Bekannter der beiden, der nun auf der Anklagebank saß. Warum er dies tat, blieb ungeklärt. Zu Beginn der Verhandlung ließ der heute 40-Jährige (zum Tatzeitpunkt 39 Jahre alt) durch seinen Anwalt verlesen, der Geschädigte sei auf dem Parkplatz schimpfend auf ihn zugerannt. Der Angeklagte, der im Sicherheitsgewerbe arbeitete, habe verängstigt nach einem Messer gegriffen, das im Auto gelegen habe. Nachdem der Geschädigte ihm auf den Kopf geschlagen habe, habe er sich mit dem Messer verteidigt. 

Zu diesen Aussagen konnte der Geschädigte keine Stellung beziehen, da der Richter die Vernehmung aufgrund der Sprachbarriere zwischen ihm und der Übersetzerin abbrach. Allerdings berichtete der Anwalt des Angeklagten, es sei bereits zu einem Täter-Opfer-Ausgleich von 5000 Euro gekommen. Der Angeklagte gab an, seine Tat zutiefst zu bedauern. Trotz eines Kontaktverbots habe man sich mehr oder weniger versöhnt.

Der Fall wird nun mit einem anderen Übersetzer in Kerpen neu aufgerollt. Der erste Termin der Verhandlung ist am 24. September 2026 um 9 Uhr.