Kohleausstieg als GemeinschaftsprojektBürger können online eigene Ideen einbringen

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Der Merzenicher Bürgermeister Georg Gelhausen zeigt das Modell des „geschenkten Dorfes" – Morschenich- Alt. Architekturstudenten haben es entworfen.

Der Merzenicher Bürgermeister Georg Gelhausen zeigt das Modell des „geschenkten Dorfes" – Morschenich- Alt. Architekturstudenten haben es entworfen.

Kerpen/Merzenich – „Die Demokratie lebt von der Beteiligung vieler Menschen, die sich aktiv mit ihren Meinungen und Vorstellungen in die Entscheidungsprozesse einbringen“, erklärte am Freitagnachmittag Professor Andreas Meyer-Falcke vom Landesministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie.

Zusammen mit dem Merzenicher Bürgermeister Georg Gelhausen, Professor Dr. Ulrich Schurr vom Forschungszentrum Jülich, Sophie Kreutner von der Stabsstelle Strukturwandel in Kerpen sowie Christian Wirtz von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier war er nach Merzenich ins Bürgerhaus gekommen. Gemeinsam stellte die Delegation das neue Bürgerbeteiligungsportal „beteiligung.nrw.de“ vor.

Eigene Ideen einbringen

Öffnet sich die Internetseite, muss nur noch der Button „Beteiligungen“ angeklickt werden, und direkt können sich die Bürgerinnen und Bürger über die Projekte informieren und sich nach der Anmeldung auch mit eigenen Ideen in die anstehenden Entscheidungen zur Entwicklung der Region nach dem Kohleausstieg einbringen.

Aus Sachsen hatte Meyer-Falcke das Beteiligungsportal mit nach Nordrhein-Westfalen gebracht. Denn die Gemeinde Merzenich und die Kolpingstadt Kerpen sind nach den Beschlüssen der Kohlekommission Modellkommunen. Daher ist das Beteiligungsportal schon jetzt an den Start gegangen. Allen anderen Landesbehörden und Kommunen in Nordrhein-Westfalen soll es spätestens bis Mitte des Jahres kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Blick auf das „geschenkte Dorf – Morschenich-Alt“

In seiner Ansprache widmete sich Gelhausen vorrangig dem „geschenkten Dorf – Morschenich-Alt“. Obwohl bereits ein Großteil der Bewohner nach Morschenich-Neu umgesiedelt und der Ort längst ins Eigentum des Energieunternehmens RWE übergegangen ist, wird Morschenich-Alt gemäß Kohlekompromiss nicht weggebaggert. „Es wird unser Dorf der Zukunft“, erklärte Gelhausen.

Einen Eindruck von Morschenich-Alt vermittelte ein Modell, das die Delegation mitgebracht hatte. Architekturstudenten haben es gefertigt. Es basiert auf der alten gewachsene Ortschaft. „Es beruht auf der aktuellen Dorflagenbebauung“, sagte dazu Professor Schurr und wies besonders auf den Vierkanthof am Ortseingang hin.

Die Anwesenden konnten sich nach dem offiziellen Teil die Masterarbeiten der Architekturstudenten ansehen.

Die Anwesenden konnten sich nach dem offiziellen Teil die Masterarbeiten der Architekturstudenten ansehen.

22 Architekturstudenten hatte er beauftragt, im Rahmen ihrer Masterarbeiten ein Pflanzenforschungsinstitut mit Gewächshäusern und Laboren aus diesem Bauernhof zu entwerfen. Dabei herausgekommen sind teils beeindruckende Visionen. Einige der Entwürfe wurden bei der Veranstaltung auf Stellwänden präsentiert.

„In Kerpen können wir von einem Zukunftsort, wie ihn Merzenich geschenkt bekommen hat, nur träumen“, meinte schließlich Sophie Kreutner. Sie war in Vertretung von Kerpens Bürgermeister Dieter Spürck ins Bürgerhaus der Nachbarkommune gekommen. Ein besonderes Geschenk sei aber auch der Hambacher Wald. Er liegt in Sichtweite von Morschenich-Alt. Und so wie der Ort soll auch der Hambacher Wald erhalten bleiben. Das sieht der Kompromiss zum Kohleausstieg vor.

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Sophie Kreutner sieht ihn auch als „Grüne Linie“ und verbindendes Element zwischen Kerpen im Rhein-Erft-Kreis und Merzenich im Landkreis Düren. In ihrer kurzen Ansprache stellte Kreutner auch die Onlineumfrage zum Thema Waldvernetzung und Waldgesundheit vor, die gerade im Portal gestartet ist.

Wichtig sei der Erhalt des Restwaldes. Möglich seien zum Beispiel Aufforstungen. Alle Bürgerinnen und Bürger rief sie auf, bei der Umfrage, aber auch im Beteiligungsportal im Netz mitzumachen.

Denn so wie das Bürgerprojekt nur gemeinsam mit der Bevölkerung gelingen könne, so ist sie fest davon überzeugt, dass auch der Erhalt des „Hambi“, wie sie das von Aktivisten lange Zeit hart umkämpfte und besetzte Waldgebiet nannte, und die Vernetzung der Restflächen nur gemeinsam gelingen wird.

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