Udo Beißel über die Folgen des extremen Niedrigwassers für den Rhein-Erft-Kreis und die Forderung der Politik, den Rhein zu vertiefen.
WochenkommentarNiedrigwasser im Rhein könnte für den Rhein-Erft-Kreis zum Problem werden

Der Rhein führt extremes Niedrigwasser. (Symbolfoto)
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Wenn der Rhein Niedrigwasser führt, geraten Schiffe ins Stocken, Lieferketten werden teurer, und plötzlich richtet sich der Blick auf einen Fluss, den wir sonst oft als selbstverständlich betrachten. Für die Schifffahrt ist das ein Problem – für den Rhein-Erft-Kreis könnte es eins werden.
Schließlich soll der Tagebau Hambach bei Elsdorf und Kerpen nach dem Kohleausstieg über Jahrzehnte mit Rheinwasser gefüllt und zu einem der größten Seen in Deutschland werden. Mit dem Bau der rund 45 Kilometer langen Rheinwassertransportleitung von Dormagen zum Tagebau wurde erst im März begonnen. Aufgrund des aktuellen Niedrigwassers drängt sich eine Frage auf: Was, wenn solche Trockenphasen künftig zur Regel werden?
Vieles spricht dafür, dass dies durch den Klimawandel wahrscheinlicher wird. Umso fragwürdiger ist die Forderung, den Rhein einfach weiter zu vertiefen. Das mag der Schifffahrt vielleicht kurzfristig helfen, löst aber nicht das eigentliche Problem. Heiße Sommer, geringere Schneemengen in den Alpen und weniger Niederschläge könnten dazu führen, dass Niedrigwasser häufiger auftritt als früher.
Über Jahrzehnte wurden Schiffe größer und schwerer, weil der Rhein als verlässliche Wasserstraße galt. Fraglich ist, wie lange man sich noch auf einen wasserreichen Vater Rhein verlassen kann. Jetzt wäre noch Zeit, das Steuer herumzureißen. Schiffe sollten sich stärker den natürlichen Bedingungen des Flusses anpassen – etwa durch geringeren Tiefgang oder flexiblere Logistikkonzepte. Das wäre vermutlich nachhaltiger, als den Rhein umzubauen.
Der Rhein ist nicht irgendein Fluss – der Rhein ist die wichtigste Wasserstraße in Deutschland. Der Rhein ist aber auch ein natürlicher Fluss, der seine Grenzen hat – und diese Grenzen gilt es zu respektieren. Gerade im Rhein-Erft-Kreis, wo die Zukunft des Tagebaus Hambach eng mit dem Wasser des Rheins verknüpft ist, wäre es klug, heute die richtigen Fragen zu stellen – bevor uns morgen der Fluss die Antworten gibt.