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KraftstoffpreiseUnternehmer im Rhein-Erft-Kreis tanken aus Kostengründen mehr E10

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Zu sehen ist ein Mann vor einem Lkw.

Über 30 Liter Dieselbenzin verbraucht ein 18-Tonner, wie ihn Marc Linde für das Logistikunternehmen Hasenkamp in Frechen fährt.

Gewerbebetriebe werden durch die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise immens belastet. Die Unternehmer blicken mit Sorge in die Zukunft.

Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat so schnell noch nicht die erhoffte Entspannung auf dem Kraftstoffmarkt gebracht. Die wegen des Kriegs in den vergangenen Wochen massiv gestiegenen Spritpreise plagen Handwerker, Pflegedienste und Fuhrunternehmen besonders stark. Sie können nicht auf Bahn oder Bus umsteigen, um ihre Klienten zu bedienen. Erhöhen sie nun ihre Preise? Wie schauen sie in die Zukunft? Hier einige Stimmen.

600 Euro mehr Ausgaben für Sprit binnen zwei Wochen stehen beim Pflegeteam mit Herz aus Bergheim in den Büchern. Inhaberin Diana Arambasic-Wirtz hat 32 Mitarbeitende, davon drei Auszubildende. Mit 13 Kleinwagen fahren sie täglich Touren zwischen 25 und 90 Kilometern. „Die Touren sind effizient geplant, da lässt sich nichts mehr anpassen“, sagt Arambasic-Wirtz. „Wir haben viele Klienten, die pünktlich Insulin oder Tabletten bekommen müssen, auch mehrmals täglich. Man kann nicht die zeitlichen Abstände verändern, nur weil es vielleicht für uns wirtschaftlicher wäre.“

Rhein-Erft-Kreis: Mitarbeitende schauen öfter auf die Tank-App

Die Autos würden jetzt häufiger mit E10 statt E5 betankt, weil das ein paar Cent günstiger sei. Und die Mitarbeitenden schauten noch regelmäßiger auf die Tank-App, um schnell zur Tankstelle zu fahren, wenn der Benzinpreis mal sinke. Arambasic-Wirtz rechnet damit, dass bald auch Hilfsmittel wie Handschuhe oder Schutzmasken teurer werden – und wünscht sich Zuschüsse. Denn bis eventuell höhere Abrechnungstarife genehmigt würden, könne es dauern. „Kleinere Pflegedienste werden eventuell aufgeben müssen“, meint sie.

„Die Stimmung in der Landwirtschaft ist ohnehin schlecht“, sagt Leo Fetten, Landwirt aus Pulheim. Die Steuerrückerstattung auf Dieseltreibstoff, die 2026 wieder von rund 6 auf 21,48 Cent je Liter angehoben wurde, könne nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Im Dezember habe Diesel noch rund 1,50 Euro je Liter gekostet. „Ein Traktor verbraucht pro Arbeitsstunde zwischen 20 und 25 Litern Diesel. Jede Betriebsstunde kostet jetzt 15 bis 20 Euro mehr.“

Noch gravierender wirke sich die Preisexplosion bei Düngern aus; die Einkaufspreise seien um 30 bis 50 Prozent gestiegen. Kostendeckend zu produzieren sei schon vor der Öl- und Düngerkrise kaum noch möglich gewesen, berichtet der Landwirt, zumal wenn in anderen Teilen der Erde sehr gute Ernten eingefahren würden. „Ich bin 66 Jahre alt und froh, dass mein kleiner Betrieb bald ausläuft“, sagt Fetten. Bei Hasenkamp, Logistikspezialist für Kunst- und Kulturgüter mit Hauptsitz in Frechen, fährt die Hälfte der Flotte aus 300 Fahrzeugen elektrisch. Die nicht-elektrischen verbrauchen jährlich rund eine Million Liter Dieseltreibstoff.

„Der gestiegene Dieselpreis wirkt sich kurzfristig nahezu direkt auf unsere Transportkosten aus“, sagt Dr. Thomas Schneider, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens. „Unsere Angebote weisen einen Dieselzuschlag aus, mit dem wir schwankende Treibstoffpreise auszugleichen versuchen und Mehrkosten zumindest teilweise an unsere Kunden weitergeben.“

Beim Logistiker Hasenkamp fährt die Hälfte der Flotte elektrisch

Mittel- und langfristig rechnet er mit höheren Preisen bei Zulieferprodukten, etwa für Verpackungsmaterial und Dienstleistungen. Entspannter kann Schneider auf die Lager schauen: Hasenkamp setzt seit 2005 auf Geothermie und Photovoltaik. „Unsere Depots arbeiten dadurch nahezu energieautark. Das gibt unseren Kunden Planungssicherheit“, sagt er. Die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit führe allerdings dazu, dass Kunden Projekte zeitlich verschöben.

„Wir können die Mehrkosten für Sprit nicht 1:1 weitergeben an die Kunden“, sagt Frank Giesen, Inhaber des Heizungs- und Sanitärbetriebs Giesen in Pulheim und Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Rhein-Erft. Der Markt in seinem Gewerbe sei nicht unumkämpft, außerdem erhöhten viele weitere Kostenfaktoren ohnehin längst die Rechnungen, etwa steigende Kupferpreise, Kfz-Versicherung und Lohnnebenkosten. Manche Betriebe riefen mittlerweile Stundenlöhne von bis zu 100 Euro auf.

Eine Pauschale von 2,70 Euro setzt Giesen angesichts der Spritpreiserhöhungen jetzt mit auf die Rechnungen. Und er hat die Mitarbeitenden gebeten, die acht Fahrzeuge möglichst wenig privat zu nutzen. Die Autos sind nach Feierabend in der Regel bei ihnen zu Hause. Von der Regelung, dass die Tankstellen nur einmal täglich die Preise erhöhen dürfen, hält er nichts. „Das hat alles eher verschlechtert. Es senkt ja keiner tagsüber die Preise.“