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SchutzgebietNiedrigwasser schadet der Natur am Altarm des Rheins bei Bad Honnef

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Ein stark verlandeter Seitenarm des Rheins, im Hintergrund die Grafenwerther Brücke.

Viel Land statt Wasser: Der alte Rheinarm in Bad Honnef, im Hintergrund die Grafenwerther Brücke und der Anleger des Wassersportvereins.

Das Niedrigwasser schadet der Natur am Altarm des Rheins an der Bad Honnefer Insel Grafenwerth. Eine Lösung ist „schwer umsetzbar".

Ist die Insel Grafenwerth in ein paar Jahren keine Insel mehr, sondern Teil des Festlandes? „Mit dem Klimawandel steigt das Risiko einer fortschreitenden Verlandung der Insel Grafenwerth“, heißt es im Klimafolgenanpassungskonzept der Stadt Bad Honnef. Denn der alte Rheinarm östlich von Grafenwerth führt immer weniger Wasser.

Beim Blick in diesen Tagen von der Grafenwerther Brücke auf den Seitenarm des Stroms scheint die Vision nicht mehr so weit weg. Schiffe liegen auf dem Trockenen, die Wasserflächen werden immer weniger. Das Problem tritt schon seit Jahren auf, ist in diesem Jahr aufgrund der sehr langen Trockenheit aber ziemlich extrem.

Wassersportverein Honnef lässt den Rhein am Anleger ausbaggern

Für den Wassersportverein Honnef (WSVH), der sein Bootshaus und die Schiffsanleger seines Jachthafens nördlich der Grafenwerther Brücke hat, ist der Rheinpegel jedoch noch kein großes Problem. „Rudern geht immer“, sagt WSVH-Pressesprecherin Annette Heinemann gegenüber dieser Zeitung. Die Ruderer können bei Niedrigwasser zwar nicht auf dem alten Arm, aber im Strom am Rand des Fahrwassers ihren Sport treiben.

Schwieriger ist es laut Annette Heinemann für die Motorsportler, für die es bei der Wassertiefe enger wird, deren Boote aber noch nicht auf Grund liegen. Zu verdanken ist das dem Umstand, dass der Wassersportverein vor seinen Anlegern regelmäßig den Rhein ausbaggern lässt. Dafür kommt laut Heinemann eigens ein Baggerschiff zum WSVH, der als Verein für die Rechnung aufkommen muss. Genauere Angaben zur Höhe der Kosten wollte die Sprecherin nicht machen. Man müsse als Verein halt seine Sportanlagen in Ordnung halten.

Aber das aktuelle Niedrigwasser ist ein neuer Negativrekord. Auf der Homepage des WSVH ist der bislang niedrigste Pegelstand – maßgeblich für den Verein ist der Pegel Oberwinter – am 22. Oktober 2018 notiert: fünf Zentimeter. An diesem Montagmittag lag der Pegel laut Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz jedoch sogar bei minus einem Zentimeter, mit weiter fallender Tendenz Richtung minus fünf Zentimeter.

Zum Vergleich: Den höchsten Stand haben der Verein und die Vorhersagezentrale am 23. Dezember 1993 beim damaligen „Weihnachtshochwasser“ notiert: 9,39 Meter.

Eine verrostete Kette auf dem trockenen Flussbett, im Hintergrund der Drachenfels.

Das Niedrigwasser macht Relikte sichtbar, hier eine alte Kette.

Kein Problem ist der aktuelle niedrige Pegel für den Aalschokker Aranka. Das denkmalgeschützte Schiff liegt zwar nahe der Grafenwerther Brücke auf dem Trockenen, dank seines flachen Bodens bestehe aber keine Gefahr, bestätigt Günther W. Raths, Vorsitzender des Aranka-Vereins, auf Anfrage. Der Stahlrumpf des 1917 gebauten schwimmenden Denkmals sei vor rund zwei Jahren von einem Schiffsbauexperten begutachtet worden. Vielleicht nutzt der Verein das aktuelle Niedrigwasser noch einmal zu einer äußeren Inspektion.

Der Altarm des Rheins stellt einen „ökologisch wertvollen Naturraum dar“, heißt es im Klimafolgenanpassungskonzept. Vor allem durch seine Flachwasserzonen habe er eine hohe Bedeutung als Laich-, Aufwuchs- und Rückzugsgebiet für zahlreiche Wassertiere. Er sei als Lebensraum als FFH-Gebiet auf europäischer Ebene geschützt.

Der natürliche Wasseraustausch zwischen dem Rhein und dem Altarm sei jedoch stark eingeschränkt. Unter anderem verläuft im südlichen Teil des Seitenarms ein Wall quer durch den Naturraum. Dadurch sinken bei Hitzeperioden und Niedrigwasser die Wasserstände, was zeitweise bis zum Trockenfallen führen könne.

Das Klimakonzept sieht den schrittweisen Rückbau der „technischen Wasserbauanlagen“ vor, da sie den natürlichen Wasserfluss behindern. Ergänzend könne auch die nahe Mündung des Ohbaches in den Rhein renaturiert werden. Ziel sei es, „den ökologischen Zustand des Altarms wiederherzustellen und langfristig zu sichern“.

Ein historisches Schiff mit einem flachen Boden liegt auf Grund.

Liegt auf dem Trockenen: der denkmalgeschützte Aalschokker Aranka.

Unter dem Punkt Zuständigkeit führen die Autoren des Konzepts das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein auf. Der Beitrag zur Klimaanpassung wird als „hoch“ eingeschätzt, beim Punkt Umsetzbarkeit steht „schwer“. Und zum finanziellen Aufwand heißt es: „Kosten nicht abschätzbar“.