Die Stadt Bonn und die Autobahn GmbH stehen seit Monaten im Clinch. Jetzt wurde ein Brief an den Bundesverkehrsminister öffentlich.
„Absurd“Streit um Neubau Bonner Rheinbrücke eskaliert – Stadt sieht gravierende Folgen

Die Bonner Nordbrücke soll neu gebaut werden.
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Nächste Stufe im Streit um die Neubaupläne zur Bonner Nordbrücke. Bereits seit Wochen ringen die Stadt Bonn und die Autobahn GmbH um das Großprojekt über dem Rhein. Neubau oder Sanierung und Ausbau, die Ansichten gehen teils weit auseinander. Der LVR forderte sogar einen Denkmalschutz für die Rheinbrücke.
Für Aufregung sorgt aktuell eine aus Sicht der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises „überraschende“ Mitteilung der Autobahn GmbH. Demnach sei man nach fachlicher und juristischer Prüfung zu der Ansicht gelangt, dass „eine Verbreiterung der Betriebswege des Ersatzneubaus weder in das Planverfahren noch in Bau oder Unterhaltung integriert werden könne“, zitiert die Stadt Bonn die Autobahn GmbH.
Autobahn GmbH lehnt Pläne ab – Stadt Bonn sieht gravierende Folgen
Die Stadt Bonn hatte in der Vergangenheit gefordert, die ohnehin geplante Verbreiterung der Betriebswege auf drei Meter, um einen Fuß- und Radweg zu ergänzen. Laut Angaben der Stadt hatte die Autobahn GmbH bislang noch die Haltung vertreten, dass die Ergänzung grundsätzlich möglich sei, solange die Kosten durch die Stadt Bonn übernommen werden.
Wegen der neuen Ablehnung des Fuß- und Radverkehrs haben sich Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner und Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Sebastian Schuster, an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder gewandt. Denn die Folge wäre: Der Rhein-Sieg-Kreis und die Stadt Bonn müssten entweder auf die Einrichtung der geplanten überregionalen Radroute verzichten oder eine zweite Brücke nur für den Fuß- und Radverkehr neben der Nordbrücke errichten.
Stadt zur Bonner Nordbrücke: Ablehnung der Fahrradroute „absurd“
„Der Öffentlichkeit würde dies als absurd und nicht nachvollziehbar erscheinen. Der Bau zweier unabhängiger Brücken würde zu deutlich höheren Kosten für die Allgemeinheit führen als eine reine Verbreiterung und hätte zudem deutlich umfangreichere Eingriffe in die Umwelt zur Folge“, argumentieren Katja Dörner und Sebastian Schuster.
Bereits jetzt sei die Nordbrücke mit teils mehr als 2000 Radfahrenden täglich stark frequentiert. Mit dem Ausbau einer durchgängigen überregionalen Radroute wolle man die Zahlen noch einmal deutlich steigern und die Bundesautobahnen entlasten.
„Von der Entlastung werden schlussendlich auch die Bundesautobahnen profitieren, weshalb die jetzige Haltung der Autobahn GmbH umso mehr verwundert“, schreiben der Landrat und die Oberbürgermeisterin. „Überschaubare Mehrbreiten eines Autobahnbetriebsweges dürfen nicht an bürokratischen Hürden und technischen Herausforderungen bei Genehmigungsverfahren scheitern!“
Erst im Juli 2025 hatte die Stadt Bonn erklärt, den geplanten Neubau der Nordbrücke und die damit verbundene Erweiterung der Autobahn 565 verhindern zu wollen. Im September soll der Rat über den Vorstoß entscheiden. Die Autobahn GmbH hingegen bezeichnete den Neubau wiederholt als „zwingend erforderlich“.