Aufgrund von strukturellen Schäden am Tragwerk hatte die Autobahn GmbH die Nordbrücke am Mittwoch gesperrt.
„Projekt hat Priorität“Bundesverkehrsminister zur Lage an der Bonner Nordbrücke – Hoffnung auf Freigabe

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (Mitte) nahm sich viel Zeit für Fragen und Antworten.
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Viel sehen konnten der Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und sein Kollege NRW-Landesverkehrsminister Oliver Krischer am frühen Freitagnachmittag nicht. Um sich persönlich ein Bild von der Lage und von der Vollsperrung der Brücke im Bonner Norden (Friedrich-Ebert-Brücke / A565) zu machen, waren sie nach Bonn gekommen.
Von unterhalb der Brücke konnten jedoch auch sie nur die Sperrungen der umliegenden Straßen und Fußwege Richtung Brücke sehen. Allerdings war es ziemlich ruhig für einen Freitagnachmittag so nahe an der an der Brücke, über die sonst fast 100.000 Fahrzeuge täglich fahren. Nicht nur auf der Brücke fuhr nichts. Aus Sicherheitsgründen hatte das Ordnungsamt am Donnerstag mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks die Unterführungen der Nordbrücke im Linksrheinischen hermetisch abgeriegelt. Bauzäunen, Barken und Flatterbändern versperrten Wege und Straßen.
Korrosionsschäden an den Spanngliedern der Brücke – Die den Beton zusammenhalten
Aufgrund von strukturellen Schäden am Tragwerk hatte die Autobahn GmbH die Nordbrücke am Mittwoch gesperrt. Die beiden Geschäftsführer der Autobahn GmbH Dr. Michael Güntner und sein Kollege für die Technik Dirk Brandenburger erklärten den Politikern am Bauzaun den Ernst der Lage.
Güntner betonte: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht – aber Sicherheit geht allem vor.“ Brandburger ging deutlicher auf die Schäden ein – erklärte, dass das Bauwerk länger schon statische Defizite aufweise und deswegen schon im Februar für Lkws ab 7,5 Tonnen gesperrt wurde. „Die Brücke steht unter ständiger Beobachtung“, sagte er. Dabei wurde festgestellt: „Die Risse sind breiter geworden.“ Insbesondere wiesen die sogenannten Spannglieder in der Brücke Korrosionsschäden auf. Und genau diese Spannglieder hielten den Beton der Brücke zusammen.
„Das Bauwerk ist ermüdet und jetzt an einem Punkt angekommen, wo wir keine andere Wahl hatten, als es komplett zu entlasten“, erklärte Brandenburger. Zunächst müssten jetzt die Fachleute ran – Statiker und Ingenieure – sie müssten letztendlich auch entscheiden, ob die Brücke noch einmal ertüchtig werden kann oder dauerhaft gesperrt werden muss.
Politiker setzen Hoffnung darauf, dass die Brücke wieder für Pkw genutzt werden kann
Doch an ein solches Szenario möchten weder Bundesminister Patrick Schnieder noch der Landesminister noch irgendein anderer Politiker denken. Aktuell setzen sie alle Hoffnungen auf die Ingenieurskunst – und, dass schon in zwei Wochen die Ergebnisse der statischen Prüfungen vorliegen und danach wenigstens wieder Fußgängern, Radfahrer und vielleicht - wenn auch nur einspurig auch wieder Pkws über die Nordbrücke fahren dürfen.
Verkehrsminister Schnieder erzählte vom Lenkungskreis, den er bereits am Tag nach der Brückensperrung eingerichtet hatte. Alle relevanten Akteure säßen dort an einem Tisch. „Der Bund wird alles tun, was möglich ist, um die Situation in Bonn zu verbessern – und zwar schnell“, versprach Schnieder. Und: „In der Bundesregierung hat das Projekt absolute Priorität.“
Er wisse auch von der Wichtigkeit dieser Brücke. „Doch Sicherheit hat alleroberste Priorität“, betonte er. „Ausdrücklich betonte Schnieder auch: „Um die Finanzierung müssten sich keine Sorgen gemacht werden. „Dafür stehen uns Mittel sogar für die nächsten Jahre zur Verfügung.“
Wir können nämlich auch schnell.
Jetzt gelte es, alle Beschleunigungsmaßnahmen zu nutzen. „Wir können nämlich auch schnell“, sagte Schnieder. „Und es muss einfach auch der Anspruch sein, so schnell wie möglich eine Befahrbarkeit der Brücke zu schaffen und die Belastungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.“
NRW-Minister Krischer sprach die gravierenden Folgen der Brückensperrung an, die jetzt so ja noch gar nicht absehbar seien. Und einmal mehr betonte er: „Unser Ziel muss sein, die Auswirkungen für die Menschen in der Region so gut wie möglich abzumildern.
Bonns Oberbürgermeister Guido Déus wurde diesbezüglich bereits konkreter – sprach zum Beispiel eine schneller Bauumsetzung von P&R Plätzen an – mehr ÖPNV und über Überlegungen, die B56 und B9 leistungsstärker zu machen. Bei der Kennedy-Brücke könne er sich die Aufhebung der Aufteilung vorstellen, damit auch Busse über die Brücke fahren könnten. Landrat Sebastian Schuster erklärte, dass diese Sperrung eine Katastrophe sei für den Rhein-Sieg-Kreis, für Bonn und die Menschen in der ganzen Region - die Pendler, die Dienstleister und auch die Handwerker.
BUND spricht sich für kostenfreies Angebot im ÖPNV während der Sperrung aus
Es gelte, den Verkehrsfluss „soweit als möglich von individuellen Pkw-Fahrten zu entlasten“, erklärte am Freitag der BUND-Kreisgruppen -Sprecher Achim Baumgartner. Dafür, so Baumgartner in einer Mitteilung, „lohnt es insbesondere, den ÖPNV in der Region in der Zeit der Sperrung kostenfrei anzubieten“. Seiner Einschätzung nach könnte das Bundesverkehrsministerium dafür die Mittel zur Verfügung stellen. Daneben sollten Mitfahrangebote und Carsharing gezielt verstärkt werden.
Fahrrad- und Busspuren seien jetzt mehr denn je gefragt, erklärte Baumgartner. Bei der anstehenden Prüfung der Brücke sollte eigenständig eine Belastung nur mit Fahrrad- und Fußverkehr untersucht werden: Sollte die Brücke wenigstens für Fahrräder passierbar bleibe, erleichtere das so manchem den Umstieg, der heute noch mit dem Auto unterwegs sei.
Keine „Hau-Ruck-Lösung“
Für den ohnehin geplanten Neubau der Nordbrücke brauche es jetzt keine „Hau-Ruck-Lösung“ für eine gesetzliche Baubeschleunigung, sagte Baumgartner. Vielmehr sei eine schnelle Konfliktlösung vor Ort gefragt. Die bisherige Planung der neuen Brücke habe „mit ihren enormen Eingriffen und Abriss von Wohnhäusern nicht überzeugt“. Allerdings stehe nun auch die Planungsgrundlage – während der Bauphase den Verkehr über die Bestandsbrücke zu führen – ohnehin in Zweifel.
Die Versuche, das aktuelle Verkehrschaos zu lösen, dürften nicht auf Kosten von Bussen, Bahnen und Radverkehr gehen, mahnte der ADFC-Vorsitzende Peter Lorscheid: Busse und Bahnen müssten Pendler aufnehmen, der Fahrradverkehr müsse deutlich mehr Verkehrslast übernehmen. Wenn nicht Tausende aus den umliegenden Kommunen aufs Fahrrad umstiegen, werde „der Verkehr nicht ins Fließen kommen“. Bus- und Radspuren dürften jetzt nicht dem Autoverkehr geopfert werden.
„Es muss jetzt darum gehen, die Anzahl der in die Stadt fahrenden Autos zu reduzieren, um überhaupt noch einen fließenden Verkehr in Bonn zu ermöglichen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher des ADFC, Wolfgang Utehs. Dazu fordert der ADFC die Einrichtung von P&R an der Bonner Peripherie, um Pendler mit Shuttle Bussen nach Bonn zu bringen.
Auch der Bonner Bundestagsabgeordnete Hendrick Streeck und Landtagsmitglied Nathanael Liminski (beide CDU) äußerten sich am Freitag nach dem Ortstermin mit Minister Patrick Schnieder. „Wir brauchen jetzt schnelle, pragmatische Entscheidungen“, sagte Streeck. „Dabei setzen wir uns dafür ein, dass es keine Denkverbote gibt und sowohl was die Finanzierung als auch die Umsetzung angeht, kreative Lösungen gefunden werden.“ Der Termin habe gezeigt, dass die Nordbrücke „auf allen Ebenen höchste Priorität“ habe, erklärte Liminski. „Bund, Land und Stadt arbeiten seit der ersten Stunde eng zusammen – genau dieser Schulterschluss ist jetzt entscheidend.“
