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BundesförderungWie die Kindertagesstätte Merlin in Königswinter auf den Klimawandel reagiert

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Eine Gruppe Kinder neben ihrer Kindertagesstätte.

Finden die Baustelle ganz spannend: Einige in Kinder der Kita Merlin mit ihren Betreuerinnen.

Die Kindertagesstätte Merlin hat viel Geld in ihre Einrichtung investiert, um sie fit für den Klimawandel zu machen. Im Sommer war es in den Räumen teils extrem heiß. 

Wenn in den vergangenen Jahren während der Hitzesommer die Menschen über Temperaturen von 35 Grad und mehr klagten, dann traf es die 44 Kinder und die Mitarbeiter der Kindertagesstätte Merlin in Niederdollendorf noch deutlich härter. Um drei bis fünf Grad sei die Temperatur an solchen Tagen im Gebäude höher gewesen als im Freien, berichtete vor Kurzem der Königswinterer Architekt Maximilian Speen.

Ein pyramidenförmiges Glasdach über der zentralen „Piazza“ des eingeschossigen Gebäudes habe wie ein Brennglas gewirkt, nannte der Fachmann einen Grund für die schier unerträgliche Hitze im Innern. Die schwarzen Dachziegel waren ein zweiter. Als der Bau im Jahr 2000 errichtet worden war, waren Hitzetage und Klimawandel offenbar noch nicht ganz so präsent wie heute.

Elterninitiative der Kita Merlin erhielt fast 500.000 Euro vom Bund

Die Elterninitiative, die den Kindergarten Merlin trägt und die Eigentümerin des Gebäudes an der Straße Im Rheingarten ist, nahm das Projekt Klimaresilienz und Klimafolgenanpassung in Angriff. Und sie hatte tatsächlich mit einem Förderantrag beim Bundesumweltministerium Erfolg. Ihr Konzept wurde im August 2024 anerkannt, die Eltern konnten auf eine Förderung von fast 500.000 Euro bauen.

Seit einigen Monaten leben die Kinder quasi auf einer Baustelle, finden die Bagger aber sehr spannend und können künftig auf ein erträglicheres Raumklima und mehr Schatten im Freien bauen. Den Titel „Grünraum+“ trägt das Großprojekt.

Finanzierung des Eigenanteils für die Initiative eine Herausforderung

Glück hatte die Initiative, dass sie mit Maximilian Speen einen Architekten im Vorstand hat. Er übernahm ehrenamtlich die Vorplanung und ersparte der Initiative damit schon mal mehrere tausend Euro, wie der Vorsitzende Max Wessendorf betonte. Denn durch den zehnprozentigen Eigenanteil, den die Eltern aufbringen mussten, sei die Finanzierung trotz der Förderung des Bundes durchaus „herausfordernd“ gewesen, sagte Wessendorf.

Ein Baustein des Projekts, das Speens Unternehmen Bureau für Baukunst umsetzte, ist eine Pergola als „Grüne Raumschicht“. Sie trägt zur Kühlung des gesamten Gebäudes bei, das viele Glasflächen auf der Südseite hat. Im Freien entstehen dadurch mehr Spielflächen im Schatten, und weil im Winter das Blattwerk fehlt, lässt sie immer noch genug Sonnenlicht in das Haus.

Im Bereich des Eingangs ließ die Elterninitiative ein Teil der Fläche entsiegeln, was auch bei Starkregen für Entspannung in dem leicht abschüssigen Zugangsbereich sorgt. Für deutliche Abkühlung soll das bepflanzte Dach sorgen, Rasen und Blumen wachsen dort, wo vorher schwarze Dachziegel lagen.

„Das Gründach hat künftig die Aufgabe, die darunter liegenden Gruppenräume vor Hitze zu schützen“, schreibt Speen auf der Homepage der Kita Merlin. „Tagsüber nehmen die Pflanzen die Sonnenwärme auf und geben sie nur verzögert oder gar nicht an den darunterliegenden Raum weiter. Außerdem entsteht dadurch auf der großen Dachfläche ein Verdunstungseffekt, der zusätzlich die Umgebungsluft abkühlt.“

Zwei Frauen und zwei Männer vor einer Tafel mit Plänen und Fotos.

Maximilian Speen (r.) stellte Bürgermeisterin Heike Jüngling das Projekt vor.

In einer „Nacht- und Nebelaktion“ habe ein Baukran eines neues Oberlicht auf das Gebäude gesetzt, das jetzt nur noch auf der Nordseite Glasflächen aufweist. Im Außengelände wurde nach Angaben der Initiative ein Kräuterbeet hergerichtet, das bei Starkregen auch größere Regenmengen aufnehmen kann. In einem neuen „Kindergarten“ können die Merlin-Kinder künftig spielerisch das Gärtnern lernen.

Auf den Außenspielflächen pflanzten die Eltern Dachplatanen und Schnurbaum, deren Kronen sich zusammenschlingen und für weiteren Schatten sorgen sollen. Teilbereiche im Außengelände wurde aber bewusst nicht entsiegelt, damit die Pänz weiter ihre Bobbycars und „Trecker“ nutzen können. Laut Mitteilung der Stadt bleibt auch der um das Gebäude laufende Weg bestehen, um die Barrierefreiheit für Rollstühle und Rollatoren weiter sicherzustellen.

Zentraler Raum wegen der großen Hitze zeitweise nicht nutzbar

„Die Maßnahme“, so heißt es bei der Stadtverwaltung, „verbindet damit ökologische Aufwertung, hohe Nutzbarkeit und ein klares Bekenntnis zu Inklusion und der Einbindung älterer Generationen.“ Im zentralen Raum unter der pyramidenförmigen Glaskuppel staute sich die Hitze nach Angaben der Stadt übrigens zeitweise derart, dass „der Raum in den Sommermonaten zeitweise nicht mehr nutzbar war.“

Das Mittagessen habe die Kita in die einzelnen Gruppenräume verlegen müssen. Und da man aus Sicherheitsgründen nachts die Fenster nicht geöffnet lassen konnte, herrschten schon morgens um 7 Uhr Temperaturen von bis zu 28 Grad.

Königswinters Bürgermeisterin Heike Jüngling hatte zum ersten Mal noch als Sozialdezernentin von den Plänen der Eltern gehört. „Ganz schön groß“ sei das Ganze, habe sie damals gedacht. Jetzt zeigte sie sich bei einem Besuch der Kita Merlin „tief beeindruckt“ vom Ergebnis.