Bei der Modernisierung bleibt die Fußgängerunterührung am Bahnhof Niederdollendorf erhalten. Feinabstimmungen gibt es noch beim Bahnhof Königswinter
ModernisierungTunnel für Fußgänger am Bahnhof Niederdollendorf bleibt trotz Umbau erhalten

Ein Fall für die Modernisierung: der denkmalgeschützte Bahnhof in Königswinter-Niederdollendorf.
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Die Fußgängerunterführung am Bahnhof Niederdollendorf wird doch nicht geschlossen. Das teilte Anya Geider, Leiterin des Geschäftsbereichs Planen und Bauen der Stadt Königswinter, jüngst auf Anfrage der CDU im Ausschuss für Stadtentwicklung mit. Der Tunnel werde im Zuge des barrierefreien Umbaus des Bahnhofes „nicht verfüllt“. Das sei auch in der Genehmigung der Pläne des Eisenbahnbundesamtes so dokumentiert.
Im September 2024 war die Idee bekannt geworden, die Unterführung zu schließen. „Aus Sicht der Verwaltung ist die Personenunterführung zwingend zu erhalten“, hieß es schon damals vonseiten der Stadt Königswinter. An den Schranken am Bahnübergang vor dem Bahnhof (Heisterbacher Straße) sind wegen der dichten Taktung der Bahnen mitunter lange Wartezeiten nötig.
Seinerzeit gab es auch Überlegungen, dass die Stadt das Bauwerk übernimmt, saniert und unterhält. Das scheint aber ebenso aus der Welt zu sein. Wie hoch die Kosten für eine Sanierung wären, konnte Anya Geider nicht sagen, da die Bahn Eigentümerin sei. Für die Unterhaltung der Personenunterführung waren vorsorglich 12.000 Euro jährlich in den städtischen Haushalt eingeplant worden.
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Vier Bahnhöfe in Königswinter und Bad Honnef barrierefrei
Die Deutsche Bahn will während der sechsmonatigen Vollsperrung der rechtsrheinischen Bahntrasse von Juli bis Dezember 2026 unter anderem die Bahnhöfe im Siebengebirge modernisieren beziehungsweise den in Bad Honnef sogar neu bauen. Alle Bahnhöfe sollen barrierefrei erreichbar werden. In Königswinter selbst soll das durch Aufzüge passieren, in Rhöndorf durch einen neuen Tunnel und ebenfalls über Aufzüge.
Für den Bahnhof Königswinter sind jedoch – so steht es in einer neuen Sitzungsvorlage für den Bau- und Verkehrsausschuss am 3. Februar – noch Feinabstimmungen nötig. Es habe sich gezeigt, dass wegen des Erhalts des denkmalgeschützten Vordaches des Gebäudes noch weitere Gespräche zwischen dem Denkmalschutz und der Deutschen Bahn notwendig seien. Unter anderem müssten die Lage des Aufzugs und eine andere Rampenausführung als zunächst geplant umgesetzt werden.
In Niederdollendorf soll der sogenannte Hausbahnsteig (Gleis 1) auf 220 Metern Länge auf eine Höhe von 76 Zentimetern angehoben werden. Im Bereich des Bahnsteigdaches soll der Bahnsteig 3,50 Meter breit sein, ansonsten 2,75. Ein neuer Außenbahnsteig (Gleis 2) soll ebenfalls 220 Meter lang werden und auch auf eine Höhe von 76 Zentimetern über Schienenoberkante gebaut werden.
Die barrierefreie Erschließung soll hier von der Königsstraße aus erfolgen. Im Fußgängertunnel soll demnach nur der Zugang zum Mittelbahnsteig geschlossen werden. Der am 11. Juli 1870 eröffnete und 1897/1898 erweiterte Bahnhof steht unter Denkmalschutz. Für das Bahnsteigdach sei eine denkmalgerechte Modernisierung und Instandsetzung vorgesehen, so die Stadt; die historischen Stützen gehörten zum Denkmal.

Nur der Zugang zum Mittelbahnsteig in der Unterführung am Bahnhof Niederdollendorf wird geschlossen, der Tunnel selbst bleibt bestehen.
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Die Bahnhöfe in Königswinter und Bad Honnef werden auch in der aktuellen Ausstellung „Rasant im Siebengebirge – Mobilität und Verkehr rund um den Drachenfels“ aufgegriffen, die im Siebengebirgsmuseum (Kellerstraße 16) zu sehen ist. Die von Kunsthistorikerin Katrin Heitmann kuratierte Ausstellung belegt unter anderem anhand eines Fotos von Ende der 1920er Jahre, dass der Bahnhof Rhöndorf und sein Vorplatz schon damals ein Verkehrsknotenpunkt waren, was heute wohl eher unter dem Begriff Mobilitätsstation firmieren würde.
Neben dem Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1876 (es wurde laut Heitmann in den 1980er Jahren für den Bau der Bundesstraße 42 abgerissen) und dem Stellwerk sind im Vordergrund die Haltestelle der Siebengebirgsbahn (heute Stadtbahnlinie 66) und ein Wartehäuschen aus Wellblech zu sehen. Damals naturgemäß noch nicht Teil des Knotenpunktes sind die vor einigen Jahren auf den Flächen nördlich des heutigen Busrondells geschaffenen P&R-Plätze für Pendler.
„Bahnhöfe wurden im 19. Jahrhundert meist mit repräsentativen Empfangsgebäuden errichtet, die mit Wartesälen für die verschiedenen Klassen und Diensträumen für das Personal ausgestattet waren“, schreibt Katrin Heitmann in der Ausstellung des Siebengebirgsmuseums. „Hier konnten Gepäck aufgegeben und Fahrkarten gekauft werden. Außerdem hatten sie meist auch ein gastronomisches Angebot.“
Von dieser einst edlen Ausstattung zeugen in den Siebengebirgsstädten heute nur noch die Bahnhöfe Niederdollendorf und Königswinter. Der Bahnhof Bad Honnef ist sogar derart runtergekommen und von einer Barrierefreiheit entfernt, dass ein komplett neuer Haltepunkt in Höhe des Parkplatzes an der Endhaltestelle der Linie 66 gebaut werden soll. In Bad Honnef gilt er als „Jahrhundertprojekt“.


