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Sankt AugustinZahl der Corona-Infizierten in Flüchtlingsheim steigt auf 130

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Die betroffene Flüchtlingskunterkunft in Sankt Augustin

Sankt Augustin – Zum ersten Mal gibt es offenbar einen großen Corona-Ausbruch in einem Flüchtlingsheim in Nordrhein-Westfalen: Bis zum Sonntagnachmittag hatten die Tests nach Angaben von Sankt Augustins Sozialdezernten Ali Dogan schon bei 116 Bewohnern der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) eine Corona-Infektion bestätigt. „Wir haben am Donnerstag, Freitag und Sonntag alle getestet, die erreichbar waren“, erklärte der Dezernent. Laut Dirk Schneemann, Sprecher der Bezirksregierung in Köln, wurden bislang rund 300 Menschen getestet. Nach aktuellen Ergebnissen sind nun 130 Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

Viele getestete Bewohner der Flüchtlingsunterkunft des Bundes seien bereits über das Resultat der Untersuchung im Bilde, so Schneemann; diese mussten in einen gesonderten Trakt des Gebäudes umziehen. „Den positiv Getesteten geht es gut“, betonte der Sprecher.

Sankt Augustin: Viele Infizierte zeigen keine oder nur schwache Symptome

Viele der Infizierten zeigten keine oder nur schwache Symptome. Laut Schneemann sind viele junge Menschen und auch Familien unter den bestätigten Infektionsfällen. 60 Personen mit einem negativen Testergebnis wurden aus Sankt Augustin ausquartiert, zum Teil in eine Bonner Jugendherberge, zum Teil in die ZUE nach Schleiden. Dort, so die Bezirksregierung, müssten sie die Quarantäne hinter sich bringen.

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Die städtischen Verfügungen wurden am Sonntagnachmittag ausgehändigt, Sozialbetreuer und auf Wunsch auch muttersprachliche Übersetzer vermittelten die Informationen.

Betreiber der Sankt Augustiner Unterkunft will „sofort reagiert“ haben

Nach Bekanntwerden des ersten Falles am Donnerstag habe der Betreiber „sofort reagiert“, betonte am Sonntag Lutz Hahn, Sprecher der ORS Deutschland GmbH. „Die Infektion kam über einen Bewohner ins Haus.“ Schutzkonzepte und Aufklärung darüber habe es zuvor gegeben, „was Corona überhaupt ist“. Das Unternehmen habe zudem Erklärvideos in elf Sprachen gedreht und zur Verfügung gestellt.

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„Das ist ja kein Gefängnis“, antwortete Hahn auf die Frage, ob er diese Maßnahmen für ausreichend halte. Vorsorgliche Tests seien nicht geplant gewesen. „Man macht keine prophylaktischen Tests.“ Am Donnerstag hatte es ein erstes positives Testergebnis gegeben, daraufhin war die Unterkunft, die ehemalige Medienzentrale der Bundeswehr im Stadtteil Niederpleis, unter Quarantäne gestellt und Tests für alle fast 500 Bewohner, aber auch für das Betreuungs- und Sicherheitspersonal sowie die Reinigungskräfte angeordnet worden.

„Wir haben mehrmals gefordert, diese Heime durchzutesten“, sagte der Grüne Landtagsabgeordnete Horst Becker (Lohmar) am Sonntag. „Es zeigt sich jetzt, dass das viel zu spät passiert ist.“

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