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Jost Hurler GruppeHuma-Eigentümer will beim Hochschulkarree in Sankt Augustin einsteigen

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Studentenwohnheime der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin.

Studentenwohnheime der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin.

Die Jost Hurler Gruppe zeigt Interesse am unbebauten Areal zwischen Huma und Hochschule.  

Eine völlig unerwartete Entwicklung zeichnet sich für das brachliegende Gelände zwischen Hochschule und Huma ab. Die Jost Hurler Gruppe, die auch das Huma betreibt, könnte sich vorstellen, dort studentisches Wohnen zu realisieren. „Ja, wir haben Interesse an dem Projekt“, so Dr. Maximiliam Gutsche auf Nachfrage der Redaktion. Der Geschäftsführer von Jost Hurler hat der Stadt sogar schon in einem Brief erste Vorstellungen mitgeteilt. „Allerdings ist das ein erster von hundert Schritten, die bis zur Realisierung gegangen werden müssten“, betont Gutsche. „Wir stehen noch ganz am Anfang“.

Bürgermeister Dr. Max Leitterstorf zeigt sich begeistert. „Mit Jost Hurler hätten wir einen finanzstarken Partner an unserer Seite mit dem wir das Projekt realisieren können.“ Ursprünglich wollte die KRE-Holding dort das neue Hochschulkarree bauen, doch im Jahr 2023 sprang die Firma wieder ab. Wegen der unkalkulierbaren Baupreise war ein weiterer Grund für die Absage, dass die Stadt die Fläche nur in Erbpacht vergeben wollte. Auch Projektentwickler Ten Brinke hatte ursprünglich Interesse bekundet. Wollte aber auch wegen der Erbpacht nicht nachrücken.

Angesichts der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt muss die Entwicklung des Grundstücks einen spürbaren sozialen Mehrwert schaffen
Heike Borowski, SPD-Fraktionsvorsitzende

Die brach liegende Fläche wurde sogar zum Thema der Bürgermeisterwahl. Amtsinhaber Max Leitterstorf (CDU) und seine Herausforderin Heike Borowski (SPD) verkündeten, dass sie sich vehement dafür einsetzten wollen, dass das Filetgrundstück in Zentrum der Stadt endlich bebaut wird. Beide Politiker konnten sich damals gut vorstellen, dass Projekt mit Hilfe einer Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) zu realisieren.

Und das soll nun so umgesetzt werden. In der nächsten Sitzung des Stadtrates am Donnerstag, 9. Juli, ist die SEG Thema. Bürgermeister Leitterstorf, der mit Gutsche schon darüber Gespräche geführt hat, kann sich einer soliden Mehrheit bei der Abstimmung darüber sicher sein.

 „Das Interesse der Jost Hurler Gruppe an einer gemeinsamen Entwicklung des Areals an der Rathausallee zeigt nach Auffassung der SPD, dass dieser Weg auch von erfahrenen Investoren unterstützt wird“, so Fraktionsvorsitzende Heike Borowski. Für die SPD sei jedoch klar: Neben studentischem Wohnen müsse dort auch bezahlbarer und geförderter Wohnraum entstehen. „Angesichts der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt muss die Entwicklung des Grundstücks einen spürbaren sozialen Mehrwert schaffen.“

Der Schwerpunkt der Bebauung in Sankt Augustin soll auf neuem Wohnraum liegen

Gutsche formuliert es ähnlich. Für ihn ist wichtig, dass der Schwerpunkt der Bebauung deutlich auf neuem Wohnraum liegt. „Je mehr, desto besser.“ Er hofft, dass die Stadt das genauso sieht. „Ich begrüße es, wenn mehr Wohnraum geschaffen wird,“ so Leitterstorf auf Nachfrage der Redaktion. Gutsche möchte allerdings keinen Hotelbau, wie er in früheren Planungen vorgesehen war, auf dem 14.500 Meter großen Areal. „Das rechnet sich an dieser Stelle nicht.“

Dr. Maximiliam Gutsche (r), Geschäftsführer der Jost Hurler Gruppe, bei der Eröffnung der neuen Outlet-Ebene im Huma, mit Bürgermeister Dr. Max Leitterstorf (2.v.r.) im November 2024.

Dr. Maximiliam Gutsche (r), Geschäftsführer der Jost Hurler Gruppe, bei der Eröffnung der neuen Outlet-Ebene im Huma, mit Bürgermeister Dr. Max Leitterstorf (2.v.r.) im November 2024.

Der Geschäftsführer kennt sich aus. Das Familienunternehmen Jost Hurler ist auch Inhaber von zwei großen Fünf-Sterne-Hotels. „Das Seehotel Überfahrt am Tegernsee ist laut Michelin unter den sechs besten Adressen in Deutschland“, berichtet Gutsche. Im Juni 2025 wurde das Restaurant unter der Leitung von Cornelia Fischer mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und konnte diesen im Jahr 2026 verteidigen. Das zweite Hotel Andaz befindet sich im Schwabinger Tor, einem großen Münchener Stadtquartier, das ebenfalls im Besitz der Jost Hurler Gruppe ist. Christoph Silber Bonz, Inhaber von drei Hotels in Sankt Augustin und Troisdorf, schließt sich der Meinung von Gutsche an. Ein Neubau an dieser Stelle zwischen Hochschule und Huma wäre „problematisch“.

Wir sind nicht auf schnelle Gewinne aus
Dr. Maximiliam Gutsche, Geschäftsführer der Jost Hurler Gruppe

Gutsche betont, dass das Familienunternehmen Jost Hurler auf solide Objekte mit „langfristiger Perspektive“ setze. Deshalb denke man darüber nach, in die von der Stadt gegründete neue Gesellschaft als gleichberechtigter Partner mit einzusteigen. „Auch für uns ist dies etwas Neues“, so Gutsche. Aber der Standort hätte große Perspektiven und „wenn zwei Partner dasselbe wollen, können man das Ziel gerne gemeinsam verfolgen.“ Allerdings sei man noch „ganz am Anfang.“

Wo jetzt noch Autos parken, soll das neue Quartier mit Schwerpunkt Wohnraum entstehen. Auf dem Areal hinten links vergrößert sich die Hochschule mit einem Neubau.

Wo jetzt noch Autos parken, soll das neue Quartier mit Schwerpunkt Wohnraum entstehen. Auf dem Areal hinten links vergrößert sich die Hochschule mit einem Neubau.

Der Plan sieht vor, dass die Stadt das Grundstück im Wert von rund 7,5 Millionen Euro in die Gesellschaft einbringt, Jost Hurler würde mit demselben Betrag als Einlage einstiegen. Damit wäre das notwendige Eigenkapital für eine ausreichende Finanzierung der Baumaßnahme vorhanden. 

Eigentumswohnungen könnten auf dem Areal entstehen

Und es wird noch weiter gedacht. Hurler bringt die Idee ins Spiel, möglicherweise einen Teil der neu gebauten Objekte nach Fertigstellung zu verkaufen. Damit könnte sozusagen Stück für Stück das Eigenkapital der Gesellschaft gestärkt werden, um das Grundstück nach und nach zu bebauen. Fest steht, dass die Stadt mit der geplanten  SEG einen völlig neuen Weg geht. Dies muss aber noch in den politischen Gremien besprochen werden.

Rainer Gleß auf der Mewasseret-Zion-Brücke in Sankt Augustin zwischen Technischem Rathaus hinten und Huma vorne.

Rainer Gleß auf der Mewasseret-Zion-Brücke in Sankt Augustin zwischen Technischem Rathaus hinten und Huma vorne.

Bürgermeister Leitterstorf betont im Gespräch mit der Redaktion, dass es darum gehe, „die Fläche endlich zu bebauen.“ Wichtig für die Politik sei, dass sie Einfluss darauf nehmen möchte, wie dies konkret realisiert würde. „Wir haben die langfristige Quartiersentwicklung im Blick. “ Nur darauf käme es an. Dies könne mit einer SEG optimal gesteuert werden. Deshalb ist es dem Verwaltungschef wichtig, dass die Mehrheit der Anteile an der SEG in den Händen der Stadt bleibt. „So können wir später unsere Vorstellungen ohne Probelme durchsetzen“, sagt Leitterstorf. 

Noch ist nicht klar, wer Chef der neuen Gesellschaft werden könnte, an der sich auch Jost Hurler beteiligen möchte. Im politischen Raum ist der Name Rainer Gleß aufgetaucht. Er war jahrelang Technischer Beigeordneter und kennt sich somit in der Stadt bestens aus. Schon früh hatte er die Gründung einer Stadtentwicklungsgesellschaft gefordert, um solche Projekte „professionell abzuwickeln.“ Zurzeit ist er zusammen mit Benedikt Bungarten Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt. Von der Redaktion darauf angesprochen meinte er, dass es durchaus eine reizvolle Aufgabe wäre, „beim Entstehen der neuen Stadtentwicklungsgesellschaft dabei zu sein.“