Thomas Laschyk, der Gründer des Faktencheck-Portals „Volksverpetzer“, hielt einen Vortrag im Rhein-Sieg-Gymnasium in sankt Augustin.
„Volksverpetzer“ in Sankt AugustinWie man Fake News und Desinformation enttarnt

Thomas Laschyk ist Gründer und Geschäftsführer des Faktencheck-Portals Volksverpetzer.
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„Glaubt mir kein Wort!“, riet Thomas Laschyk am Dienstagabend dem Publikum in der Aula des Rhein-Sieg-Gymnasiums. Denn obwohl der Gründer des Faktencheck-Portals „Volksverpetzer“ streng faktenbasiert arbeitet, legte er seinen Zuhörerinnen und Zuhörern nahe, sich selbst zu informieren. In seinem Vortrag „Werbung für die Wahrheit“ erklärte der 33-Jährige die Auswirkungen von Fake News und gezielter Manipulation.
Der Kampf gegen Desinformation sei eine der zentralen Herausforderungen für moderne Demokratien. „Meinung kann jeder haben, aber bei Fakten sollten wir dieselbe Grundlage haben, denn sonst funktioniert das mit der Demokratie leider nicht“, betonte Laschyk. Wahrheit sei dabei keine Frage der persönlichen Überzeugung: „Wahrheit ist wie Schwerkraft.“ Gleichzeitig machte er deutlich, dass es kein allumfassendes Kontrollsystem geben könne: „Faktenchecker können nicht alles prüfen, wir sind kein Wahrheitsministerium.“
Nachweislich mit irreführenden Informationen gearbeitet
Anhand prominenter Beispiele zeigte Laschyk, wie sich Desinformation verbreitet. So verwies er auf den Schlagersänger Michael Wendler, der während der Corona-Pandemie mit falschen Behauptungen aufgefallen war. Ob hinter solchen Aussagen immer bewusste Täuschung stecke, sei schwer nachzuweisen: „Ich denke nicht, dass dem Wendler bewusst war, dass es falsch war. Bewusste Täuschung ist technisch nicht nachweisbar.“ Entscheidend sei jedoch die Wirkung, nicht die Absicht.
Laschyk beschrieb ein wiederkehrendes Muster politischer Instrumentalisierung. Dabei gehe es weniger um widerspruchsfreie Positionen als um strategische Wirkung, was sich in der Pandemie besonders gezeigt habe: „Rechte sagen oft das Gegenteil dessen, was der Mainstream ist. Vor dem Lockdown warnte die AfD vor dem Corona-Virus, als es ihn gab, war sie dagegen. Sie hatte mit den Warnungen zwar ausnahmsweise mal Recht, aber die Gefährlichkeit von Corona war der AfD immer egal“, erklärte er. Stattdessen seien Narrative genutzt worden, um bestehende politische Ziele zu unterstützen, etwa Forderungen nach strengeren Grenzen.
Auch bei der Brexit-Debatte in Großbritannien sei nachweislich mit irreführenden Informationen gearbeitet worden. „Politische Akteure anzugreifen – das ist Desinformation“, sagte Laschyk. Ein zentraler Mechanismus sei die emotionale Ansprache. Viele Menschen teilten Inhalte nicht trotz, sondern wegen ihrer Zuspitzung. „Leute teilen etwas, weil sie darauf reingefallen sind und wollen, dass andere das auch tun“, sagte Laschyk.
Er verwies auf frei erfundene Geschichten wie angebliche Sonderzahlungen für Geflüchtete, die gezielt Empörung auslösen sollten: „Das ist frei erfunden, mehr kann ich dazu nicht sagen. Sie streuen auch absichtlich Rechtschreibfehler ein oder erzeugen KI-Bilder, die seltsam aussehen, damit wir darüber lachen und uns aufregen. Wir sollten einfach gar nicht drauf reagieren.“ Deshalb sei ein entscheidender Schritt, den eigenen Impuls zu hinterfragen: „Wenn wir uns fragen, ob das wahr ist, sind wir schon nicht mehr drauf reingefallen.“
Wahrheit hat super viel Kraft.
Neben klassischen Falschmeldungen warnte Laschyk auch vor subtileren Formen der Manipulation. „Man kann Framing erzeugen, ohne dass man Fake News erstellt hätte“, erklärte er. Bereits die Wortwahl könne Wahrnehmungen verschieben. So habe die Tagesschau von einem Anstieg der Klagen gegen Asylbescheide berichtet und den Eindruck erweckt, als seien Geflüchtete dafür verantwortlich – dabei seien es deutsche Gerichte gewesen, die vermehrt Asylanträge abgelehnt hätten. Hinter diesen Narrativen steckten häufig rechte Verlage und Redaktionen: „Diese Medien haben eine eindeutige Agenda“, sagte Laschyk und verwies auf wiederkehrende Themen wie Migration, Klimawandel oder NGOs, die von Rechten in Frage gestellt würden.
Trotz der Größe des Problems zeigte sich Laschyk optimistisch. „Wahrheit hat super viel Kraft“, sagte er. Auch große Protestbewegungen hätten gezeigt, dass viele Menschen bereit seien, sich für demokratische Werte einzusetzen. „Die größten Demonstrationen, die jemals in Deutschland stattfanden, waren die gegen Rechts Anfang 2024 und Anfang 2025. Da sind jeweils auch die Umfragewerte der AfD gesunken.“ Wir dürfen nicht verzweifeln, weil wir annehmen, der Rechtsruck sei unaufhaltbar. Wir sind mehr“, betonte er.
Auf www.volksverpetzer.de prüfen Thomas Laschyk und sein Team Aussagen von Politikern und Politikerinnen sowie Meldungen und Bilder im Netz. Die Seite ist kostenlos. Damit geriet Laschyk bereits häufig ins Visier rechter Aktivistinnen und Aktivisten.

Die Ankündigung eines rechtsextremen Bloggers, die Veranstaltung stören zu wollen, hatte zu Kontrollen vor der Aula geführt.
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Ein AfD-naher Blogger hatte im Vorfeld gedroht, die Veranstaltung in Sankt Augustin zu stören, zum Verunsicherung zu stören. Die Polizei war deswegen vor dem Rhein-Sieg-Gymnasium präsent, durch den Veranstalter fanden Namenskontrollen am Einlass statt. Nach Aussage eines Polizeisprechers gab es aber keine Auffälligkeiten.

