KriminalstatistikDurch weniger Homeoffice steigen Einbruchs-Zahlen in Rhein-Sieg wieder

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Ein Mann mimt einen Einbrecher und benutzt ein Brecheisen, um eine gekippte Terrassentür aufzuhebeln.

Ist die Wohnung leer, haben Einbrecher leichtes Spiel – mit dem Ausklingen der Pandemie steigen die Zahlen wieder an.

Der Whatsapp-Betrug hat im letzten Jahr zugenommen. Den größten Teil der Fallzahlen bilden Diebstahldelikte.

Es ist schwer, der Corona-Pandemie positive Seiten abzugewinnen, sieht man einmal davon ab, dass sie wohl bald ausgestanden sein dürfte. Allerdings wirkten sich Begleiterscheinungen wie Lockdowns, Homeoffice und der allgemeine Rückzug ins Private erheblich auf die Kriminalstatistik aus. Und die zeigt jetzt wieder steigende Fallzahlen für das Gebiet der Kreispolizeibehörde mit seinen elf Kommunen im Rechtsrheinischen: Die Fallzahlen legten von 18 541 im Jahr 2021 auf 20 130 im vergangenen Jahr zu, ein Anstieg um 8,57 Prozent.

Bei der Vorstellung der Statistik im Polizeigebäude an der Frankfurter Straße in Siegburg machte Landrat Sebastian Schuster aber durchaus auch positive Aspekte aus: So blieb die Aufklärungsquote trotz des Anstiegs mit 53,87 Prozent (2021: 53,9 Prozent) fast unverändert. „Sehr erfreulich“ fand Schuster auch, dass bei der Straßenkriminalität praktisch keine Zunahme zu verzeichnen war (4287 Fälle 2021, 4546 Fälle 2022). „Die Bürgerinnen und Bürger können sich im öffentlichen Raum weiterhin sicher fühlen“, so der Landrat.

Wohnungseinbrüche

Die wesentlichen Delikte verteilten sich folgendermaßen: Diebstahl macht 34 Prozent der Fälle aus, Betrug 15 Prozent, Sachbeschädigung neun Prozent, Körperverletzung neun und Rauschgift vier Prozent. Die Kategorie „Sonstiges“ bringt es auf 26 Prozent. Thomas Sawatzki, Leiter der Direktion Kriminalität, ging im Pressegespräch auf einzelne Aspekte ein.

Einbrüche in Wohnungen gingen in der Zeit der Pandemie zurück, legten aber wieder von 302 auf 387 Fälle zu. Thomas Sawatzki wundert das nicht: „Einbrecher scheuen Leute wie der Teufel das Weihwasser“, erläuterte er, wenn wieder weniger zuhause gearbeitet werde, könnten Einbrecher ungestörter zu Werke gehen. Zum Teil seien Einbrüche „mit traumatischen Erfahrungen“ für die Betroffenen verbunden, der Beamte mahnt daher, in die Prävention zu investieren: Die Polizei hat dazu an der Frankfurter Straße einen Ausstellungsraum eingerichtet, in dem anschaulich Schließ- und Sicherheitssysteme oder Alarmanlagen demonstriert werden können.

Sie stellten die Kriminalitätsstatistik 2022 vor: Landrat Sebastian Schuster (v.l.), Direktionsleiter Thomas Sawatzki und Pressesprecherin Elisabeth Uhlmann

Sie stellten die Kriminalitätsstatistik 2022 vor: Landrat Sebastian Schuster (v.l.), Direktionsleiter Thomas Sawatzki und Pressesprecherin Elisabeth Uhlmann

Fahrraddiebstähle

Prävention ist laut Sawatzki ein wichtiges Stichwort bei Fahrraddiebstählen, die Fallzahl stieg von 814 auf 967. Auch hier solle nicht an hochwertigen Schlössern oder einer Codierung gespart werden: Ein modernes Fahrrad koste schnell 3000 Euro.

Rauschgift

Die Zahl der Verstöße gegen Betäubungsmittelgesetz ist seit Jahren etwa gleich. Wurden 2018 796 Fälle registriert, waren es 2021 799 Fälle und 2022 mit 775 etwas weniger.

Computerkriminalität

Kein Morgen vergeht für Direktionsleiter Sawatzki ohne einen neuen Fall von Whatsapp-Schwindel. Die Maschen sind bekannt: Ein vermeintliches Kind meldet sich mit einer neuen Handynummer, die Großmutter wird gebeten, sofort eine Rechnung zu begleichen. Auch vor Betrug in größerem Maßstab warnt er, etwa wenn sich Betrüger als Microsoftmitarbeiter ausgeben, Zugang auf den Rechner verlangen und Passwörter ausspähen. Sawatzkis Rat für Firmen: „Die IT-Sicherheit muss hochgehalten, und Mitarbeiter müssen geschult werden“, unzählige Gruppierungen seien aktiv. Die Fallzahl in der Computerkriminalität stieg von 772 auf 799. Sawatzki ist sich sicher: „Das wird uns auch in diesem Jahr beschäftigen.“

Kinderpornografie

Bei Herstellung, Verbreitung und Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften verzeichnet die Statistik einen Anstieg von 138 auf 144 Fälle. Landrat Sebastian Schuster betont in dem Zusammenhang, das die Ermittlungen für die Beamten besonders belastend seien, die Mitarbeiter bräuchten dabei seelischen Beistand. Thomas Sawatzki zufolge können die Massen an Daten, die dabei anfallen, zunehmend mit Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Aber: „Die KI ist nur ein Hilfsmittel und wird das nie alleine machen können“.

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