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Unfall bei Meerbusch
Lokführer vermutlich unschuldig – Bahn bestätigt Signalprobleme

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) besichtigt den Unfallort in Meerbusch.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) besichtigt den Unfallort in Meerbusch.

Meerbusch/Düsseldorf – Vor dem schweren Zugunglück von Meerbusch hat der Lokführer des Regional-Express 7 auf dem Weg von Köln nach Krefeld einen Fahrbefehl erhalten, obwohl die Strecke nicht frei war. Das hat die Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen (BEU) am Donnerstag bestätigt.

„Dieser Fahrauftrag hebt ein Rotsignal auf“, sagte ein Sprecher der Behörde. Normalerweise wird jeder Zug, der ein Rotsignal missachtet, automatisch gebremst. „Die genauen Umstände, die zur Erteilung dieses Fahrauftrags führten, sind Gegenstand der weiteren Untersuchungen.“

Noch könne keine Aussage darüber getroffen werden, ob der Fahrdienstleiter auf dem Stellwerk einen Fehler gemacht habe. „Wir rekonstruieren das Ereignis im Ist-Ablauf. Das kann lange dauern.“

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Der Regional-Express hatte den Neusser Hauptbahnhof am Dienstagabend um 19.28 Uhr verlassen, musste nach wenigen Kilometern vor dem Rotsignal am Abzweig Weißenberg mitten auf der Strecke aber wieder anhalten. Der Lokführer hatte die Reisenden noch darüber informiert, dass er auf die Freigabe zur Weiterfahrt warte. Die wurde wenig später erteilt.

Güterzug war gerade losgefahren

Dass der Unfall, bei dem 50 Menschen verletzt wurden, neun von ihnen schwer, einen relativ glimpflichen Ausgang nahm, ist zwei äußerst glücklichen Umständen zu verdanken. Zum einen war der Güterzug, auf den der Regional-Express prallte, nach einem Stopp vor dem Signal zur Einfahrt in den Haltepunkt Meerbusch-Osterath gerade wieder angefahren.

Dadurch sei der Aufprall weniger heftig ausgefallen, sagte der BEU-Sprecher. Außerdem waren die Schüttgut-Waggons leer. Mit welcher Geschwindigkeit der Regional-Express nach dem Stopp vor dem Signal auf das Hindernis fuhr, steht noch nicht fest. Die Regeln besagen, dass ein Zug, der bei Rot durch einen Gleisabschnitt fährt, maximal 40 Stundenkilometer und auf Sichtweite fahren darf.

Bahn bestätigt Signalprobleme

Insider bestätigten am Donnerstag die Recherchen des „Kölner Stadt-Anzeiger“, wonach es auf der Strecke zwischen Neuss und Krefeld seit Jahren zu Signalstörungen und Problemen an Bahnübergängen kommt. Die Bahn teilte auf Anfrage mit, ihr seien „bislang keine Auffälligkeiten bei der Signaltechnik bekannt“.

Technische Störungen dieser Art werden beim Eisenbahn-Bundesamt dokumentiert. Im Sicherheitsbericht für 2016 spricht der Eisenbahn-Tüv davon, dass die Bahn-Katastrophe von Bad Aibling „sowie einige weitere Ereignisse zeigen, dass dem Faktor Mensch und seinem Wirken im System Eisenbahn verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden muss“.

Haltesignale in 523 Fällen missachtet

In dem Bericht ist auch von einer „hohen Zahl von überfahrenen Haltesignalen“ die Rede. Insgesamt kam es 2016 zu 831 Störungen und Beinahe-Unfällen. Dabei wurden die Haltesignale in 523 Fällen missachtet, davon kam es in 74 Fällen zu brenzligen Situationen, wurde ein „Gefahrenpunkt erreicht“, so die Behörde. Fälle, in denen das Rotsignal mit Genehmigung missachtet wurde, sind darin nicht enthalten.

In Bad Aibling waren am 9. Februar 2016 bei einem Zusammenstoß zweier Triebwagen zwölf Menschen getötet und 89 zum Teil schwer verletzt worden. Ein Fahrdienstleiter hatte auf der eingleisigen Strecke einem Zug grünes Licht gegeben, obwohl der andere in Gegenrichtung unterwegs war.

Die Unfallstelle in Meerbusch wurde im Laufe des Donnerstag geräumt, der Regional-Express mit zwei Zugteilen zum Neusser Güterbahnhof geschleppt. Einer der Triebwagen kann wohl repariert werden, der andere ist offenbar schrottreif. Beide Züge sollen nach Angaben eines Sprechers zunächst in einem Instandhaltungswerk der DB Regio begutachtet werden. National Express verfügt über keine eigenen Werkstätten.

Strecke weiterhin gesperrt

Wann die Strecke zwischen Neuss und Krefeld wieder freigegeben wird, ist noch unklar. Nach Angaben der Bahn müssen die Oberleitung, das Gleis und der Unterbau erneuert werden. Der Ersatzfahrplan mit Umleitungen gilt zunächst bis zum 11. Dezember. Zwischen Neuss und Krefeld fahren Ersatzbusse. Wer von Köln mit der Bahn Richtung Krefeld möchte, kann mit den Linien RE 1, RE 5 und RE 6 bis Düsseldorf Hbf fahren und von dort auf die Rheinbahn-Linien U 70 und U 76 Richtung Krefeld umsteigen.

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