Liverpool – Jürgen Klopp hat als Vereinstrainer alles erreicht, was es im Fußball zu erreichen gibt. Vor dem Testspiel seines FC Liverpool bei RB Leipzig am Donnerstag (19.15 Uhr, Servus TV) gibt der 55-Jährige seinem früheren Profikollegen und heutigen Journalisten Guido Schäfer eines seiner seltenen Interviews. Beide kennen sich schon lange, schätzen sich – und duzen sich entsprechend.
Bist du glücklich?
Jürgen Klopp: Aber so was von. Ich habe eine Traumfrau, einen Traumberuf und einen Traumverein. Die Reihenfolge ist beabsichtigt. Ulla ist unendlich viel mehr als meine Ehefrau.
Günter Netzer hat über Hennes Weisweiler gesagt, dass der ihn gemacht habe. Ist Ulla dein Hennes in schön?
Wenn du so willst. Sie hat mich gemacht – und hört damit nicht auf. Ulla ist wunderbar, passt ins Leben.
Stimmt es, dass deine Ulla einen nicht unbekannten Herrn von ihrem Platz im Stadion verscheucht hat?
Sie hat ihm nett, aber bestimmt gesagt, dass er falsch sitzt und sicherlich woanders einen ähnlich schönen Blick hat.
Das könnte Sie auch interessieren:
Er war Gareth Southgate, der Coach der englischen Nationalmannschaft.
Sie hat ihn nicht erkannt. Aber selbst wenn, hätte das nichts geändert.
Vor zwei Jahren sagtest du, dass du nach dem Vertragsende beim FC Liverpool 2024 ein Jahr lang nicht arbeiten und dir in dieser Zeit diese Frage stellen möchtest: Vermisse ich den Fußball? Wenn die Antwort nein gewesen wäre, hättest du aufgehört. Und dann kamen die Küche in deinem Domizil und Ulla ins Spiel.
Sie kam ansatzlos zum Thema Vertragsende und fragte, ob wir diesen Verein, diese Fans und diese Stadt wirklich 2024 verlassen wollen. Und sie gab uns selbst die Antwort: Nein, wollen wir nicht.
Und dann ging ein Jürgen-Klopp-Video viral: „Ulla will bleiben. Also, was tust du als guter Ehemann, wenn die Frau bleiben will? Du bleibst.“ Bis 2026. Die Liverpool-Fans widmen deiner Gattin seitdem einen Song.
Dass Ulla länger bleiben will, war ein wichtiger, aber wäre als alleiniger Grund zu wenig gewesen. Ich liebe den FC Liverpool und die riesige LFC-Familie, saß nie auf gepackten Koffern. Wir haben zusammen viel aufgebaut, Höhen und Tiefen erlebt, haben noch viel vor.
Weshalb wolltest du denn 2024 einen Cut machen?
Das hatte nichts mit einer Batterie zu tun, die aufgeladen werden muss. Ich bin stolz, Manager des FC Liverpool zu sein, empfinde das bei all dem Druck, der sich in den Stunden vorm Spiel aufbaut, nicht als Last, schlafe nach wie vor gut und lasse am Ende eines langen Tages Fußball auch mal Fußball sein. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sich mein Leben hauptsächlich zwischen Fußballplätzen, Hotels und Flughäfen abspielt und ich daheim zuweilen nur auf Durchreise bin. Ich habe mich damit arrangiert, wollte aber irgendwann mehr Rücksicht auf Ulla nehmen und ihr nicht nur im Urlaub meine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Dieses Irgendwann beginnt jetzt frühestens 2026.
Ligapokal und FA-Cup gewonnen, Vizemeister in der Premier League, Finalniederlage gegen Real Madrid in der Champions League. Wenn du Noten für die vergangene Saison verteilen würdest …
... ich verteile keine Noten. Es war eine fantastische Saison. Und jetzt komm mir nicht mit „aber ohne Krönung“ um die Ecke. Jedes verlorene Endspiel tut weh, alles andere wäre gelogen. Aber am Tag danach sind wir mit dem offenen Doppeldeckerbus durch Liverpool gefahren, haben mit den Fans gefeiert. Nicht nur Ulla und ich sind mit einem guten Gefühl in den Urlaub gegangen.
Sadio Mané war einer der besten Transfers des FC Liverpool.
Ich stimme vollumfänglich zu. Weltklasse als Typ und Kicker. Seine Beschleunigung aus dem Stand heraus ist einmalig. Seine Ballan- und -mitnahme im Stand oder im Sprint kannst du nicht lernen. Er hat ein eingebautes Navi, weiß immer, wer wo steht und wohin der Ball muss. Sein Dribbling, sein Abschluss, sein Mut, seine Robustheit, seine Leichtigkeit, sein Charakter – alles erste Sahne.
Seine Überzeugungskraft muss auch vom anderen Stern sein. Wie hat er seinen Wunsch des Wechsels zum FC Bayern durchbekommen? Du hättest eingedenk des bis 2023 laufenden Vertrages nein sagen können.
Hätte ich, ja. Sadio und Liverpool, das bleibt für immer. Wir hatten zusammen sechs geile Jahre, haben gelitten und gefeiert. Jetzt wollte er etwas Neues machen, und wir haben diesem Wunsch entsprochen.
Aus Dankbarkeit?
Auch. Aber natürlich müssen auch die wirtschaftlichen Aspekte stimmen.
Bist du eigentlich zufrieden mit deiner Spielerkarriere?
Ich hätte gern ein, zwei Bundesliga-Spiele gemacht, bin aber mit meinen über 300 Spielen eins drunter glücklich. Einstellung: Bundesliga. Talent: vierte Liga. Macht zusammen: zweite Liga. Wir hatten damals deutlich mehr Spaß als Erfolg.

