Marie-Agnes Strack-Zimmermann sorgte jetzt erneut für Aufsehen. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag lud niemand Geringeren als Kanzler Olaf Scholz in das Gremium ein. Am Mittwoch soll der Sozialdemokrat in das Gremium kommen. „Es handelt sich hierbei nicht um eine Vorladung, sondern eine respektvolle Einladung“, schrieb die FDP-Politikerin ihren knapp 100.000 Followern bei Twitter.
Die Zeiten erforderten einen ehrlichen Austausch. Nicht alle fanden das gut. So schrieb die wesensverwandte Grünen-Abgeordnete Renate Künast zurück, das sei „reine Show“.
Im Bundestag fällt die Rheinländerin immer öfter auf
Strack-Zimmermann ist längst eine der auffälligsten Figuren im Parlament – und in der FDP, die am Wochenende ihren Parteitag abhält, sowieso. Dort stehen unter anderem Nachwahlen für Präsidium und Bundesvorstand, dem sie angehört, auf dem Programm. So geht es auch um die Nachfolge von Generalsekretär Volker Wissing, der jetzt Bundesverkehrsminister ist.
Strack-Zimmermann, die in München Publizistik, Politikwissenschaft und Germanistik studiert hat, war lange kommunalpolitisch tätig. Erst vor zwei Jahren kandidierte sie für das Amt der Oberbürgermeisterin in Düsseldorf. In den Bundestag zog die Liberale spät ein, nämlich 2017 mit damals bereits 59 Jahren. Hier allerdings fiel sie rasch auf – und tut dies nun jeden Tag mehr.
Keine, die man disziplinieren kann
Das hat zuerst mit Strack-Zimmermanns Temperament zu tun. Die Rheinländerin ist unerschrocken und reagiert auch auf Einwürfe keineswegs eingeschnappt, sondern robust und bis zu einer gewissen Grenze dialogbereit. Wer sie kennen lernt, der begreift schnell: Strack-Zimmermann ist keine, die man disziplinieren kann. Dafür ist sie für Talkshows bestens geeignet.
Der Bekanntheitsgrad der 64-Jährigen verdankt sich neuerdings der Tatsache, dass sie ihr Amt als Chefin des Verteidigungsausschusses, was die Publizität angeht, voll ausschöpft. Dabei steht Strack-Zimmermann tiefer im Stoff als Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD), die die große Öffentlichkeit im Allgemeinen und Social Media im Besonderen eher meidet und sich in einer maximalen Drucksituation allmählich in das eigene Haus und die Verteidigungspolitik einfinden muss.
Der russische Angriff auf die Ukraine tut ein Übriges. Strack-Zimmermann hat sich von Beginn an in die Debatte eingemischt. Zuletzt fuhr sie mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Michael Roth (SPD), sowie dem Vorsitzenden des Europa-Ausschusses, Anton Hofreiter (Grüne), in das Land und forderte dort die Lieferung auch schwerer Waffen.
Im Kanzleramt wurde Strack-Zimmermann nach eigener Aussage „Kriegstourismus“ vorgeworfen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich nahm die drei Reisenden ebenso unter Feuer wie sein Fraktionskollege Michael Müller, der beklagte, die Visite sei „nicht hilfreich“ gewesen, und sie seien „voller Emotionalität“ zurückkehrt. Besser als mit führenden Sozialdemokraten versteht sich Strack-Zimmermann mit dem ebenfalls zunehmend bekannten Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München. Die beiden spielen sich bei Twitter immer wieder die Bälle zu.
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Die FDP-Frau, die sich gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ als „Stachel im Fleisch“ bezeichnet, wirkt jedenfalls unverändert kraftvoll und selbstbewusst -auch im Angesicht des Kanzlers. „Ich sehe mich nicht als Widersacherin“, teilte sie soeben mit. „Ich schätze Olaf Scholz persönlich, ich suche intern die Gespräche. Ich verlange nur Führung und klare Kante.“ Und in der Ukraine dürfe Deutschland „keine Zeit verlieren“.



