Im Derby gegen Borussia Mönchengladbach kämpft Trainer Lukas Kwasniok nicht nur um dringend benötigte Punkte, sondern auch um seine Zukunft beim FC
1. FC Köln vor MönchengladbachDerby als Kwasnioks Endspiel?

Lukas Kwasniok auf dem Trainingsplatz in dieser Woche
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Anders als in vergangenen Jahren hatten die Fans des 1. FC Köln am Freitag keine Gelegenheit mehr, ihre Mannschaft effektvoll ins Derby zu verabschieden. Das Abschlusstraining fand im Rhein-Energie-Stadion hinter geschlossenen Toren statt, keine Ansprache der Szene also, keine Fackeln. Dennoch war für die FC-Profis nicht zu übersehen, worum es am Samstagnachmittag gehen wird (15.30 Uhr, Sky): „Den Feind schlagen – die Klasse halten“, prangte auf einem Banner über beinahe die gesamte Breite der Südtribüne. Still hing es da im leeren Stadion – und gab doch einen Vorgeschmack auf die möglichen Dramen des Samstags im ausverkauften Stadion.
Dass die Mönchengladbacher als „Feind“ bezeichnet wurden, darf man getrost als übliche Fußballrhetorik verbuchen. Nur weil die Welt voller Krieg und Konflikte ist, werden die Fans vor dem Spiel des Jahres kaum abrüsten – wem würde das helfen? Die Wirklichkeit außerhalb Müngersdorfs wird am Samstagnachmittag keine Rolle spielen. Für beide Mannschaften geht es sportlich um Vieles: Köln könnte einen Schritt weg von der Abstiegszone machen – und Mönchengladbach zu einem Comeback im Kreis der Gefährdeten verschaffen. Ob es, wie das Banner nahelegte, auch der entscheidende Schritt zum Klassenerhalt wäre?
Die Stille vor dem Derby hat auch Lukas Kwasniok gespürt. Der Trainer steht persönlich vor einem entscheidenden Spiel. Sollte Köln nicht gewinnen, dürfte seine Mission als FC-Trainer nach 27 Bundesligaspielen zu Ende gehen. Formuliert hat das niemand, doch die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Auf den Druck angesprochen, wurde der 44-Jährige grundsätzlich. „Jede Aufgabe, jede Situation, die vor dir liegt im Leben, kannst du je nach Mindset unterschiedlich bewerten. Du kannst sie als Problem wahrnehmen, hast Angst vor irgendwas. Du kannst sie aber auch als große Gelegenheit und Chance wahrnehmen. Das ist das Mindset von Leistungssportlern, die gewinnen wollen. Die Jungs sehen jedes Spiel als Gelegenheit, als Chance, um auf sich aufmerksam zu machen“, sagte er. Gelegenheit und Chance also: die mehrfache Variation eines einzigen Gedankens, ein Selbstgespräch vor Publikum. Das war verbaler Lärm über einem stillen Zentrum. Statt über das Naheliegende nachzudenken, wiederholte er das Gegenteil.
Ich habe sehr wohl gewusst, worauf ich mich hier einlasse. Sieben Abstiege, man hat es immer mit Trainerentlassungen versucht
Kwasniok weiß, dass er die Folgen einer Niederlage nicht wegsprechen kann. Dann wird ohnehin das Umfeld übernehmen. Bis dahin kämpft der Trainer darum, die Deutungshoheit zu behalten. Er und seine Mannschaft sehen „dieses Spiel als Chance, wieder einen Boost hier reinzubekommen. Und nicht als Problem oder Herausforderung, die negativ enden könnte. So ist zwar das Leben. Aber als Leistungssportler denkt man immer: Nächstes Spiel, nächste Gelegenheit.“ Kein übergroßes Derby also. Nur eine Gelegenheit, zu glänzen.
Kwasnioks Worte waren klug gewählt: Im Fall einer Niederlage wird er sich ohnehin nicht mehr zur Lage beim 1. FC Köln äußern müssen. Auch da baute er vor – der Trainer war, wie gewohnt, gut vorbereitet. „Ich habe sehr wohl gewusst, worauf ich mich hier einlasse. Sieben Abstiege, man hat es immer mit Trainerentlassungen versucht“, sagte er – als sei die Debatte um seine mögliche Entlassung historisch-strukturell zu führen, unabhängig von seiner Person. Wie um von sich abzulenken, griff er an – und zitierte auf Kölsch: Man trage beim FC zwar immer das Motto „zesamme sin mer stark“ vor sich her; im Ergebnis wollten alle „arbeiten wie in Freiburg und festhalten, wenn es mal schlecht läuft“.
Zugleich aber versuche die Öffentlichkeit und auch das mediale Umfeld, das „zu konterkarieren“. Er sei deswegen „sehr beeindruckt von der Vereinsführung, wie sie mit diesen Dingen umgeht. Weil sie, glaube ich, auch das Gefühl hat, dass hier einer sitzt, genauso wie die Mannschaft, die um jeden einzelnen Punkt kämpft und um den Job, weil es ein fantastischer Job ist, es ist eine tolle Challenge, in der Bundesliga mit dem 1. FC Köln zu spielen. Und am Ende bleibe ich dabei: Wir werden unser Ziel erreichen, zu 100 Prozent.“ Es war ein Satz, der mittendrin die Richtung wechselte – ungewöhnlich für Kwasniok: von der Spitze gegen Verein und Umfeld über das Lob an die Vereinsführung, einen Schlenker zur Mannschaft, zum Job, zur Herausforderung – bis zum Versprechen, dass alles gut wird.

Das Derby auf der Südkurve am Freitagnachmittag
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Die Vereinsführung, die er erst lobt und dann mit der Trennungskultur beim FC konfrontiert, wird diesen Satz gehört haben. Sollte es für Kwasniok am Samstag zu Ende gehen, wird er diese Aussage mitnehmen.
1. FC Köln: Schwäbe - Krauß, van den Berg, Özkacar, Lund - Johannesson, Martel - Maina, Kaminski, S. El Mala – Ache; Mönchengladbach: Nicolas - Sander, Elvedi, Diks - Reitz, Engelhardt - Scally, Castrop - Honorat, Stöger - Tabakovic; Schiedsrichter: Schiedsrichter: Sören Storks (Ramsdorf).

