Köln/Mainz – Steffen Baumgart hat zuletzt in einem sehr grundsätzlichen Dilemma gesteckt: Man kann nicht alles haben im Leben, das gilt selbstverständlich auch im Fußball. Baumgart war selbst Stürmer, er mag Stürmer und favorisiert eine aktive Spielweise, in der es viele Torchancen gibt und damit auch Tore. Wobei Steffen Baumgart Wert auf die Feststellung legt, seine Mannschaft spiele gar nicht außerordentlich offensiv. Sie verteidige nur eben schon sehr tief in der gegnerischen Hälfte.
Um die Abwehr des Gegners unter Druck setzen zu können, lässt Baumgart am liebsten mit zwei Stürmern spielen, was dann nicht selten auf Kosten der Stabilität geht: Spielte Köln mit zwei Spitzen, war Ellyes Skhiri meist allein vor der Abwehrkette und hatte dort so viel zu tun, dass selbst der so laufgewaltige Tunesier an seine Grenzen geriet. Skhiri kann zwar rennen für zwei. Doch konnte sogar er nichts dagegen unternehmen, dass die Kölner sich schwertaten, die eigene Hälfte zu verteidigen.
1. FC Köln: Zwei Spitzen sollen es sein
Die Frage, ob seine Mannschaft nun mit zwei Spitzen oder mit zwei defensiven Mittelfeldspielern auftreten solle, hat Steffen Baumgart zuletzt mit einem zünftigen „sowohl als auch!“ beantwortet. Das ging, indem er das System wechselte: Vor der Viererkette spielen neuerdings drei Duos: Zwei defensive und zwei offensive Mittelfeldspieler, davor zwei Stürmer. Das hat den Vorteil eines verdichteten Mittelfelds, außerdem hat man bei Ballbesitz vier praktisch ausschließlich offensiv denkende Akteure auf dem Platz.

FC-Spieler im Training: Denis Huseinbasic, Sargis Adamyan und Florian Kainz
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Weil man aber wie bereits angedeutet nicht alles haben kann, müssen für diese Lösung Spieler draufzahlen. Und zwar mit Extra-Kilometern. Die Zentrale ist zwar unter Kontrolle. Dafür aber haben die Außenverteidiger die gesamten Flügel für sich allein. „Wir hatten oft die Situation, dass wir nur einen Stürmer hatten, wenn wir mit zwei Sechsern gespielt haben.
Das gefällt mir nicht, ich spiele lieber mit zwei Stürmern. Darum haben wir uns überlegt, was möglich ist, damit wir vor der Abwehrkette trotz zweier Stürmer nicht in Unterzahl sind“, erklärt Baumgart, dessen Elf zuletzt oft Rückständen hinterherlaufen musste. „Wir wollen versuchen, die Stabilität zu erhöhen.“
Die Meister der letzten halben Stunde
Keine Mannschaft punktet in der ersten Halbzeit so schlecht wie der 1. FC Köln, allerdings ist der FC die stärkste Comeback-Mannschaft der Liga; zwölf Punkte holten Baumgarts Spieler in dieser Saison nach Rückständen. Insgesamt spielt kein Team in der letzten halben Stunde so erfolgreich wie der 1. FC Köln – und das trotz der Doppelbelastung durch die Conference League. Oder eben wegen der viel diskutierten Rotation.
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Heute Abend spielt der FC in Mainz, die Mannschaft von Bo Svensson ist ebenfalls außerordentlich erfolgreich im zweiten Durchgang. Die Intensität, für die beide Mannschaften bekannt sind, wird also auch gegen Ende der Partie nicht nachlassen.
Intensiv wird es auch an der Seitenlinie zugehen. Beim 3:2 über den FC Augsburg am vergangenen Sonntag gab FCA-Boss Stefan Reuter einmal mehr den Scharfmacher. Heute Abend steht dem nicht gerade zurückhaltenden Dänen Bo Svensson sein Assistent Babak Keyhanfar zur Seite, eine Legende der Seitenlinienprovokation. Das dürfte wieder anstrengend werden.
Überharte Mainzer
Die Kölner erinnern sich gut an die Mainzer Gangart im eigenen Stadion: Beim 1:1 vor einem Jahr hatte Stefan Bell Anthony Modeste bereits in der ersten Halbzeit brutal aus dem Spiel gefoult und dafür nur Gelb gesehen. Später erklärte ein Mainzer Spieler im TV-Interview, in der Halbzeitpause habe Coach Svensson „mehr Intensität“ gefordert von seinen Leuten.

FC-Trainer Steffen Baumgart vor der Abfahrt nach Mainz
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Im zweiten Durchgang verletzte dann Karim Onisiwo Kölns Torwart Timo Horn mit einer vollends unsinnigen Attacke schwer, was Horn den Rest der Hinrunde und im weiteren Verlauf seinen Stammplatz im FC-Tor kostete. Das mit der „Intensität“ hat also auch eine Kehrseite.
Zwei Teams auf Augenhöhe
Fußballerisch dürfte es eine ausgeglichene Angelegenheit werden. „Mainz ist eine Mannschaft, die mit uns auf Augenhöhe agiert, das sieht man auch an den Punkten: Wir haben 16, sie 15. Beide Mannschaften werden auf Sieg spielen, das ist auch unser erklärtes Ziel.“
Nach einer Woche ohne Verpflichtungen außerhalb des Bundesligabetriebs werden die Kölner frisch in die Partie gehen, während die Mainzer die weite Reise zum Pokalspiel in Lübeck absolvieren mussten, wo sie sich 3:0 durchsetzten. „Wir konnten die Belastung im Training wieder hochfahren. Das haben wir gemacht. Es war schön, mal wieder eine normale Woche zu haben“, erklärte Baumgart.



