Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

Kommentar

FC-Bosse stützen den umstrittenen Trainer
Rückdeckung für Wagner ohne Beleg

Beim 1. FC Köln wächst der Druck auf René Wagner. Die Klubführung stützt den Coach intern, öffentlich fehlt der Nachweis.

Ein Kommentar von
Fußball 1. Bundesliga 7. Spieltag 1. FC Köln - FC Schalke 04 am 24.10.2026 im RheinEnergieStadion in Köln Rene Wagner  Trainer / Cheftrainer Köln  DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. *** Soccer, Bundesliga 1, Matchday 7: 1. FC Köln vs. FC Schalke 04 on October 24, 2026, at the RheinEnergieStadion in Cologne. Rene Wagner, Head Coach of Köln. DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. xJRx

FC-Trainer René Wagner während der Pressekonferenz nach der Nullnummer gegen Schalke

Das Spiel gegen den Aufsteiger Schalke 04 war ein spielerischer Offenbarungseid und endete folgerichtig 0:0. Der 1. FC Köln wirkte ideen-, harm- und mutlos. Der Unmut im Stadion wurde nach dem Abpfiff deutlich. Die Rufe gegen Trainer René Wagner sind kein Randgeräusch mehr. Die Stimmung kippt.

Der Befund auf dem Platz erklärt einen Teil davon. Der Spielaufbau war lahm, der Ball lief quer und ohne Tempo. Im Positionsspiel fehlte die Ordnung: Die Abstände zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff stimmten selten. Wer in dieser Aufstellung keine Anspielstationen findet, gerät auch gegen einen tiefstehenden Gegner ins Stocken.

Dass die Klubspitze am Trainer festhält, ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar. Sie hat ihn ausgewählt, und ein Wechsel nach sieben Spieltagen würde Hektik signalisieren. Kontinuität braucht aber Substanz. Der Gegner war personell dezimiert und verlor früh weitere Spieler, trotzdem fand der FC keine Antwort. Wenn die Mannschaft im letzten Drittel wiederholt keine Idee findet, muss erlaubt sein zu fragen, wem die Idee fehlt: dem Plan oder der Umsetzung.

Die Fans erwarten keine Wunderdinge

Die Rückendeckung besitzt der Trainer intern, nach außen hat er keinen Kredit. Die Rufe kamen nach dem Abpfiff von der Nord- und der Westtribüne, nicht von einzelnen Zuschauern. Die Erwartungshaltung, auf die Wagner verwies, erklärt den Unmut über das Spiel gegen Schalke nicht. Die Fans erwarten keine Wunderdinge. Der Unmut folgte aus dem Auftritt selbst. Aussagen auf der Pressekonferenz wie „Das hat die Mannschaft super gemacht und die Null gehalten“ sind nicht die, die man nach dieser Enttäuschung hören will.

Hörbaren Unmut gab es bereits nach den Wechseln am Samstag, die teilweise unverständlich waren. Sie wirkten eher kalkuliert als vom Willen getragen, das Spiel selbst zu entscheiden. Der Trainer braucht eine Linie, die auch dann trägt, wenn der Spielverlauf sie infrage stellt. Ob er reagiert oder eigensinnig am Plan festhält, wird in den nächsten Spielen genau zu beobachten sein. Das ist zwar kein abschließendes Urteil, lässt aber wenig Raum für Geduld.

Am Dienstag wird der Pokal gegen Union zum Gradmesser, zumindest für die Reaktionen im Stadion. Der FC muss daheim mutiger auftreten. Ein Weiterkommen würde den Druck kurz mildern, ein frühes Aus würde die Debatte zur Systemfrage machen. Gleichwohl bleibt die Ausgangslage erträglich. Acht Zähler aus sieben Spielen sind kein Absturz, und die Tabelle gibt noch Spielraum. Beunruhigender ist die Richtung, und die schwersten Aufgaben stehen erst nach den beiden Partien gegen Union in Pokal und Liga bevor. Wagner ist immerhin seit rund sieben Monaten im Amt, ein Fortschritt ist dennoch nicht zu erkennen.

Augen zu und durch

Die Klubspitze setzt auf: Augen zu und durch! Das bringt kurzfristig Ruhe, eine Trennung vom Trainer wäre dagegen das Eingeständnis eines Fehlgriffs – es wäre Kesslers zweiter infolge. Eine Ablösung wäre jetzt zudem eine Überraschung, zumal es Schlag auf Schlag geht. Davon wird der Klub absehen, solange die kommenden Spiele noch eine Antwort bieten. Der FC muss jetzt allerdings die Kurve bekommen, bevor der Winter die Lage festschreibt. Ob René Wagner und die Mannschaft das schaffen, ist indes fraglich.