Der FC hat nach vielen Abgängen großen Bedarf. Immer mehr Kandidaten werden am Geißbockheim gehandelt.
Immer mehr Neue gehandeltDas große Personalpuzzle des 1. FC Köln

Wiedersehen: Kölns Cheftrainer René Wagner und der Noch-Frankfurter und mögliche FC-Rückkehrer Ellyes Skhiri Anfang April beim Bundesligaspiel in Hessen.
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Der 1. FC Köln steht vor einer arbeitsreichen Transferperiode, daran hat sich auch nach den ersten Trainingstagen nichts geändert. Nach elf Abgängen und bislang nur zwei externen Zugängen – den Verteidigern Luka Lochoshvili und Gideon Mensah – sowie Tom Krauß und Jahmai Simpson-Pusey, deren Kaufoptionen gezogen wurden, und der Rückkehr des zuletzt an Dresden ausgeliehenen Abwehr-Talents Julian Pauli ist klar: Mindestens sieben neue Spieler sollen noch kommen.
Sportchef Thomas Kessler ist sich der Lücken bewusst und hat Prioritäten gesetzt. „Zufriedenheit brauche ich heute nicht, ich will nach der Saison zufrieden sein“, sagte der Geschäftsführer Sport beim Trainingsstart mit Blick auf die bisherigen Transfers. In der Innenverteidigung sieht der FC sein Werk vorerst abgeschlossen. Mit Mensah ist auch die Linksverteidiger-Position besetzt. Doch im Zentrum sowie in der Offensive besteht Handlungsbedarf. „Wir werden sicher im zentralen Mittelfeld etwas machen und schauen, dass wir in der Offensive noch Spieler hinzubekommen“, sagt Kessler. Die Strategie ist eine Mischung aus etablierten Profis, die sofort eine Führungsrolle einnehmen sollen, und Talenten mit Entwicklungspotenzial – wie der 20-jährige Simpson-Pusey, der überraschend schnell durchstarten könnte.
1. FC Köln: Gerüchte-Karussell dreht sich immer schneller
Das Gerüchte-Karussell dreht sich nach Wochen des vermeintlichen Stillstands mittlerweile in vollem Tempo. Ein Gerücht jagt das nächste, es geht fast zu wie in einem Taubenschlag. Bei all den Spekulationen spielen viele Interessen eine Rolle – von Spielerberatern über die Vereine bis zur Öffentlichkeit, die aus bestimmten Gründen ihre jeweiligen Geschichten platzieren. Bis zum Trainingslager in Kitzbühel (ab 24. Juli) wäre es für den FC ratsam, noch den einen oder anderen Wechsel perfekt zu machen. Doch das Transferfenster ist bis zum 1. September geöffnet – es kann sich noch viel bewegen. Für Hektik gibt es keinen Grund.
Im defensiven Mittelfeld wird es konkret. Der FC hat sich intensiv mit Ellyes Skhiri beschäftigt, der ans Geißbockheim zurückkehren soll. „Ich habe über den Spieler nachgedacht. Den Spieler kenne ich sehr, sehr gut“, sagte Trainer René Wagner – aus gemeinsamen Baumgart-Zeiten, als der Tunesier zwischen 2019 und 2023 in Köln mit 17 Toren ein absoluter Leistungsträger war. Gespräche mit Eintracht Frankfurt haben bereits stattgefunden und verliefen nach Informationen dieser Zeitung positiv. Skhiris Vertrag läuft 2027 aus, die Eintracht würde dem Tunesier keine Steine in den Weg legen. Allerdings: In Frankfurt ist der Tunesier weit von seiner alten Kölner Form entfernt. Bei der Weltmeisterschaft hatte der Routinier eine schwere Zeit, war einer der Schwächsten einer schwachen tunesischen Mannschaft. Sein Marktwert sank von 13 auf fünf Millionen Euro – und das, obwohl er den FC damals ablösefrei verließ. Als Ablöse für Skhiri stehen 1,5 bis zwei Millionen Euro im Raum. Eine Einigung zwischen Köln und Frankfurt gibt es bislang noch nicht. Die Kölner hoffen, dass Skhiri an seine alte Leistungsstärke wieder herankommt.
Auch mit Edson Álvarez (kann und soll Absteiger West Ham United verlassen) wurde gesprochen, allerdings zeichnet sich ab, dass dieser Wechsel unwahrscheinlich geworden ist. Ohnehin soll das Werben um den WM-Teilnehmer und Kapitän der mexikanischen Nationalmannschaft kein einfaches Unterfangen sein. Das finanzielle Gesamtpaket für den 28-Jährigen – insbesondere Álvarez’ Gehalt – ist für den FC kaum stemmbar.
Salih Özcan war ebenfalls ein Kandidat. Das FC-Eigengewächs, das zuletzt bei Borussia Dortmund chancenlos war, zeigte nach Informationen dieser Zeitung Bereitschaft zur Rückkehr. Es gab zwei Gespräche der Kölner Verantwortlichen mit Özcans Seite. Der türkische WM-Teilnehmer, der ablösefrei ist, hätte auf erhebliche Teile seines bisherigen Gehalts verzichtet. Doch der FC entschied sich anderweitig. Mittlerweile hat Özcan einen neuen Klub gefunden: Besiktas Istanbul verpflichtete den 28-jährigen Mittelfeldspieler, der begeistert empfangen wurde.
Für eine andere Rolle hat Kessler den Schweden Otto Rosengren (23, Malmö) auf dem Zettel. Der 23-Jährige zählt zu den interessantesten Mittelfeldspielern Skandinaviens und sieht sich selbst nicht als klassischer Sechser, sondern als ein eher offensiv orientiert. Somit könnte er genau das sein, was dem FC im Mittelfeld fehlt – ein Spieler, der zwischen den Linien agiert und die Offensive findet.
Im Sturm und auf den offensiven Außenbahnen werden mehrere Optionen sondiert. Der polnische U-21-Nationalspieler Marcel Regula (19, Zaglebie Lubin), unter Vertrag bis 2028, wird von den Kölnern seit längerem beobachtet. Die Kölner halten offenbar viel vom jungen Spieler. Es habe bereits einen ersten Austausch gegeben, konkrete Verhandlungen finden aber noch nicht statt. Reigan Heskey (18, Manchester City), Sohn der England- und Liverpool-Legende Emile Heskey, ist laut „Geissblog“ ebenfalls ein Kandidat für die linke Außenbahn. Die Kölner wollen offenbar ihre gute Beziehung zur Akademie der Citizens nutzen, bei denen Heskey noch in der U21 zum Einsatz kommt. Mit Thomas Krücken ist ein gebürtiger Rheinländer und ehemaliger FC-Jugendtrainer Nachwuchschef in Manchester. Gehandelt wird auch Inter Mailands Jamal Iddrissou (18) – als Backup für Ragnar Ache in der Sturmposition.
Die Puzzleteile sind vielfältig, die Gerüchte teilweise wild. Die Suche nach dringend benötigten Verstärkungen läuft auf Hochtouren. Kessler mahnt aber zur Geduld und sagt: „Lasst Euch überraschen!“ Spätestens bis zu den ersten Pflichtspielen Ende August sollten die meisten Lücken gefüllt werden.
